ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2019Nichtmetastasiertes kastrationsresistentes Prostatakarzinom: Verträgliche Therapieoption soll Leidensdruck mindern

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Nichtmetastasiertes kastrationsresistentes Prostatakarzinom: Verträgliche Therapieoption soll Leidensdruck mindern

Dtsch Arztebl 2019; 116(29-30): A-1384

Schmale, Ine

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Die Daten der ARAMIS-Studie zeigen eine signifikante Verlängerung des metastasenfreien Überlebens bei Behandlung mit Darolutamid in Verbindung mit einer Androgendeprivationstherapie.

Im frühen Stadium verursacht das Prostatakarzinom in der Regel keine Symptome. Das Herauszögern der Metastasierung durch eine gut verträgliche Medikation ist daher oberstes Therapieziel, wie bei einer Pressekonferenz der Bayer AG im Rahmen der Jahrestagung der European Association of Urology (EAU) betont wurde. Darolutamid, ein nichtsteroidaler Androgenrezeptor-Antagonist, stelle eine vielversprechende Therapieoption zur Behandlung von Patienten mit nichtmetastasiertem kastrationsresistenten Prostatakarzinom (nmCRPC) dar.

Die Androgendeprivationstherapie (ADT) ist der Standard für Prostatakarzinompatienten bei Rezidiv nach Primärtherapie. Viele der Patienten würden trotz ADT einen Krankheitsprogress erfahren, der sich in der Regel initial mit einem Anstieg des PSA-Werts ankündige, erklärte Prof. Dr. med. Kurt Miller, Berlin. Bei Patienten, die zu diesem Zeitpunkt noch keine Metastasen aufweisen, gilt es, diesen Prozess medikamentös zu verzögern.

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Zugelassen zur Behandlung von nmCRPC-Patienten mit hohem Metastasierungsrisiko sind die gegen den Androgenrezeptor gerichteten Substanzen Apalutamid (Erleada®, Janssen-Cilag) und Enzalutamid (Xtandi®, Astellas) (1, 2).

Kostbare Lebenszeit nicht mit Nebenwirkungen einschränken

Beide Therapieoptionen gehen häufig bzw. sehr häufig mit Nebenwirkungen (wie Ermüdung oder Stürzen) einher, die die Lebensqualität der asymptomatischen Patienten verringern. Daher werden effektive, aber gut verträgliche Medikamente für die Betroffenen weiterhin benötigt. Darolutamid ist ein nichtsteroidaler Androgenrezeptor-Antagonist, der mit hoher Affinität an den Rezeptor bindet und eine starke antagonistische Wirkung zeigt. Dies hemmt die Rezeptorfunktion und das Wachstum der Prostatakrebszellen. Zudem werden weniger Nebenwirkungen im Vergleich zu anderen Medikamenten dieser Substanzklasse erwartet. In präklinischen Studien konnte gezeigt werden, dass Darolutamid die Blut-Hirn-Schranke nur in geringem Maße überwindet.

In der randomisierten, doppelblinden Phase-III-Studie ARAMIS wurden 1 509 Männern mit nmCRPC im Verhältnis 2:1 randomisiert und erhielten zusätzlich zur ADT entweder 2-mal täglich 600 mg Darolutamid oder ein Placebo (3). Primärer Endpunkt war das metastasenfreie Überleben (MFS).

Mit einer medianen Nachbeobachtungszeit von 17,9 Monaten führte Darolutamid gegenüber Placebo zu einer signifikanten Verlängerung des MFS von 18,4 auf 40,4 Monate (HR 0,41; p < 0,001). Das Risiko für Fernmetastasen und Tod verringerte sich in allen Subgruppen einschließlich der Patienten mit PSA-Verdopplungszeiten ≤ oder ≥ 6 Monaten.

In einer Interimsanalyse zum Gesamtüberleben war Darolutamid mit einer Risikoreduktion um 45 % assoziiert (HR 0,71; p = 0,045), das progressionsfreie Überleben wurde signifikant verlängert (medianes PFS 36,8 vs. 14,8 Monate; HR 0,38; p < 0,001) wie auch die Zeit bis zur Schmerzprogression (median 40,3 vs. 25,4 Monate; HR 0,65; p < 0,001). Die Lebensqualität blieb unter Darolutamid erhalten.

Zudem wurde ein vorteilhaftes Sicherheitsprofil ohne relevante Zunahme von Stürzen, Frakturen, kognitiven Störungen, Epilepsie oder Hypertonie berichtet. Die Rate von Studienabbrüchen bewegte sich auf dem Niveau der Placebogruppe (8,9 % vs. 8,7 %).

Möglichst langer Erhalt der Lebensqualität oberstes Ziel

Ernst-Günther Carl vom Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe wies auf das für Patienten wichtigste Therapieziel hin: der möglichst lange Erhalt der Lebensqualität. Gerade für den asymptomatischen frühen Prostatakarzinompatienten werde eine Therapie gebraucht, die die kostbare Lebenszeit nicht durch Nebenwirkungen einschränke. Auch Interaktionen zwischen den mit steigendem Alter vermehrt einzunehmenden Komedikationen sollten vermieden werden.

Auf Basis der Phase-III-Studie ARAMIS hat Bayer die Zulassung von Darolutamid in Europa beantragt. Der Wirkstoff wird in der Phase-III-Studie ARASENS auch beim metastasiertem hormonsensitiven Prostatakarzinom untersucht. Dr. med. Ine Schmale

Quelle: Pressekonferenz „Driving Innovation in Prostate Cancer“ im Rahmen des Kongresses der European Association of Urology (EAU), Barcelona, 18. März 2019; Veranstalter: Bayer AG

1.
Fachinformation Xtandi®, Stand: Januar 2019.
2.
Fachinformation Erleada®, Stand: März 2019.
3.
Fizazi K, Shore N, Tammela TL et al.: Darolutamide in Nonmetastatic, Castration-Resistant Prostate Cancer. N Engl J Med 2019; 380 (13): 1235–46.
1.Fachinformation Xtandi®, Stand: Januar 2019.
2.Fachinformation Erleada®, Stand: März 2019.
3.Fizazi K, Shore N, Tammela TL et al.: Darolutamide in Nonmetastatic, Castration-Resistant Prostate Cancer. N Engl J Med 2019; 380 (13): 1235–46.

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