ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2019Blutdruckkontrolle in der Schwangerschaft: Schon leichter Hypertonus in der Frühschwangerschaft erhöht Präeklampsierisiko

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Blutdruckkontrolle in der Schwangerschaft: Schon leichter Hypertonus in der Frühschwangerschaft erhöht Präeklampsierisiko

Dtsch Arztebl 2019; 116(29-30): A-1382 / B-1142 / C-1126

Meyer, Rüdiger

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Foto: Astroid/stock.adobe.com
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Die international kontrovers diskutierten US-Leitlinien zur Blutdruckkontrolle könnten sich auf die Behandlung der Schwangerschaftshypertonie auswirken. Das American College of Cardiology und die American Heart Associa-
tion haben 2017 die Schwellenwerte für die Definition der Hypertonie auf 120/80 mm Hg gesenkt.

Eine prospektive Beobachtungsstudie ergibt, dass bereits ein geringer Blutdruckanstieg am Ende der Frühschwangerschaft das Risiko für hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft erhöht.

Schon eine leichte Erhöhung wird von den US-Kardiologen auf Dauer als problematisch angesehen, weil sie das kardiovaskuläre Risiko erhöht. Ein Forscherteam an der Universität Pittsburgh hat nun untersucht, welche Auswirkungen ein leichter Anstieg der Blutdruckwerte in der Frühschwangerschaft hat. Grundlage der Studie waren die Daten der nuMoM2b-Studie (Nulliparous Pregnancy Outcomes Study: Monitoring Mothers-to-Be). Die Studie begleitet eine Gruppe von Frauen während und nach ihrer ersten (Einzel-)Schwangerschaft.

Bei den Frauen wurde erstmals um die 12. Gestationswoche herum, also gegen Ende der Frühschwangerschaft, der Blutdruck kontrolliert. Von den Schwangeren, die zu diesem Termin leicht erhöhte Blutdruckwerte von 120/80–129/80 mm Hg hatten, erkrankten 30,3 % später an einer hypertensiven Erkrankung in der Schwangerschaft. Dabei kam es zu Präeklampsie und Schwangerschaftshypertonie. Das adjustierte relative Risiko (aRR) von 1,54 war eine statistisch signifikante Erhöhung (95-%-Konfidenzintervall [95-%- KI] [1,18; 2,02]).

Für die Hypertonie im Stadium 1 (130/80–130/89 mm Hg) lag das aRR mit 2,16 (1,31; 3,57) sogar mehr als das Doppelte über dem Risiko von Frauen mit Normwerten. Am deutlichsten war der Einfluss auf die Präeklampsie: Frauen mit einer Hypertonie des Stadiums 1 am Ende der Frühschwangerschaft hatten ein 2,5-fach erhöhtes Risiko (aRR: 2,48 [1,38; 8,74]).

Hatten Frauen während der ersten Untersuchung noch einen normalen Blutdruck, zeigte ein darauf folgender Anstieg der Blutdruckwerte um > 5 mm Hg bis zum Beginn der 19. Gestationswoche ebenfalls ein erhöhtes Risiko auf eine hypertensive Erkrankung an (aRR: 1,41 [1,20; 1,65]).

Fazit: Schon ein leichter Anstieg des Blutdrucks erhöht das Komplikationsrisiko in der Schwangerschaft. Ob eine Behandlung das Risiko normalisieren würde, müsse in randomisierten Studien untersucht und ein potenzieller Nutzen gegen Risiken abgewogen werden, so die Autoren. Ein zu starker Abfall des diastolischen Blutdrucks könne die Versorgung des Kindes gefährden.

Ab welchem Blutdruck eine Schwangerschaftshypertonie behandelt werden sollte, bleibt umstritten. Die deutschen Leitlinien sehen erst ab Blutdruckwerten von 150–160/100–110 mm Hg eine Indikation zur Gabe von Blutdruckmedikamenten. Rüdiger Meyer

Hauspurg A, Parry S, Mercer BM, et.: Blood pressure trajectory and category and risk of hypertensive disorders of pregnancy in nulliparous women. Am J Obstet Gynecol 2019; https://doi.org/10.1016/j.ajog.2019.06.031.

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