ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2019Ein inferiorer STEMI . . . oder?
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Ein 74-jähriger im Haus vorbekannter Patient mit metabolischem Syndrom sowie einem kompletten Rechtsschenkelblock wurde nach erfolgreicher präklinischer Reanimation bei initialer Asystolie intubiert und beatmet in unseren Schockraum gebracht. Angehörige berichteten ein diffuses Unwohlsein vor dem Kollaps, präzisere Angaben fehlten.

In der Elektrokardiografie (EKG) sahen wir ST-Strecken-Hebungen in den Ableitungen II, III und aVF, suggestiv für einen Myokardinfarkt infolge Verschlusses der rechten Koronararterie. Die Akutkoronarangiografie zeigte jedoch lediglich eine geringgradige Koronarsklerose. Die folgende Computertomografie wies schließlich auf eine zerebrale Massenblutung hin, bei typischer Lokalisation am ehesten hypertensiver Genese. EKG-Veränderungen sowie echokardiografische Wandbewegungsstörungen und ein Anstieg der Herzenzyme wurden insbesondere für die Subarachnoidalblutung gut dokumentiert („neurogenic stunned myocardium“), sind jedoch bei einer Reihe von Erkrankungen des Zentralnervensystems möglich.

In Fällen von ST-Hebungen im EKG ohne typische Klinik eines Koronarsyndromes, insbesondere bei Kopfschmerzen oder neurologischen Ausfällen, genauso wie bei Vorliegen eines nicht defibrillierbaren Rhythmus bei Reanimationssituation sollte stets die Differenzialdiagnose eines zerebralen Ereignisses bedacht werden.

Dr. med. Elisabeth Ratzenböck, MHBA, Notfallzentrum, Universitätsspital Basel, Elisabeth.Ratzenboeck@usb.ch

Prof. Dr. med. Michael Kühne, Klinik für Kardiologie, Universitätsspital Basel

Dr. med. Magnus Stalder, Medizinische Intensivstation und Innere Medizin, Universitätsspital Basel

Interessenkonflikt: Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Zitierweise: Ratzenböck E, Kühne M, Stalder M: An inferior STEMI . . . or not?. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 528. DOI: 10.3238/arztebl.2019.0528

►Vergrößerte Abbildung und englische Übersetzung unter: www.aerzteblatt.de

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