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Wir begrüßen sehr die ausführliche Übersicht zum Madenwurmbefall, der wahrscheinlich häufigsten intestinalen Parasitose in Deutschland (1). Allerdings erfordern einige Aussagen eine kritische Kommentierung.

Ein Rückgang der Befallsraten seit der Wiedervereinigung lässt sich nicht belegen. Aufgrund der besonderen Patientenpopulationen, des langen Zeitraums sowie infrastruktureller Veränderungen zwischen den 1978 beziehungsweise 1997 in Schwerin durchgeführten Punktprävalenzstudien (2) lassen sich hieraus keine gesicherten Schlussfolgerungen für Gesamtdeutschland ziehen. Die Studie aus dem Großraum Berlin (3) zeigte keine lokal gehäuften Nachweisraten (zum Beispiel Unterschiede zwischen Bezirken), sondern bei 5 578 Untersuchungen zwischen 2007 und 2017 eine stetige Zunahme des Erregernachweises. Eine saisonale Verteilung des Erregernachweises wurde nur für ≥ 6-jährige Patienten, nicht bei jüngeren gesehen.

Migrationsbewegungen der Würmer mögen zur ungeklärten Pathophysiologie des perianalen Juckreizes beitragen. Wahrscheinlicher ist die Induktion des Juckreizes durch freigesetzte Ei-Antigene. Dafür spricht auch, dass die weiblichen Würmer nur kurzzeitig außerhalb des Darmes sind, um die Eier abzugeben, während der Juckreiz im Gegensatz dazu intermittierend oder permanent ist. In der Berliner Studie waren Würmer nur in 9 von 971 positiven Proben nachweisbar (3).

Eine Desintegration der Wurmcuticula durch Finger und Fingernägel ist unwahrscheinlich. Es ist schwer vorstellbar, dass die dicke Cuticula der kleinen Würmer auf der auf Druck nachgebenden Haut durch Finger/Fingernägel von Kleinkindern aufgeschlitzt oder anderweitig desintegriert wird. Auch unter dem Aspekt der Erregerübertragung wäre eine regelhafte Zerstörung adulter Würmer ungünstig.

Die Sensitivität des alternativ zum Klebestreifentest angegebenen Erregernachweises mittels Wattestäbchen sollte mit Literaturangaben belegt werden.

Pyrviniumembonat wird seit Langem für die Behandlung von Schwangeren eingesetzt.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0561a

Prof. Dr. med. Hermann Feldmeier
Institut für Mikrobiologie und Infektionsimmunologie
Campus Benjamin Franklin, Berlin

Prof. Dott. Univ. Pisa Joachim Richter
Institut für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit
Charité – Universitätsmedizin Berlin

Prof. Dr. med. Ralf Ignatius
MVZ Labor 28, Berlin und
Institut für Mikrobiologie und Infektionsimmunologie
Campus Benjamin Franklin, Berlin
r.ignatius@labor28.de

Interessenkonflikt
Prof. Ignatius wurde vom Springer-Verlag honoriert für eine Co-Autorenschaft im Rahmen eines Buchkapitels, bei dem ein Bezug zum Thema besteht.

Die übrigen Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Wendt S, Trawinski H, Schubert S, Rodloff AC, Mössner J, Lübbert C: The diagnosis and treatment of pinworm infection. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 213–9 VOLLTEXT
2.
Gauert B: Eine vergleichende Untersuchung über Vorkommen und Verbreitung von Intestinalparasiten in Kindertagesstätten der Landeshauptstadt Schwerin. Gesundheitswesen 1998; 60: 301–6.
3.
Friesen J, Bergmann C, Neuber R, et al.: Detection of Enterobius vermicularis in greater Berlin, 2007–2017: seasonality and increased frequency of detection. Eur J Clin Microbiol Infect Dis 2019; 38: 719–23 CrossRef MEDLINE
1.Wendt S, Trawinski H, Schubert S, Rodloff AC, Mössner J, Lübbert C: The diagnosis and treatment of pinworm infection. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 213–9 VOLLTEXT
2.Gauert B: Eine vergleichende Untersuchung über Vorkommen und Verbreitung von Intestinalparasiten in Kindertagesstätten der Landeshauptstadt Schwerin. Gesundheitswesen 1998; 60: 301–6.
3.Friesen J, Bergmann C, Neuber R, et al.: Detection of Enterobius vermicularis in greater Berlin, 2007–2017: seasonality and increased frequency of detection. Eur J Clin Microbiol Infect Dis 2019; 38: 719–23 CrossRef MEDLINE

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