ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2019Theory of Mind: Aktueller Wissensstand übersichtlich und klar

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Theory of Mind: Aktueller Wissensstand übersichtlich und klar

Ringwelski, Beate

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Sich in andere Menschen hineinzudenken, ist eine unentbehrliche Fähigkeit für das soziale Zusammenleben. Diese sogenannte „Theory of Mind“ wird intensiv beforscht. Über den aktuellen Wissensstand informiert dieses Büchlein in einer klar formulierten Sprache und übersichtlicher Form. Wir sind dank dieser Fähigkeit mehr oder weniger in der Lage zu erfassen, was der Mensch uns gegenüber weiß, glaubt, wünscht, plant oder mag. Wie ist seine Sicht auf eine Situation? Was will er und warum? Abzugrenzen sind Empathie und Mitgefühl. Mittels funktioneller Magnetresonanztomografie lassen sich die Hirnareale identifizieren, die jeweils aktiv sind. Erfindungsreich standardisierte Aufgaben machen die Theory of Mind mess- und vergleichbar. Dabei stellt sich heraus, dass schon zwischen gesunden Erwachsenen erhebliche Unterschiede bestehen. Bei Kindern kann man die Entwicklung dieser Fähigkeit beobachten und ein Nachlassen bei dementen Personen. Eingeschränkt ist sie bei verschiedenen Krankheitsbildern, besonders bei Autismus, Schizophrenie und während depressiver Episoden. Aber auch bei Alkoholabhängigkeit, bipolaren Störungen, frontotemporaler Demenz, M. Parkinson, Persönlichkeitsstörungen und Kindern mit spezifischer Sprachentwicklungsstörung treten Beeinträchtigungen auf. Zur Therapie wurden Trainingsprogramme entwickelt, die aber sicherlich noch ausbaufähig sind. Interessant ist die Diskussion darüber, ob auch Tiere mit ihren Artgenossen oder gar uns Menschen „mitdenken“ können. Der Text wird durch treffende Fallbeispiele illustriert. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis lädt zur Vertiefung ein. Beate Ringwelski

Anne Böckler-Raettig: Theory of Mind. Reinhardt Verlag, München 2019, 95 Seiten und 12 Abbildungen, kartoniert, 16,99 Euro

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