ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2019Fotoportraits von Therapeuten: Sehr nahe Blicke auf Persönlichkeit und Arbeitsweise

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Fotoportraits von Therapeuten: Sehr nahe Blicke auf Persönlichkeit und Arbeitsweise

PP 18, Ausgabe August 2019, Seite 376

Bühring, Petra

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Über den englischsprachigen Titel dieses Fotobandes mag man geteilter Meinung sein. Fachfremden ist der englische Begriff des „shrink“ für einen Psychotherapeuten oder Psychiater nicht unbedingt geläufig, weshalb Nachfragen wiederum auch zu interessanten Unterhaltungen führen können. Beispielsweise mit Patienten, die im Warteraum den Band entdecken könnten.

Sebastian Zimmermann, nach eigenen Angaben Psychiater in New York, hat „neben einer Vollzeitstelle und einem ausgefüllten Familienleben“ 50 Kolleginnen und Kollegen aus der großen Stadt in ihren Praxisräumen portraitiert. Zunächst hat er sie fotografiert, weil das eine seiner Passionen ist. Er hat Fotografie am International Center of Photography in New York studiert. Hinzu kam dann die „Quintessenz der faszinierenden Gespräche“ mit seinen Kollegen, die er aus Interviews zusammengestellt hat. Diese Texte, die viel über die Arbeitsweise der Therapeuten oder die Beziehung zu ihren Patienten aussagen, ergänzen jeweils auf einer Buchseite die ausdrucksstarken Fotoportraits.

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Im Mittelpunkt des Bandes stehen eindeutig die Fotos, die sehr viel über die Persönlichkeit der Psychotherapeuten und Psychiater diverser Therapierichtungen aussagen. Sie erlauben dem Kollegen und Fotografen einen sehr nahen Blick auf sich in ihrem Arbeitsumfeld, das nie neutral ist. Die Einrichtungsstile spiegeln die Therapierichtung, die Vorlieben und auch das Alter der Therapeuten. So posiert Kate Bar-Tur selbstbewusst im gediegenen Ambiente vor der psychoanalytischen Couch mit afrikanischer Skulptur im Hintergrund. Samera Nasereddin wirkt in ihrem kleinen sehr aufgeräumten Zimmer selbst schmal und verletzlich. Die Aufnahme von oben mit der Person im unteren Drittel des Bildes verstärkt diesen Eindruck. Michael Eigen lässt seine Patienten auf Klappstühlen Platz nehmen; sie sollten aufpassen, nicht über die Kabel diverser Geräte zu stolpern. Über den improvisiert wirkenden Raum gerieten einige dann doch ins Grübeln, wie er freimütig gesteht. Und Otto F. Kernberg, der renommierte Erforscher schwerer Persönlichkeitsstörungen, hält seinen Behandlungsraum sachlich und klar. Er selbst bleibt sehr präsent im Hintergrund.

Über zwei Jahre hatte auch die Zeitschrift PP eine Portraitreihe mit Psychotherapeuten in Deutschland in ihrem Praxiszimmer. Zusammen mit einem Fotografen bin ich dafür durch Deutschland gereist. Es dauerte oft lange, bis der Fotograf einen Zugang zu den Einzelnen fand, der ihm ein gutes Bild ermöglichte. In Zeiten der schnellen Smartphone-Fotografie ein Luxus, der eigentlich keiner sein sollte. Petra Bühring

Sebastian Zimmermann: Fifty Shrinks. Portraits aus New York. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2019, 116 Seiten, gebunden, 49,00 Euro

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