ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2019Eine generell akzeptierte Definition fehlt
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In ihrem interessanten Artikel behandeln Mende et al. ein sehr wichtiges und faktisch ungelöstes Thema in der Diagnostik und Therapie der Gebrechlichkeit, namentlich das Fehlen einer generell akzeptierten Definition dieser Entität (1). Dieser besorgniserregende Mangel an Einheitlichkeit könnte nicht nur die Diagnose und Behandlung bereits gebrechlicher Menschen erschweren oder verzögern, sondern – schlimmer noch – auch der Ermittlung verlässlicher prognostischer Faktoren im Wege stehen für die frühzeitige und korrekte Einordnung von Personen, die ein erhöhtes Risiko haben, gebrechlich zu werden.

Das FRAILOMIC-Konsortium – eine große Forschungsinitiative mit dem Ziel, Risikofaktoren für Gebrechlichkeit und Behinderung zu identifizieren – hat sich unlängst für eine praktische Definition von Gebrechlichkeit ausgesprochen: als ein „altersbedingtes Syndrom, das gekennzeichnet ist von verminderter physiologischer Reserve und verringerter Widerstandsfähigkeit gegen Stressoren infolge des Funktionsabbaus mehrerer physiologischer Systeme, welches mit einem erhöhten Behinderungs-, Hospitalisierungs- und Sterberisiko einhergeht.“ (2) Diese klare Definition schließt nicht nur einige essenzielle psychologische, soziale und kognitive Faktoren ein, wie von Mende et al. klar empfohlen, sondern kann darüber hinaus als zuverlässige Referenz genutzt werden zur Etablierung wirksamer Vorsorgemaßnahmen. Dieses Konzept der Gebrechlichkeit lässt sich tatsächlich in ein klar erkennbares phänotypisches Bild überführen – ein Kaleidoskop physiologischer, psychologischer und sozialer Beeinträchtigungen durch fortschreitendes Alter, sich ändernde Lebensgewohnheiten und Erkrankungen sowie die vielfältigen Interaktionen zwischen all diesen Faktoren. Ich glaube, dass die Verwendung dieser Definition die Harmonisierung der Forschung zur Gebrechlichkeit befördern würde.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0505a

Prof. Giuseppe Lippi MD

Section of Clinical Biochemistry, University Hospital of Verona

Piazzale LA Scuro, 37134 Verona, Italy

giuseppe.lippi@univr.it

1.
Mende A, Riegel AK, Plümer L, Olotu C, Goetz AE, Kiefmann R: The determinants of perioperative outcome in frail older patients. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 73–82 VOLLTEXT
2.
Erusalimsky JD, Grillari J, Grune T, et al.: In search of ‚Omics‘-based biomarkers to predict risk of frailty and its consequences in older individuals: The FRAILOMIC Initiative. Gerontology 2016; 62: 182–90 CrossRef MEDLINE
1.Mende A, Riegel AK, Plümer L, Olotu C, Goetz AE, Kiefmann R: The determinants of perioperative outcome in frail older patients. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 73–82 VOLLTEXT
2.Erusalimsky JD, Grillari J, Grune T, et al.: In search of ‚Omics‘-based biomarkers to predict risk of frailty and its consequences in older individuals: The FRAILOMIC Initiative. Gerontology 2016; 62: 182–90 CrossRef MEDLINE

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