ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2019Impfung in Apotheken: Stärkung von Impfverweigerern
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Die Forderung ist eine grobe Diskriminierung aller Impfärzte und besonders der Verantwortlichen für die Impf-Aus- und Fortbildung in der Medizin … . Seit Jahrzehnten, besonders seit der Wende 1990 sind im Freistaat Sachsen die fachlichen Voraussetzungen, die „Impfempfehlungen E 1–12“ quasi als Leitlinien von den Mitgliedern der Sächsischen Impfkommission formuliert, fixiert und ständig modernisiert worden. In der ehemaligen DDR waren bestandene Impfkurse an den Universitäten Voraussetzung für die Zulassung zum medizinischen Staatsexamen, später in der medizinischen Praxis für die Berechtigung zur Abrechnung der Impfungen bei den gesetzlichen Krankenkassen.

… Die STIKO veröffentlicht jährlich … analoge Vorgaben gemäß den „IfSG Empfehlungen zur Durchführung von Schutzimpfungen und anderen Maßnahmen der spezifischen Prophylaxe übertragbarer Krankheiten“.

In den Vorhaben … fehlen … viele wichtige Details. Als Beispiele seien genannt: Hygienebedingungen am Impfort in der Apotheke, Qualifikation der Impfenden in der Apotheke, Verhalten bei Notfällen, atypische Impfverläufe, Verhalten und Vorgehen wegen der unterschiedlichen Impfempfehlungen für Influenza von SIKO und STIKO, unterschiedliche Totimpfstoffe sind im Handel, ebenfalls ein nasaler Lebendimpfstoff, Dokumentation und Meldewesen, Verhalten bei postexpositionellen Impfungen usw.

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Eine … Influenzaimpfung in der Apotheke wird die Impfverweigerer stärken und in allen Standard-Impfungen gegen 15–18 Infektionskrankheiten zur Senkung der Durchimpfungsraten führen … . Für die Förderung der Impf-Bereitschaft und -Möglichkeiten … sind andere Maßnahmen als Impfungen durch impfunerfahrene Apotheker angezeigt, … z. B. die Förderung des ÖGD in den Kreisen, die Angleichung der Bezahlung der Ärzte an Krankenhäuser, Erhöhung der Personalschlüssel und Einrichtung für jedermann jederzeit zugängiger Impfstellen bei den Gesundheitsämtern der Kreise. Auch sollte jeder Arbeitsmediziner das routinemäßige Impfen in allen von ihm betreuten Fabriken, Betrieben u. a. durchführen. Influenzaimpfungen von Personal in Alters-und Pflegeheimen, Schulen, Kindergärten und besonders in Krankenhäusern müssen einfacher und ohne Bürokratie besser als bisher organisiert werden.

Die Nachteile im Influenza-Impferfolg (Schutzrate nach Impfung < 50 Prozent wegen nicht im Impfstoff enthaltener, im betreffenden Jahr aber aktuell zirkulierter Viren ...) sind neben dem Wissensstand (tetravalente statt trivalente Impfstoffe) besonders den bisherigen bürokratischen Beschaffungs- und Bezahlungsregeln der Influenzaimpfstoffe für die Impfärzte zuzurechnen, die die KV-en auf Anordnungen des G-BA bei der Verwendung nicht moderner Impfstoffe fast jährlich unterschiedlich angeordnet haben.

Prof. Dr. med. Siegwart Bigl, 09114 Chemnitz

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