ArchivDeutsches Ärzteblatt27/1996Arzt im Praktikum: Erstmal was leisten?

SPEKTRUM: Leserbriefe

Arzt im Praktikum: Erstmal was leisten?

Wolff, E.

Zu dem Leserbrief "Zu hohe Ansprüche" von Dr. med. Wolfgang Weise in Heft 20/1996
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LNSLNS Mein Großvater wurde im Krieg erschossen, insofern ist es für mich ethisch-moralisch höchst bedenklich, selbst weiterleben zu dürfen. Den offensichtlich wohlüberlegten Vergleich von Lebensverhältnissen verschiedener Epochen und Generationen und deren zwanghafter Gleichsetzung finde ich völlig korrekt. Warum sollte es anderen auch mal anders, vielleich sogar besser, gehen als mir? Es gibt schließlich keine Unterschiede, darf sie auch nicht geben! Entwicklung ist verboten.
Der Wunsch eines durchschnittlich Dreißigjährigen, nach einem Studium aus Gründen der Lebensplanung eine vielleicht sogar "feste" Anstellung mit einer Entlohnung zu erhalten, die es ihm ermöglicht, nicht nur sich selbst "abzusichern" – wie es dem heutigen Zeitgeist entspricht und zunehmend üblich ist –, sondern eventuell sogar eine Familie zu haben, halte ich für absolut überzogen und überholt. Vielmehr halte ich dagegen: erstmal was leisten!
Einer vergleichsweise so armen Gesellschaft wie der unsrigen kann ich von der Erfüllung derartig unverschämter, weil völlig überzogener, Maximalforderungen nur dringend abraten, daran wird sie mit Sicherheit zerbrechen.
Dr. H. E. Wolff, Bifröstweg 4A, 13465 Berlin
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