ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2019Universitätsmedizin Oldenburg: Lob und Tadel für die Ausbildung

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Universitätsmedizin Oldenburg: Lob und Tadel für die Ausbildung

Dtsch Arztebl 2019; 116(29-30): A-1365 / B-1128 / C-1112

Beerheide, Rebecca

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Das Gutachten des Wissenschaftsrates zur Universitätsmedizin Oldenburg war bei Mitarbeitern, Uni-Leitung sowie Politikern mit Spannung erwartet worden. Neben den positiven Bewertungen gibt es nun auch viele Hausaufgaben für die Landespolitik und die Klinikleitungen der Region.

Die European Medical School, die in Oldenburg und Groningen sitzt, wurde vom Wissenschaftsrat bewertet. Foto: picture alliance/dpa
Die European Medical School, die in Oldenburg und Groningen sitzt, wurde vom Wissenschaftsrat bewertet. Foto: picture alliance/dpa

Lehre sehr gut, Kooperation mit regionalen Krankenhäusern noch ausbaufähig: Der Wissenschaftsrat (WR) hat Mitte Juli zum zweiten Mal die Universitätsmedizin sowie deren Kooperation mit der Hochschule in Groningen, Niederlande –, gemeinsam ist es die Europaen Medical School (EMS) – evaluiert. Seit der Gründung 2012 sei ein „beeindruckendes Studienangebot etabliert worden, das schon heute viele Aspekte des Masterplanes Medizinstudium 2020 berücksichtigt“, hieß es vom WR. Außerdem: „Das Curriculum überzeugt vor allem durch die Integration moderner Lehr- und Lernmethoden, die konsequente wissenschaftliche Ausbildung sowie die frühe und umfangreiche Einbindung von Lehrpraxen.“ Auch die Forschungsschwerpunkte in der Neurosensorik sowie Hörforschung gehören zu den „profilbildenden Merkmalen“. „Es ist wirklich beeindruckend, wie sehr das persönliche Engagement der Verantwortlichen und Lehrenden vor Ort ist“, lobte WR-Generalsekretär Thomas May. Bei der Begutachtung vor Ort wäre man erst überzeugt gewesen, nachdem man alle handelnden Akteure getroffen habe, sagte May.

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Denn auf dem Papier sehe die Entwicklung nicht so rosig aus. In dem 136-seitigen Gutachten im Auftrag der Landesregierung Niedersachsen übt der WR auch deutliche Kritik: Zwar konnten die Ideen des Gründungskonzeptes seit 2012 umgesetzt werden und auch weiter untermauert werden. „Um allerdings die hohen Qualitätsstandards einer Universitätsmedizin erfüllen zu können, bedarf es weiterhin erheblicher Nachbesserungen“, sagte die WR-Vorsitzende Prof. Dr. oec. troph. Martina Brockmeier.

Dies betreffe vor allem die „Gestaltung eines tragfähigen Kooperationsmodells mit den externen Krankenhäusern und den Aufbau des wissenschaftlichen Personals“, hieß es weiter. Die Rahmenvereinbarung zwischen Land, Universität und den bilateralen Verträgen mit Krankenhäusern werden als „nicht zukunftsfähig“ betrachtet. „So sind die darin enthaltenen Regelungen zu unverbindlich und die erforderlichen Abstimmungen zu komplex, um eine Governance zu etablieren, die eine strategische Steuerung der Universitätsmedizin als Ganzes erlaubt.“

Für die Oldenburger ist das Gutachten ein „großer Rückenwind“. Man habe seit fünf Jahren in einer Art Erprobungsphase mit sehr knapper Finanzierung gearbeitet, sagte Prof. Dr. med. Hans Michael Piper, Präsident der Universität Oldenburg, im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt. „Wir haben sehr viel Erfolg mit dem Modellstudiengang und sind mit den Ideen aus dem Masterplan 2020 Spitzenreiter in Deutschland.“ Die Limitierungen des Standortes seien immer klar gewesen, so Piper. Das Land Niedersachsen hatte bereits für das Studienjahr 2019/20 die Aufstockung von 40 auf 80 Studienplätze in Aussicht gestellt. „Wir sind bei den Gebäudekapazitäten nun am Ende. Wir haben einen Bauplan für neue Räumlichkeiten vorgelegt und warten auf die Bestätigung und Finanzierung durch das Land“, erklärte Piper. Geplant ist ein Neubau für 146 Millionen Euro. Bis 2024 sollen 200 Studierende in Oldenburg Medizin studieren können.

„Die Investitionen werden sich lohnen, wenn das Konzept am Studienstandort gelingt. Dann ist die Ausbildung in Oldenburg eine interessante Bereicherung für die Medizinlandschaft“, so May vom WR.

Die vier Oldenburger Kliniken bewertet Piper als „unsere wichtigen Partner“, die viel aus eigenen Mitteln geleistet hätten. Er könne keinen mangelnden Kooperationswillen der Häuser erkennen. Es gehe nun darum, für welches Kooperationsmodell zwischen Uni und Krankenhaus man sich entscheide. Auch die „Partnerschaft mit Groningen ist großartig“, sagt Piper. Man habe die Kooperation mit der Universität bereits seit fast 40 Jahren auf vielen Ebenen. Die Aufforderung des WR, mehr in die Forschung zu investieren, gehe daher wieder in Richtung Landesregierung, so Piper. Rebecca Beerheide

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