ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2019Körperpsychotherapie: Kunstvolle Arbeit anhand von Prinzipien

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Körperpsychotherapie: Kunstvolle Arbeit anhand von Prinzipien

PP 18, Ausgabe August 2019, Seite 375

Kuck, Bernd

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Nun liegt also der schon in „Körperpsychotherapie“ (2015) angekündigte Praxisband vor, der mit Spannung erwartet wurde. Ulfried Geuter hat nicht zu viel versprochen. Er legt mit den beiden Bänden im Grunde sein Opus magnum vor, die Quintessenz langjähriger „körperpsychotherapeutischer“ Arbeit. Lag im ersten Band der Schwerpunkt auf den theoretischen Erörterungen, so geht es nun hauptsächlich um die Praxis. Geuter spricht von Prinzipien der Arbeit, die mehr einer therapeutischen Haltung entsprechen als irgendwelchen „Technikanwendungen“. Damit steht seine Arbeit dem Mainstream entgegen, tendiert doch die Psychotherapie als Folge der Medizinalisierung mehr und mehr zur Anwendung von Leitlinien, als gäbe es eine oder zwei „richtige“ Behandlungsweisen, so wie etwa ein Beinbruch zu kurieren ist. Das führt zu einer Art Vermassung, wie auch sonst in der Gesellschaft die Individualität mehr und mehr verloren geht. Besser als Leitlinien ist die kunstvolle Arbeit anhand von Prinzipien, mit deren Hilfe das Leid des konkreten Menschen ergründet, verstanden und in einem Prozess der interaktionellen Begegnung ihm ein Gesundungsweg eröffnet oder besser, mit ihm zusammen gefunden werden kann.

„Körperpsychotherapie“ in diesem Sinne ist erlebnisorientiert, wobei „nicht Erlebnisse“ ermöglicht werden, sondern es geht darum, „sich auf das Erleben als die subjektive Form des Erkennens zu richten“. Das Subjekt steht im Mittelpunkt, weshalb sich standardisierte Vorgehensweisen bereits von selbst verbieten. Genutzt werden dazu leibbezogene Angebote, wodurch eingeleibte Erfahrungen, nicht nur aus vorsprachlicher Zeit, sondern auch Verdrängungsleistungen mittels Sprache, die über diese gar nicht oder nur sehr schwer zugänglich sind, wieder spürbar werden und den Erkenntnisweg freigeben.

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Die Prinzipien seien hier nur aufgelistet. Es lohnt sich sehr, sie anhand Geuters Ausführungen zu studieren: Wahrnehmen und Spüren; Gewahrsein und Gegenwart; Erkunden und Entdecken; Aktivieren und Ausdrücken; Regulieren und Modulieren; Inszenieren und Inter-agieren; Berühren und Halten; Zentrieren und Erden; Verkörpern und Handeln sowie Reorganisieren und Transformieren. Alle Prinzipien, die im Prozess natürlich nicht in dieser Reihenfolge „abgearbeitet“ werden, sind durch umfangreiche Erläuterungen anschaulich dargestellt, wozu ebenfalls die zahlreichen „Therapiebeispiele“ (nicht pseudosachliche „Fälle“) beitragen.

Diese Arbeit lässt sich nicht einfach als Handlungsanweisung lesen. Wer so vorgeht und vor allem keine Selbsterfahrung hat, dem bleibt der Text verschlossen. Bernd Kuck

Ulfried Geuter: Praxis Körperpsychotherapie. 10 Prinzipien der Arbeit im therapeutischen Prozess. Springer, Berlin 2019, 508 Seiten, kartoniert, 44,99 Euro

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