ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2019Onkologie: Suizidrate nach Krebsdiagnose erhöht

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Onkologie: Suizidrate nach Krebsdiagnose erhöht

Meyer, Rüdiger

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Die Diagnose einer Krebserkrankung stürzt viele Patienten in tiefe Verzweiflung. Die Suizidrate ist laut einer Untersuchung des US-Krebsregisters in Cancer vor allem bei Krebserkrankungen mit einer ungünstigen Prognose am höchsten. Suizide von Krebspatienten sind insgesamt selten. Von den 4 671 989 Patienten, die dem US-Krebsregister SEERS („Surveillance, Epidemiology, and End Results“) zwischen 2000 und 2014 gemeldet wurden, begingen 1 585 innerhalb eines Jahres Selbstmord. Das sind etwa 0,34 Promille. Dennoch liegt die Suizidrate über dem Landesdurchschnitt. Ahmed Samir Alfaar von der Berliner Charité errechnete zusammen mit US-Kollegen eine Mortalitätsrate (O/E-Ratio) von 2,52. Das entspricht zusätzlichen 2,51 Suiziden auf 10 000 Personen. Die höchste O/E-Ratio bestand nach der Diagnose von Pankreaskarzinom (8,01) und Lungenkrebs (6,05), Krebsarten, die nur wenige Patienten überleben. Aber auch beim Darmkrebs, bei dem im Frühstadium gute Heilungschancen bestehen, war die O/E-Ratio mit 2,08 deutlich erhöht.

Nach der Diagnose von Brustkrebs, der im Frühstadium zu 90 Prozent geheilt werden kann, und dem Prostatakarzinom, das sehr langsam fortschreitet und dessen Endstadium von vielen Patienten nicht mehr erlebt wird, war die Suizidrate nicht signifikant erhöht. rme

Saad AM, Gad MM, Al Husseini MJ, et al.: Suicidal death within a year of a cancer diagnosis: A population‐based study. Cancer 2019; 125: 972–979. https://doi.org/10.1002/cncr.

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