ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2019Visualisierung therapeutischer Gespräche: Gelungene Verbindung von Handwerk und Mundwerk

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Visualisierung therapeutischer Gespräche: Gelungene Verbindung von Handwerk und Mundwerk

PP 18, Ausgabe Juli 2019, Seite 328

Kattermann, Vera

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„Wir sind Mundwerker“ – so bringt der Frankfurter Psychotherapeut und Coach Manfred Prior das therapeutische Handeln auf den Punkt. Das gesprochene Wort steht im Mittelpunkt unseres Tuns, darin manifestiert und transportiert sich das therapeutische Geschehen im Fühlen, Denken und Verstehen. Aber warum sollten wir eigentlich nicht die Synergieeffekte nutzen, die durch die Verbindung von Handwerk und Mundwerk erwachsen? Wenn wir also die verbale therapeutische Kommunikation vertiefen durch das Sichtbarmachen des Verstandenen? Patientinnen und Patienten profitieren davon in mehrfacher Hinsicht: auch hochkomplexe Konfliktlagen sind so auf die wesentlichen Dynamiken zu reduzieren und zu präzisieren. Missverständnisse zwischen Therapeut/-in und Patient/-in lassen sich damit unmittelbar überprüfen und korrigieren. Die Visualisierung bedeutet zudem eine zweite Ebene der Symbolisierung, die eine zusätzliche Distanznahme vom Problemerleben erlaubt. Schließlich eröffnet der Prozess der Visualisierung auch neue Rahmungen für Erkenntnis – bisweilen mündend im nachdenklichen Ausruf: „Jetzt wird mir klar: ...!“. Und vielleicht letzter Trumpf dieses Zugangs: die Patienten/-innen können die erarbeitete Einsicht als Zettel zusammenfalten (auch große Probleme werden darin überraschend klein), mitnehmen und die innere Auseinandersetzung damit auch eigenständig fortsetzen. Der methodische Gewinn überzeugt also schnell, die von Manfred Prior entwickelte Visualisierung von therapeutischen Gesprächen will gerne gelernt sein. Was liegt näher, als dafür abermals eine Methode der Visualisierung zu nutzen: nämlich das Lernen mit Demonstration auf einem DVD-Set. Prior hat dafür eine Workshop-Veranstaltung gefilmt, welche sein Vorgehen nicht nur praxisnah vermittelt, sondern durch die Live-Demonstrationen und die konkreten Nachfragen der Teilnehmer/-innen auch plastisch werden lässt.

Gleich wird deutlich: Für diese bestechend einfache Methode muss man wahrlich kein Künstler sein, braucht nicht einmal grafische Begabung. Wie angenehm, dass sich auch hochkomplexe Problemsituationen mit einem derart einfachen und unkomplizierten Zugang bearbeiten und klären lassen. Und doch steckt der Teufel ja oft im Detail: viele Fragen zum Know-how entstehen erst im Geschehen. Der komplette Mitschnitt des eintägigen Workshops ermöglicht ein kleinschrittiges und detailliertes Lernen und zeigt zudem auf, wie viel Leichtigkeit und Lockerheit im Prozess der Visualisierung freigesetzt werden. Das dürfte nicht nur an Priors humorvoll-selbstironischer Art liegen, sondern auch an seiner freundlich-bescheidenen therapeutischen Grundhaltung. Er zeigt keinen missionarischen Sendungseifer und keinerlei theoretische Allüren. So betont er auch, dass es ihm nicht darum geht, gleichsam rigide eine spezifische Technik zu vermitteln, sondern er vielmehr dazu einlädt, das Vorgehen in den jeweils eigenen therapeutischen Stil zu integrieren. Das macht sogleich Lust, selbst auszuprobieren und zu experimentieren. Mit schwäbischem Augenzwinkern (Prior outet sich auf der DVD als schwäbischer Therapeut) ein weiterer Vorteil der DVD: sie spart nicht nur Fortbildungs-, sondern auch Fahrt- und Übernachtungskosten. Bloß das mit den Fortbildungspunkten wäre dann noch zu lösen. Die DVD kann also therapeutisch aufgeschlossenen Kollegen/-innen wärmstens empfohlen werden. Vera Kattermann

Manfred Prior: Punkt, Punkt, Komma, Strich – fertig ist die Lösungssicht. Prior productions 2018, DVD, Farbe, ca. 2 Stunden, 49,95 Euro

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