ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2019Schwangerschaft und Geburt: Psychologische Interventionen bei perinataler Depression

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Schwangerschaft und Geburt: Psychologische Interventionen bei perinataler Depression

PP 18, Ausgabe August 2019, Seite 374

Meyer, Rüdiger

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Depressionen, unter denen während und nach der Schwangerschaft eine von sieben Frauen leidet, lassen sich durch psychologische Interventionen häufig verhindern. Zu dieser Einschätzung gelangt die US Preventive Services Task Force (USPSTF), die das dortige Ge­sund­heits­mi­nis­terium zu Fragen der Krankheitsvermeidung berät. Stellungnahme und Evidenzreport wurden im US-amerikanischen Ärzteblatt veröffentlicht.

Unter einer perinatalen Depression sollen weltweit bis zu 13 % der Schwangeren leiden. Die Depressionen, die meist während der Schwangerschaft einsetzen, können eine intrauterine Wachstumsverzögerung sowie Früh- und Mangelgeburten begünstigen. Nach der Geburt gefährdet die Depression der Mutter die emotionale Entwicklung des Kindes. Die wenigsten Frauen dürften derzeit eine Therapie erhalten oder von präventiven Maßnahmen profitieren. Nach den Studien, die ein Team um Elizabeth O’Connor vom Center for Health Research des Krankenversicherers Kaiser Permanente Northwest in Portland ausgewertet hat, kann eine Prävention erfolgreich sein. Mit 20 Studien und 4 107 Teilnehmern am besten untersucht sind psychologische Beratungen. Eine in den USA verbreitete Variante der kognitiven Verhaltenstherapie ist das „Mothers and Babies“-Programm. Die Mütter nehmen nach der Geburt an 6 bis 12 wöchentlichen Sitzungen von ein bis zwei Stunden Dauer teil. Das Ziel der Behandlung ist die Vermeidung negativer Gedanken und die Stärkung positiver Aktivitäten. Die jungen Mütter werden über die physiologischen Wirkungen von Mütterstress aufgeklärt und es werden ihnen Wege aufgezeigt, wie sie besser mit den kognitiven Belastungen umgehen können. Die zweite häufig angebotene Behandlung ist das ROSE-Programm (für „Reach Out, Stay Strong, Essentials for New Moms“). Es gehört zu den interpersonellen Psychotherapien, die sich primär auf die sozialen Beziehungen konzentrieren und den Frauen helfen soll die Kommunikation zu verbessern und Probleme anzugehen, die zu Depressionen beitragen. Diese Behandlungen beginnen bereits während der Schwangerschaft, um die Frauen auf die veränderte soziale Situation nach der Geburt vorzubereiten, einschließlich der zu erwartenden zwischenmenschlichen Konflikte. Beide Therapien haben in Studien das Auftreten einer perinatale Depression um 39 % vermindert.

Die USPSTF gibt aufgrund des Evidenzreports eine Empfehlung vom Grad B. Danach besteht eine hohe Gewissheit, dass die psychologischen Behandlungen einen gewissen Nettonutzen erzielen. Die Behandlung sollte laut USPSTF Frauen mit einem erhöhten Risiko angeboten werden.

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Die Empfehlungen sind insgesamt auf das US-amerikanische Gesundheitswesen zugeschnitten, das individuelle Lösungen anstrebt, allgemeine Präventionsprogramme wie die Mutter-Kind-Kur in Deutschland oder eine Rolle von Hebammen wie in den Niederlanden nicht kennt. rme

O’Connor E, Senger CA, Henninger ML, Coppola E, Gaynes BN: Perinatal Depression Evidence Report and Systematic Review for the US Preventive Services Task Force. JAMA 2019; 321 (6): 588–601; doi:10.1001/jama.2018.20865.

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