ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2019Chronisch-lymphatische Leukämie: Alter rückt in den Hintergrund

PHARMA

Chronisch-lymphatische Leukämie: Alter rückt in den Hintergrund

Dtsch Arztebl 2019; 116(33-34): A-1492

König, Romy

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Leitlinien für die Diagnostik und Therapie der Chronisch-Lymphatischen Leukämie sind aktualisiert worden: Die Wahl der Arzneimittel soll sich statt am Lebensalter des Patienten an dessen Allgemeinzustand, Komorbiditäten und am genetischen Status orientieren.

Nach neuesten Erkenntnissen sind heute Kriterien wie Krankheitsaktivität, Fitnesslevel sowie Mutationen ausschlaggebend für die Wahl der Behandlung der Chronisch-Lymphatischen Leukämie (CLL). Neben dem oder anstelle des bisherigen Standards der Chemoimmuntherapie werden zunehmend gezielte Inhibitoren eingesetzt, die in die B-Zellrezeptor-Signalübertragung oder die Regulation des programmierten Zelltodes eingreifen. Auch diese Entwicklung wurde in den Onkopedia-Leitlinien berücksichtigt, die die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) im April 2019 in aktualisierter Form herausgegeben hat.

Die CLL ist die häufigste leukämische Erkrankung in den westlichen Industrieländern. Die altersstandardisierte Inzidenzrate liegt (Stand 2014) bei Männern bei 5,5, bei Frauen bei 2,9 je 100 000 Einwohner, das mediane Alter bei 72 beziehungsweise bei 76 Jahren. Charakterisiert ist die Erkrankung durch eine monoklonale Blut-Lymphozytose. Mit Fortschreiten der Erkrankung treten Lymphadenopathie, Spleno- und Hepatomegalie, Zeichen von Knochenmarkinsuffizienz wie Blutungen oder Anämie und unter Umständen auch Autoimmun-Zytopenien auf.

Anzeige

Verbindliche Diagnostik

Diagnostisch lasse sich die Erkrankung relativ leicht fassen, erklärte Professor Dr. med. Stephan Stilgenbauer, Direktor der Klinik für Innere Medizin des Universitätsklinikums des Saarlandes, auf einer Presseveranstaltung. In die neuen CLL-Leitlinien, deren Mitautor Stilgenbauer ist, seien nun zusätzliche Diagnostikmaßnahmen vor Einleitung einer Therapie verbindlich aufgenommen worden: „Das betrifft molekulare zytogenetische Untersuchungen auf eine Deletion vom Typ del(13q), del(11q), del(17p), aber auch die TP-53-Mutationsanalyse und den IGHV-Mutationsstatus.“ Diese Werte sollten anschließend bei der Therapiewahl berücksichtigt werden.

Für die Behandlung stehe ein „weites Spektrum an Therapieoptionen“ zur Verfügung, so Stilgenbauer weiter. Die Novellierung der CLL-Leitlinien, die im wesentlichen auf Daten der RESONATE-2-Studie und der ALLIANCE-Studie aus den Jahren 2015 beziehungsweise 2018 fußt, geht bei der Auswahl der passenden Behandlungsform von Parametern wie dem Krankheitsstatus und der Fitness des Patienten aus. Im Frühstadium (Binet A oder B, Rai 0-II) seien laut Stilgenbauer erst einmal weder der Fitnesslevel noch del(17p)- oder TP53-Mutationen oder der IGHV-Status relevant. „Hier gilt: watch and wait.“ Im Zustand der aktiven Erkrankung aber, wenn der Patient symptomatisch oder die Krankheit in einem fortgeschrittenen Stadium ist, rücken Komorbiditäten und die Nierenfunktion in den Fokus: Gilt der Patient nach Scores wie dem CIRS oder Crea CI als fit, hat aber del(17p)- oder TP53-Mutationen, ist die Therapie mit Ibrutinib (bei Kontraindikation auch Venetoclax oder Idelalisib und Rituximab) zu präferieren. Ibrutinib ist ein Inhibitor, der sich gegen die Bruton-Tyrosinkinase (BTK), einen Bestandteil des B-Zell-Rezeptor-Signalweges, richtet. Die BTK ist bei CLL pathologisch aktiviert. Ibrutinib sei hier vorzuziehen, da diese Patienten laut Studienlage eine niedrigere Ansprechrate und kürzeres progressionsfreies Überleben sowie Gesamtüberleben nach Chemo- und Chemoimmuntherapie haben.

Sind bei einem CLL-Patienten keine del(17p)- oder TP53-Mutationen nachweisbar, können – alternativ zu Ibrutinib – auch Fludarabin/Rituximab (FCR) oder Bendamustin/Rituximab (BR, bei Patienten älter als 65 Jahre) eine Option sein. Haben diese Patienten hingegen einen unmutierten IGHV-Status, ist ebenfalls Ibrutinib die präferierte Option; FCR oder BR kämen dann nur bei Kontraindikation in Betracht.

Schema bei unfitten Patienten

Bei – nach den genannten Kriterien – unfitten Patienten werde laut Stilgenbauer nach ähnlichem Auswahlschema vorgegangen: Präferenziell sollten auch sie eine Primärtherapie mit Ibrutinib erhalten. Bei mutiertem IGHV-Status kommt auch Chlorambucil/Obinutuzumab infrage. Das gilt auch für solche unfitten Patienten mit unmutiertem IGHV-Status, die für Ibrutinib ungeeignet sind. Für Patienten mit del(17p)- oder TP53-Mutationen und Kontraindikation gegenüber Ibrutinib steht die Gabe von BR als alternative Therapieform zur Verfügung. Romy König

Quelle: Pressekonferenz „IMBRUVICA® – Leitlinien-Update: CLL-Therapie im Wandel – Was bedeutet dies für den Praxisalltag?“ am 22. Mai 2019 in Frankfurt. Veranstalter: Janssen-Cilag GmbH

1.
RESONATE-2-Studie: Burger JA, et al.: N Engl J Med 2015; 373: 2425–37 .
2.
ALLIANCE-Studie: Woyach JA, et al.: N Engl J Med 2018; 379: 2517–28 .
3.
Onkopedia Leitlinie CLL, Stand April 2019: http://daebl.de/XU63 (last accessed on 09. August 2019).
1.RESONATE-2-Studie: Burger JA, et al.: N Engl J Med 2015; 373: 2425–37 .
2.ALLIANCE-Studie: Woyach JA, et al.: N Engl J Med 2018; 379: 2517–28 .
3.Onkopedia Leitlinie CLL, Stand April 2019: http://daebl.de/XU63 (last accessed on 09. August 2019).

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema