ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2019Entlassungsbriefe: Neue Kultur entwickeln
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... Diese Vorwürfe sind zunächst Ausdruck der Zeit- und Personalnot in allen Krankenhäusern. Leider eine chronisch-progrediente, zersetzende Problematik in einem System der ökonomiegesteuerten Medizin. ... Tatsächlich ist die „Arztbrief-Kultur“ verwildert. Ehemals als Visitenkarte einer Klinik angesehen, provozieren sie heute sehr ernst zu nehmende Vorwürfe. Arztbriefe werden als zentrale Dokumente in die elektronische Patientenakte (ePa), die kommen wird, eingehen. Das Abfassen von Arztbriefen ist Erziehungssache. Wer sollte erziehen? Die Lehrer im Studium, die erfahrenen Lehrer in der Ausbildung, die Ärzte in der Klinik und Praxis. Die Erziehungsprinzipien sollten sein: Kontrolle, Anleitung zur Präzision und Dichte, zudem Verbot von Abkürzungen. ... Für die Zukunft ist auch zu wünschen, dass Hausärzte Briefe an Krankenhaus- und Fachärzte mit allen Vorbefunden und Behandlungsmaßnahmen schreiben, um die Behandlung ihrer Patienten transparenter zu machen. Wenn der Hausarzt die zentrale und koordinierte Instanz in der Patientenbehandlung sein will, darf er nicht stumm bleiben. Warum nicht Briefe an Patienten als „Patientenbrief“ schreiben, der dessen Erkrankung verständlich erklärt und die Therapieempfehlungen nachlesbar, hierdurch nachhaltig und zur Förderung der Adhärenz zum Ausdruck bringt? Zusammengefasst ist es an der Zeit, das Problem Arztbrief grundlegend zu überdenken, eine neue Kultur zu entwickeln, auch mit den Chancen der Digitalisierung. ...

Prof. Dr. med. Hans Joachim von Büdingen, 88212 Ravensburg

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