ArchivDÄ-TitelSupplement: PerspektivenOnkologie 2/2019Acetylsalicylsäure: Epigenetischer Einfluss bei Brustkrebs möglich

Supplement: Perspektiven der Onkologie

Acetylsalicylsäure: Epigenetischer Einfluss bei Brustkrebs möglich

Dtsch Arztebl 2019; 116(35-36): [35]; DOI: 10.3238/PersOnko.2019.06.10.07

Eckert, Nadine

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Nach einer aktuellen Studie gibt es nicht nur Wechselwirkungen zwischen Genen und Umwelt, sondern auch zwischen epigenetischen Veränderungen und bestimmten Umweltfaktoren.

Foto: picture alliance-Westend61
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Epigenetische Veränderungen könnten erklären, weshalb die Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) bei einigen Brustkrebspatientinnen mit einem längeren Überleben verbunden ist, bei anderen aber nicht. Offenbar gibt es einen Zusammenhang zwischen der präventiven Wirkung von ASS und dem Methylierungsstatus bestimmter DNA-Regionen, unter anderem des BRCA1-Promotors, wie eine in Cancer veröffentlichte Studie zeigt.

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„Sollten sich unsere Ergebnisse bestätigen, könnten sie direkten Einfluss auf klinische Entscheidungen haben“, erklärt Seniorautorin Marilie Gammon vom Department of Epidemiology der University of North Carolina in Chapel Hill. „Anhand epigenetischer Marker ließe sich eine Subgruppe von Patientinnen identifizieren, bei denen die Einnahme von ASS vor der Brustkrebsdiagnose einen Einfluss auf die Brustkrebsmortalität hat. Dies könnte dabei helfen, bessere Strategien zur Risikoreduktion zu entwickeln, um das Überleben von Frauen mit Brustkrebs zu verbessern.“

Das Wissenschaftlerteam um Gammon analysierte die Daten von 1 266 Frauen, bei denen in den Jahren 1996 und 1997 Brustkrebs diagnostiziert worden war und die bis 2014 nachbeobachtet wurden.

Die Informationen zur Einnahme von ASS vor der Brustkrebsdiagnose basieren auf den Angaben der Studienteilnehmerinnen. Die globale DNA-Methylierung wurde im peripheren Blut gemessen, als Marker diente die Methylierung des Long Interspersed Nuclear Element-1 (LINE-1). Außerdem ermittelten die Forscher den Methylierungsstatus der Promotoren von 13 mit Brustkrebs assoziierten Genen (APC, BRCA1, CDH1, CYCLIND2, DAPK1, ESR1, GSTP1, HIN, CDKN2A, PR, RARβ, RASSF1A und TWIST1).

Es zeigte sich, dass Frauen, die vor der Diagnose ASS eingenommen hatten, deren DNA im Bereich des BRCA1- und des PR-Promotors nicht methyliert war und die eine globale Hypermethylierung von LINE-1 aufwiesen, seltener an Brustkrebs oder einer anderen Ursache starben als Frauen, die zwar ebenfalls ASS eingenommen hatten, deren BRCA1-Promotor aber Methylierungen aufwies. Mit methyliertem BRCA1-Promotor war die Gesamtmortalität um 67 % erhöht.

Die Wissenschaftler schlussfolgern aus ihren Ergebnissen, dass die globale Methylierung von LINE-1 sowie die Promotor-Methylierung von BRCA1 und PR im Tumor möglicherweise mit der ASS-Anwendung interagieren und so die Mortalität bei einer Brustkrebserkrankung beeinflussen.

„Die Studie zeigt, dass es nicht nur zwischen Genen und Umwelt Wechselwirkungen gibt“, schreibt Kristen Malecki vom Department of Population Health Sciences der University of Wisconsin in Madison in einem begleitenden Editorial. „Es existiert auch eine Interaktion zwischen epigenetischen Veränderungen und bestimmten Umweltfaktoren. Die DNA-Methylierung könnte künftig helfen, Patienten zu identifizieren, bei denen eine bestimmte Behandlung wirksam sein wird oder eben nicht.“

DOI:10.3238/PersOnko.2019.06.10.07

Nadine Eckert

Quelle: Wang T, McCullough L E, White A J, et al.: Prediagnosis aspirin use, DNA methylation, and mortality after breast cancer: A population‐based study. Cancer 2019. DOI: 10.1002/cncr.32364.

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