ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2019Ambulante Soziotherapie: Nicht sehr rational
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Massiv unterfinanzierte Vergütung und Einschränkungen in der Zulassung zur Tätigkeit als Soziotherapeut sind entscheidende Stellschrauben, welche seitens der Krankenkassen in den meisten Regionen intensiv genutzt werden. Leider konnten auch in der Novellierung der Richtlinie im GBA diese Verhinderungsmechanismen zuständigkeitshalber nicht aufgelöst werden. Die gesetzliche neu seit 2017 gegebene Feststellung der Schiedsstellenfähigkeit der Soziotherapie-Honorare sollte hier zur Durchsetzung endlich angemessener Entlohnung seitens der Soziotherapeuten genutzt werden. Dabei gibt es auch markante Belege der Wirtschaftlichkeit von Soziotherapie, wenn sie akut in der psychischen Krise oder in der Rückfallprophylaxe Klinikaufenthalte verhindernd, unter anderem eben auch aufsuchend eingesetzt wird. So ist es versorgungspolitisch nicht sehr rational, wenn einzelne Krankenkassen zum Beispiel in der Integrierten Versorgung genau diesen Wirkeffekt der Soziotherapie nutzen, auch Erfolgsboni angesichts eingesparter stationärer Kosten zahlen, in der Regelversorgung aber eine angemessene Honorierung verweigern. Die Verpflichtung der Krankenkassen zu landesweiten Rahmenverträgen für die Soziotherapie-Honorierung und Zulassung wäre sicher ein wichtiger, überfälliger Schritt in die richtige Richtung.

Aufseiten der GKV wie aufseiten der Verordnungsberechtigten, zu denen nunmehr ja auch die Fachärzte für Psychosomatik, die Psychotherapeuten und die Institutsambulanzen gehören, braucht es die Bereitschaft endlich umzusetzen, was vor knapp 20 Jahren mit der Einführung für Soziotherapie intendiert war und 2015 mit der Novellierung vom GBA nochmals unterstrichen wurde: Ermöglichung und Stärkung der Therapie für psychisch Schwerkranke in ihrem Lebensumfeld, gegebenenfalls und gerade auch aufsuchend. Nicht zuletzt ist insbesondere auch von den nervenärztlichen/psychiatrischen Berufsverbänden mehr Engagement bei der Implementierung der Soziotherapie als wichtigem Baustein einer ambulant-zentrierten psychiatrischen Komplexbehandlung zu fordern.

Dr. med. Norbert Mönter, 14195 Berlin

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige