ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2019Mitralklappeninsuffizienz: Sicherheit von minimal-invasiver Clip-Implantation auch bei über 70-Jährigen belegt

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Mitralklappeninsuffizienz: Sicherheit von minimal-invasiver Clip-Implantation auch bei über 70-Jährigen belegt

Dtsch Arztebl 2019; 116(33-34): A-1489 / B-1229 / C-1209

Vetter, Christine

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Foto: Mitra/BVMed
Foto: Mitra/BVMed

Die Zahl der Patienten mit Mitralklappeninsuffizienz, die minimal-invasiv mit einer Mitraclip®-Implantation behandelt werden, steigt seit Jahren. Sie lag in Deutschland bei 815 im Jahr 2011 und bei 4 432 in 2015, ein Anstieg um das 5,4-fache (p < 0,001). Die Sicherheit des Verfahrens ist auf Basis eines großen deutschen Registers bei 13 575 Patienten untersucht worden, die mit dem Clip versorgt wurden.

Die Mehrzahl der Patienten war zwischen 70 und 89 Jahre alt, im Durchschnitt 77 Jahre. 67,3 % hatten eine koronare Herzkrankheit (KHK), 46,0 % eine Niereninsuffizienz, 30,8 % Diabetes mellitus und 15,0 % eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Die Komorbidität veränderte sich in der Beobachtungszeit kaum. Es gab einen leichten Anstieg insbesondere der Krebserkrankungen, Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern, COPD, Niereninsuffizienz und pAVK.

Die Mortalität blieb während des Klinikaufenthalts mit 3,1 % in 2011 und 3,6 % in 2015 (95-%-Konfidenzintervall [95-%- KI] [–0,04; 0,19]; p = 0,193) konstant, ebenso die Rate schwerer kardialer und zerebraler Ereignisse (Major Adverse Coronary/Cerebral Event; MACCE) mit 5,6 % in 2011 und 6,8 % in 2015 [–0,03; 0,14]; p = 0,183).

Unabhängige Prädiktoren der Mortalität in der Klinik waren Herzinsuffizienz (Odds Ratio [OR]: 1,91 [1,43; 2,54]; p < 0,001), Transfusionsbedürftigkeit (OR: 9,04 [7,45; 10,96]; p < 0,001), Schlaganfall (OR: 6,82 [4,34; 10,72]; p < 0,001), Endokarditis (OR: 19,52 [9,04; 42,14]; p < 0,001), Lungenembolie (OR: 7,61 [3,44; 16,81]; p < 0,001) und Herzbeuteltamponade (OR: 14,08 [7,09; 27,96]; p < 0,001).

Fazit: „Die Studie in diesem großen, in Deutschland behandelten Patientenkollektiv belegt, dass das Verfahren trotz zunehmenden Alters der Patienten und einer immer größer werdenden Zahl an Patienten mit symptomatischer Herzinsuffizienz nichts an Sicherheit einbüßt“, kommentiert Prof. Dr. med. Stephan Baldus, Direktor des Herzzentrums am Universitätsklinikum Köln. So habe sich weder die Krankenhaus-Sterblichkeit noch die Anzahl an Koronar- oder zerebralen Ereignissen erhöht. „Dieses ist sicher auch Ausdruck der mittlerweile weiter gestiegenen Erfahrung der Anwender mit dieser Therapie in Deutschland“, so Baldus. „Zukünftige Studien dieser Größe müssen nun eruieren, ob sich der für ausgewählte Patienten mit Mi-tralklappeninsuffizienz nachgewiesene mortalitätssenkende Effekt einer Mitraclip®-Implantation auch in die Praxis überträgt.“ Christine Vetter

von Bardeleben RS, Hobohm L, et al.: Incidence and in-hospital safety outcomes of patients undergoing percutaneous mitral valve edge-to-edge repair using MitraClip® – 5 years german national patient sample including 13.575 implants. EuroIntervention 2019; 14: 1725–32.

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