ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2019USA: Gesundheitskosten im Visier

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USA: Gesundheitskosten im Visier

Dtsch Arztebl 2019; 116(29-30): A-1368 / B-1131 / C-1115

Schmitt-Sausen, Nora

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Donald Trump will Krankenhäuser und Versicherer verpflichten, vor Beginn der Untersuchungen die Preise für die Behandlungen zu nennen. Es ist nicht der erste Schritt, der Patienten stärken soll.

Die US-Patienten sollen künftig wissen, wo Behandlungen besonders kostengünstig sind. Foto: picture alliance/AP Photo
Die US-Patienten sollen künftig wissen, wo Behandlungen besonders kostengünstig sind. Foto: picture alliance/AP Photo

Mit seiner Unterschrift auf einer Executive Order hat US-Präsident Donald Trump Ende Juni dafür gesorgt, dass Versicherer und Krankenhäuser künftig ihre Preise für Tests, Eingriffe und andere Behandlungen offenlegen müssen, die sie miteinander ausgehandelt haben. Je nach Versicherung können diese selbst innerhalb von Städten erheblich variieren. Bislang finden diese Preisausgestaltungen im Verborgenen statt. Der Mangel an Transparenz gilt als einer der treibenden Faktoren für die hohen Gesundheitsausgaben in den USA.

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Frühzeitige Kostentransparenz

„Wir entziehen den Bürokraten die Macht, wir entziehen sie Versicherungsunternehmen und Interessenverbänden und wir geben diese Macht den Patienten zurück“, sagte Trump im Weißen Haus bei der Unterzeichnung der Executive Order. Der Republikaner verbindet mit dem Schritt die Hoffnung, die Gesundheitskosten in den USA deutlich zu senken. Trumps Entscheidung soll dafür Sorge tragen, dass Patienten im Vorfeld aller Behandlungen, die keine Notfallmedizin sind, eine Einschätzung darüber erhalten, wie hoch die Kosten sind. Ebenfalls sollen die US-Bürger künftig darüber informiert werden, wie hoch die Beteiligung ist, die sie aus eigener Tasche tragen müssen und welchen Teil der Summe ihr Versicherer abdeckt.

Hintergrund der Initiative sind die hohen und stets steigenden Gesundheitskosten im US-Gesundheitswesen, über die derzeit viel diskutiert wird. Wegen hoher Eigenanteile und Zuzahlungen sind davon selbst gut versicherte US-Amerikaner betroffen. Die Preistransparenz soll den Wettbewerb im Gesundheitswesen stärken und Patienten – im besten Fall – an den Ort lotsen, an dem sie am wenigsten für Behandlungen zahlen müssen. Es wird aber mit Widerstand seitens der Kliniken und Versicherer gerechnet. Sie warnen, dass sich die Offenlegung der Preise zum Nachteil für die Patienten auswirken könnte.

Trumps Schritt soll, eigenen Abgaben zufolge, Reformbemühungen im Gesundheitswesen einleiten. Der Republikaner hatte kürzlich angekündigt, bald erneut eine Alternative zu Obamacare präsentieren zu wollen – oder zumindest weitreichende Veränderungen daran vorzunehmen. Bisherige Versuche, die aktuelle Gesundheitsgesetzgebung seines Vorgängers Barack Obama zu kippen, war in den ersten zwei Jahren seiner Amtszeit gescheitert – auch am Widerstand in den eigenen Reihen.

Ob und inwieweit sich die Bemühungen des Präsidenten um mehr Preistransparenz positiv auf Amerikas Bürger auswirken werden, mögen Gesundheitsexperten derzeit noch nicht zu sagen. Details zur Umsetzung der Order werden nun erst ausgearbeitet; wie weitreichend sie wirklich sein wird, ist derzeit noch offen. Einige Stimmen begrüßen die Entscheidung Trumps als Schritt in die richtige Richtung.

Topthema im US-Wahlkampf

Trumps aktuelle Executive Order reiht sich ein in die Reihe weiterer Schritte, die von der Regierung eingeleitet wurden, um für transparente Preise im amerikanischen Gesundheitswesen zu sorgen. Die Regierung verpflichtete beispielsweise kürzlich Pharmaunternehmen, in der Werbung die Preise ihrer Medikamente zu nennen; wogegen die Industrie derzeit klagt.

Auch der US-Kongress erarbeitet derzeit – überparteilich – Gesetzespakete, die darauf abzielen, die US-Bürger besser vor hohen Kosten im Gesundheitswesen zu schützen. Der Hintergrund des Engagements ist die Erwartung vieler, dass die Kostenexplosion im Gesundheitswesen ein Topthema im Präsidentschaftswahlkampf sein wird. Nora Schmitt-Sausen

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