ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2019Pflege: Neue Ausbildung beginnt 2020

POLITIK

Pflege: Neue Ausbildung beginnt 2020

Dtsch Arztebl 2019; 116(33-34): A-1472 / B-1215 / C-1198

Osterloh, Falk

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Die Einführung der generalistischen Pflegeausbildung im Jahr 2017 war eine schwere politische Geburt. Mit der Veröffentlichung der Rahmenpläne des Bundes geht sie nun auf die Zielgerade. Insbesondere die Pflegeschulen haben jedoch noch einiges zu tun.

Die Dekubitusprophylaxe ist einer der Inhalte der Rahmenlehr- und Rahmenausbildungspläne. Foto: dpa
Die Dekubitusprophylaxe ist einer der Inhalte der Rahmenlehr- und Rahmenausbildungspläne. Foto: dpa

Am 1. Januar 2020 beginnt in der Ausbildung von Pflegekräften ein neues Zeitalter. An diesem Tag greifen die Regelungen des Pflegeberufegesetzes, mit dem die bislang getrennten Ausbildungen der Kranken-, Alten- und Kinderkrankenpflege zu einer generalistischen Ausbildung zusammengeführt werden. Die Befürworter dieser Reform versprachen sich eine Aufwertung der Ausbildung. Die Kritiker befürchteten hingegen, insbesondere Hauptschüler durch ein zu hohes Ausbildungsniveau abzuschrecken. Am Ende stand ein Kompromiss: Wenn sie möchten, können sich die Auszubildenden im dritten Jahr auf die Alten- oder die Kinderkrankenpflege spezialisieren.

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Die eigentliche Arbeit begann jedoch erst nach der Verabschiedung des Gesetzes. So wurden sowohl die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Pflegeberufe, die die Lehrinhalte enthält, als auch die entsprechende Finanzierungsverordnung im Juni 2018 vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium veröffentlicht. Im August 2019 nun folgte die Veröffentlichung der Rahmenlehr- und Rahmenausbildungspläne durch eine eigens dafür einberufene Fachkommission. Die Pläne haben als Orientierungshilfe empfehlende Wirkung für die Lehrpläne der Bundesländer sowie die schulinternen Curricula der Pflegeschulen.

Die Pflegeschulen tragen am Ende die Hauptlast der Reform. Wie zufrieden sind sie mit der bisherigen Umsetzung des Gesetzes? „Aufseiten des Bundes hat die Fachkommission die Rahmenlehr- und Rahmenausbildungspläne einen Monat vor dem angekündigten Termin veröffentlicht. Das ist positiv zu bewerten, da es den Schulen im Prozess der Curriculumentwicklung ein wenig mehr zeitlichen Spielraum verschafft“, sagt Jochen Vennekate, Geschäftsführer der Christlichen Bildungsakademie für Gesundheitsberufe in Aachen. Inhaltlich würden die Dokumente derzeit studiert und anschließend bewertet.

Die Umsetzung des Pflegeberufegesetzes ist Sache der Bundesländer. So unterscheiden sich die konkreten Vorgaben von Land zu Land. Mit den Vorgaben von Nordrhein-Westfalen (NRW) ist Vennekate nicht einverstanden. „Das Ge­sund­heits­mi­nis­terium plant, in NRW die Schüler-Lehrer-Relation in den Pflegebildungseinrichtungen für die nächsten Jahre auf 1:25 festzuschreiben“, sagt er. „Damit würde das Land deutlich hinter den normativen Vorgaben des Bundes zurückbleiben, der eine Relation von 1:20 vorsieht.“ Die Schüler-Lehrer-Relation sei jedoch ein wichtiger Parameter der Strukturqualität in den Schulen und wirke sich unmittelbar auf die verhandelte Pauschale zu den Schulkosten aus.

Ein weiteres Ärgernis betreffe die Investitionskostenfinanzierung. Zwar dränge das Land auf die Erhöhung der Ausbildungsplätze, die Träger hätten jedoch derzeit keine Möglichkeit, über Einzelförderung einen Teil der Investitionskosten für Schulgebäude vom Land refinanziert zu bekommen.

Und wie geht es weiter? „Im Vordergrund stehen die Entwicklung schulinterner Curricula, die Erstellung einer mit den Rahmenplänen abgestimmten Dreijahresplanung, die vertraglichen Regelungen bezüglich der vielfältigen Kooperationsbeziehungen und Maßnahmen der Schulentwicklung zur Anpassung an die neuen Anforderungen“, erklärt Vennekate. Um einen größeren zeitlichen Spielraum für die Vorbereitung auf die neue Ausbildung zu haben, wird der erste generalistische Kurs in der Christlichen Bildungsakademie Aachen im August 2020 beginnen. Geplant sind drei Kurse mit 84 Pflegeschülern. Falk Osterloh

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