ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2000Psychotherapie: Wirksamkeit prüfen

SPEKTRUM: Leserbriefe

Psychotherapie: Wirksamkeit prüfen

Dtsch Arztebl 2000; 97(4): A-135 / B-112 / C-109

Weinberger, Friedrich

Zu dem Beitrag "Gesundheitsreform: Zeit der Gerüchte" von Sabine Rieser in Heft 45/1999:
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LNSLNS Zu den Annehmlichkeiten, die Frau Fischer und andere hohe Entscheidungsträger im Gesundheitswesen den Ärzten bescheren, gehört also der Umstand, dass sie, demnächst freilich nur die Fachärzte, jetzt für die bundessozialgerichtlich abgesicherten Leistungen der Psychotherapeuten einzustehen haben. Die Begeisterung vor allem der Psychiater für die Psychotherapie, speziell die analytische, wird das nicht schmälern, was verständlich ist. Haben doch viele Doktrinen dieser Psychotherapie Plausibles, mitunter gar Bestechendes an sich. Schließlich lieferte sie auch den Stoff (Neomarxismus), aus dem alle Gesundheitreformen seit 1968 sind.
Rufe, dass der Psychotherapie-Kaiser nackt ist, wurden immer laut. Nur zeigten sich, anders als die Prozessionszuschauer in Andersens Märchen, die deutschen Ärzte mehrheitlich vor der einherstolzierenden neuen "Seelenkunde" je länger, desto tiefer beeindruckt. Sie erkannten sie, einmalig auf der Welt, als ärztliches "Gebiet" an und holten zu seiner Verstärkung freudig noch Nicht-Ärzte herein.
Bei so viel Begeisterung werden die (Fach-)Ärzte jetzt gewiss freudig auch mit ihrem Portemonnaie für die Leistungen der ärztlichen wie nicht-ärztlichen Psychotherapeuten geradestehen. Zu der Idee, die Wirksamkeit der Psychotherapie einmal ernsthaft zu prüfen, wird sich nach den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte ihre Selbstverwaltung nicht versteigen.
Dr. med. Friedrich Weinberger, Maximilianstraße 6, 82319 Starnberg
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