ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2019Kombinationstherapie beim Lungenkarzinom: Synergien für mehr Wirksamkeit

PHARMA

Kombinationstherapie beim Lungenkarzinom: Synergien für mehr Wirksamkeit

Dtsch Arztebl 2019; 116(35-36): A-1553

Hanke, Stefanie

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Unterschiedliche Wirkansätze lassen sich in der Therapie des lokal fortgeschrittenen und metastasierten nichtkleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) mit nichtplattenepithelialer Histologie effektiv verbinden: Hierfür ist seit März die Kombination von Tecentriq® (Atezolizumab, Roche), Avastin® (Bevacizumab, Roche) und Chemotherapie als Erstlinie zugelassen.

Welche Vorteile die Hinzunahme des Checkpoint-Inhibitors Atezolizumab zur Kombination aus Bevacizumab und Chemotherapie den Patienten bietet, untersuchte die Open-label-Phase-III-Studie IMpower150. Durch die Vierfachkombination verlängerte sich das mediane Gesamtüberleben (mOS) gegenüber der Vergleichstherapie statistisch signifikant um 19,2 versus 14,7 Monate (HR 0,78; 95-%- KI 0,64–0,96; p = 0,02; medianes Follow-up: 19,7 Monate) (1).

Zudem sprach mehr als die Hälfte der Patienten im Gesamtkollektiv auf die Kombination an (56 % vs. 41 % unter Bevacizumab/Chemotherapie) – und das unabhängig vom PD-L1-Status (2). Neue Sicherheitssignale wurden in der Zulassungsstudie nicht dokumentiert. Das beobachtete Verträglichkeitsprofil war konsistent mit dem der verwendeten Einzelsubstanzen (1, 3). Patienten mit Lebermetastasen profitierten besonders von der Vierfachkombination: Die IMpower150-Studie zeigte bei ihnen einen medianen OS-Vorteil von 4,1 Monaten – also eine Reduktion des Sterberisikos um 46 % (2). „Es konnte erstmals ein Überlebensvorteil mit einer Krebsimmun-Kombinationstherapie bei NSCLC-Patienten mit Lebermetastasen gezeigt werden“, betonte Prof. Dr. Thomas Wehler, Hamm. Dies sei besonders interessant, weil es sich um Hochrisikopatienten mit einer bisher besonders schlechten Prognose handele: Nur jeder 5. Patient mit einem Adenokarzinom der Lunge und Lebermetastasen lebt länger als ein Jahr.

Anzeige

Eine vorherige Arbeit hatte bereits eine Reduktion des Sterberisikos unter der Kombination aus Bevacizumab, Carboplatin und Paclitaxel gezeigt, weshalb erwartet wurde, dass gerade diese Patienten von einer Intensivierung der Therapie durch Hinzunahme von Atezolizumab profitieren könnten. Aus diesem Grund wurde in der IMpower150-Studie prospektiv auf NSCLC-Patienten mit Lebermetastasen stratifiziert.

Darüber hinaus bietet die zusätzliche Behandlung mit Atezolizumab offenbar auch Patienten mit EGFR-Mutation nach TKI-Versagen deutliche Vorteile. Für diese Patienten besteht nach Ausschöpfung der entsprechenden zielgerichteten Therapien ein hoher Bedarf an neuen, effektiven Folgetherapien.

In der Subgruppe der Patienten mit EGFR-Mutation (n = 79) war in der IMpower150-Studie das mOS nach einem medianen Follow-up von mindestens 20 Monaten noch nicht erreicht (n. e. vs. 18,7 Monate; HR 0,61; 95-%-KI 0,29–1,28). Die Reduktion des Sterberisikos liegt bei diesen Patienten bei 39 % (3). Stefanie Hanke

Quelle: Pressegespräch am 22. Februar 2019 in Frankfurt am Main; Veranstalter: Roche Pharma AG

1.
Socinski MA, et al.: J Clin Oncol 2018; 36 (Suppl): Abstract 9002.
2.
Socinski MA, et al.: N Engl J Med 2018; 378 (24): 2288–301 CrossRef MEDLINE
3.
Mok TSK, et al.: Annals of Oncology 2018; 29 (Suppl 9): 483–008.
1.Socinski MA, et al.: J Clin Oncol 2018; 36 (Suppl): Abstract 9002.
2.Socinski MA, et al.: N Engl J Med 2018; 378 (24): 2288–301 CrossRef MEDLINE
3.Mok TSK, et al.: Annals of Oncology 2018; 29 (Suppl 9): 483–008.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema