ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2019Bariatrische Chirurgie: Der Ein-Anastomosen-Bypass ist dem Roux-en-Y-Verfahren nicht unterlegen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Bariatrische Chirurgie: Der Ein-Anastomosen-Bypass ist dem Roux-en-Y-Verfahren nicht unterlegen

Dtsch Arztebl 2019; 116(29-30): A-1383 / B-1143 / C-1127

Gerste, Ronald D.

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Foto: Science Photo Library/Schroeder, Monica Science Source
Foto: Science Photo Library/Schroeder, Monica Science Source

Die Adipositaschirurgie ist der deutschen S3-Leitlinie zufolge indiziert nach Ausschöpfung einer multimodalen Therapie ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 40 kg/m2 oder ab 35 kg/m2 bei Vorliegen einer oder mehrerer adiposi-
tasassoziierter Erkrankungen (1). Patienten einer Studie, in der 2 bariatrische Verfahren verglichen wurden, hatten allerdings schon einen BMI von durchschnittlich 43,9 kg/m. Sie waren durchschnittlich 43,5 Jahre alt (2).

27 % waren Diabetiker, 31 % hatten eine arterielle Hypertonie, 18 % eine Dyslipidämie und 56 % Schlafapnoe. Evaluiert wurde, ob der Ein-Anastomosen-Bypass (OABG) dem Roux-en-Y-Bypass (RYGB) nicht unterlegen ist. Beim OAGB wird ein Restmagen (Magenpouch) mit dem Dünndarm unter Ausschaltung von circa 200 cm Dünndarm verbunden.

Es wurden 129 Patienten mit OAGB operiert und 124 mit RYGB. Nach 2 Jahren gab es beim primären Endpunkt, dem Exzess-BMI-Rückgang (BMInach 2 Jahren – BMIinitial/BMIinitial – 25), keinen statistischen Unterschied: – 87,9 % in der OABG-Gruppe vs. – 85,8 % in der RYGB-Gruppe. Beim OABG betrug der durchschnittliche Gewichtsverlust 2 Jahre nach dem Eingriff 35,4 %, nach RYGB lag die durchschnittliche Gewichtsreduktion bei 37,1 %, was ebenfalls Nicht-Unterlegenheit bedeutete.

Bei diabetischen Patienten sank der HbA1c-Wert um durchschnittlich 2,3 % nach OAGB und um
1,3 % nach RYGB. Zu einer vollständigen Remission des Typ-2-Diabetes kam es in der erstgenannten Gruppe bei 60 % gegenüber 38 % nach RYGB. Unerwünschte nutritive Effekte waren nach einem OABG häufiger: 20 % litten unter Diarrhoe vs. 7 % nach RYGB (Odds Ratio: 3,07; 95-%-Konfidenzintervall: 1,04; 9,08), eine Steatorrhoe war in dieser Gruppe ebenfalls ausgeprägter: 11 g vs. 7 g Fett/100 g Stuhl. Es gab 42 ernste Komplikationen nach OABG und damit fast doppelt so viele wie beim RYGB mit 24.

Fazit: „Der Ein-Anastomosen-Bypass zeigt den zu erwartenden starken Effekt auf die Glukose-Stoffwechsellage“, erläutert Prof. Dr. med. Jens Aberle vom Fachbereich Endokrinologie, Diabetologie, Adipositas und Lipide am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf. „Allerdings ist der Anstieg der Komplikationen erheblich und erfordert eine modifizierte, engmaschige Nachsorge. Dies sollte vor einer Steigerung der Eingriffszahlen diskutiert werden.“

Grundsätzlich sei der OAGB ein sicheres und effizient durchführbares Verfahren, welches sich zunehmend als Standardeingriff etabliere, meint auch Dr. med. Sylvia Weiner, Leiterin des Adipositaszentrums am Krankenhaus Nordwest in Frankfurt. Außer der günstigeren Beeinflussung des Typ-2-Diabetes durch OAGB im Vergleich zum RYGB seien geringere Komplexität und Dauer des Eingriffs Vorteile, da nur eine Anastomose erforderlich sei. Die technisch einwandfreie, standardisierte Anlage der Anastomose sei aber immanent, um Nebeneffekte zu reduzieren, vor allem den Reflux von Gallensäuren. Der OAGB/MGB sollte daher so wie alle anderen operativen Verfahren nur in einem zertifizierten Adipositaszentrum der DGAV nach strenger Indikationsstellung durchgeführt werden. Dr. med. Ronald D. Gerste

  1. S3-Leitlinie: Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen; 2018. AWMF-Register Nr. 088–001.
  2. Robert M, Espalieu P, Pelascini E, et al.: Efficacy and safety of one anastomosis gastric bypass versus Roux-en-Y gastric bypass for obesity (YOMEGA): a multicentre, randomised, open-label, non-inferiority trial. Lancet 2019; 393:1299–309.

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