ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2019Mikroprozesse in der Psychotherapie: Die Macht der Emotionen

BÜCHER

Mikroprozesse in der Psychotherapie: Die Macht der Emotionen

PP 18, Ausgabe August 2019, Seite 378

Ringwelski, Beate

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Dieses wichtige Buch propagiert keine neue Behandlungsmethode. Es lenkt vielmehr die Aufmerksamkeit des Lesers auf Mikroprozesse, die in jeder Therapiestunde zu beobachten sind. Was passiert da eigentlich im intersubjektiven Raum zwischen Therapeut und Patient? Eine zentrale Bedeutung haben dabei „Gegenwartsmomente“. Das sind Sekunden oder Minuten des gemeinsamen Berührtseins. Dabei entsteht „emotionale Resonanz“, aus der dann Regulationsprozesse im Patienten in Gang kommen können. Immer wieder liegt dabei das Augenmerk auf den zugrunde liegenden Emotionen. Sie sind Ausgangspunkt und Ziel jeglicher Veränderung. Während der Therapiestunde müssen „Emotionsstärke“ und „Emotionsqualität“ ständig reguliert werden, bis die „Mentalisierung“ unter Einbeziehung somatischer Sensationen möglich wird. Ziel ist eine „Transformation“ dysfunktionaler Denk- und Verhaltensmuster. All diese Begriffe werden vom Autor ausführlich erläutert. Hilfreich sind dabei viele Fallbeispiele. Genauestens analysiert er, was während eines therapeutischen Gesprächs gerade abläuft, wie der Patient sein gegenwärtiges emotionales Problem in Erzählungen verpackt und der Therapeut dieses sowohl auf der inhaltlichen als auch auf der Prozessebene zu verstehen versucht. Eventuell schaltet er sich steuernd ein. Das ist faszinierend zu lesen. Das Buch regt dazu an, ebenso akribisch sein eigenes Vorgehen als Psychotherapeut an konkreten Beispielen zu durchleuchten. Daraus kann sich dann ein Lernprozess entwickeln mit dem Ergebnis, einzelne bisher vernachlässigte Teile im Behandlungskonzept stärker zu berücksichtigen.

Der Autor ist Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Analytiker und Traumatherapeut. Ausführlich schildert er die Grundlagen seines Ansatzes: Transformation als selbstregulatorisches Geschehen, Säuglings- und Bindungsforschung, Neurobiologie der Emotionen, Mentalisierungsmodell. Erkenntnisse aus der Arbeit mit EMDR fließen mit ein. Zum Schluss reflektiert er die Sprache des Therapeuten, die für die kommunikative Regulation unentbehrlich ist. Beate Ringwelski

Anzeige

Reinhard Plassmann: Psychotherapie der Emotionen. Die Bedeutung von Emotionen für die Entstehung und Behandlung von Krankheiten. Psychosozial-Verlag, Gießen 2019, 308 Seiten, kartoniert, 36,90 Euro

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema