ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2019Kassenärztlicher Bereitschaftsdienst: Werbung für die 116117

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Kassenärztlicher Bereitschaftsdienst: Werbung für die 116117

Dtsch Arztebl 2019; 116(35-36): A-1522 / B-1256 / C-1236

Korzilius, Heike

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Die Rufnummer des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes wird vom 1. Januar 2020 an zur umfassenden Servicenummer ausgebaut. Ab dann ist sie rund um die Uhr erreichbar und gilt auch für die Terminvermittlung der Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen.

Elf 6 und Elf 7: Die Elfen sorgen für Einprägsamkeit. In einem Fernsehspot klären sie darüber auf, welche Patienten nicht in die Notaufnahme, sondern in die Bereitschaftspraxis gehören.
Elf 6 und Elf 7: Die Elfen sorgen für Einprägsamkeit. In einem Fernsehspot klären sie darüber auf, welche Patienten nicht in die Notaufnahme, sondern in die Bereitschaftspraxis gehören.

Eine starke Erkältung mit Fieber, anhaltender Brechdurchfall, starke Hals- oder Ohrenschmerzen, akute Bauchschmerzen: Wer früher abends oder am Wochenende ärztliche Hilfe benötigte, musste in der Tageszeitung nachschlagen, welcher niedergelassene Arzt Bereitschaftsdienst hatte und unter welcher Telefonnummer und Adresse er erreichbar war. Die Zeiten haben sich geändert, nicht zuletzt, weil viele Hilfesuchende auch mit Bagatellerkrankungen direkt die Notaufnahmen der Krankenhäuser ansteuerten. In den vergangenen Jahren haben die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) ihre Bereitschaftsdienste umfassend reformiert, Fahrdienste eingerichtet und mit bundesweit rund 700 Bereitschaftsdienstpraxen an oder in Krankenhäusern zentrale Anlaufstellen für Patientinnen und Patienten geschaffen, die ambulant behandelt werden können.

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Um die telefonische Erreichbarkeit des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes zu verbessern, wurde 2012 eine bundesweit einheitliche Rufnummer eingerichtet: die 116117. Bislang war die Nummer nur in der sprechstundenfreien Zeit erreichbar. Vom 1. Januar 2020 an werden Patienten diese als umfassende Servicenummer nutzen können. Das hat der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. med. Andreas Gassen, Ende August vor Journalisten in Liebenberg bei Berlin bekräftigt. Ab diesem Zeitpunkt ist die Rufnummer rund um die Uhr erreichbar und gilt auch für die Terminvermittlung durch die Terminservicestellen (TSS) der KVen, die gesetzlich Krankenversicherten Termine bei Haus- und Fachärzten sowie bei Psychotherapeuten vermitteln. Die KBV setzt damit einen Auftrag aus dem Terminservice- und Versorgungsgesetz um. Zum Start des erweiterten Angebots stockten die KVen die Zahl ihrer Mitarbeiter in den Callcentern auf etwa 1 200 auf, erklärte Gassen: „Das Anrufsystem muss funktionieren, sonst verlieren wir das Vertrauen der Patienten.“

Mit einer auf drei Jahre angelegten Werbekampagne, die Ende August startete, will die KBV die 116117 in der Bevölkerung bekannter machen. Denn im Gegensatz zur 112, der Nummer des Rettungsdienstes, weiß noch nicht jeder, wann man die 116117 wählen soll. Einer Umfrage der KBV zufolge kannten im vergangenen Jahr 37 Prozent der gesetzlich Krankenversicherten die Nummer für den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Rund 7,4 Millionen Mal wurde sie gewählt. Zum Vergleich: Im selben Jahr wurden knapp 20 Millionen ambulante Notfälle in den Krankenhäusern und den Bereitschaftspraxen behandelt.

Der Ausbau des Telefonangebots soll dazu beitragen, die Patienten in die Versorgungsebene zu steuern, die ihren Beschwerden angemessen ist. So soll künftig verhindert werden, dass Patienten mit Bagatell-
erkrankungen die Notaufnahmen der Krankenhäuser verstopfen. „In Verbindung mit einem standardisierten medizinischen Ersteinschätzungssystem ist die 116117 die Eintrittspforte in das Versorgungssystem“, sagte Gassen.

Anrufer strukturiert befragen

Ein solches System hat das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) gemeinsam mit Partnern entwickelt. Dabei wurde eine Software aus der Schweiz an deutsche Verhältnisse angepasst. Wählt ein Patient künftig die 116117, werden mit dem „strukturierten medizinischen Ersteinschätzungsverfahren für Deutschland“ (SmED) Patientendaten wie Geschlecht und Alter, chronische Krankheiten, Vorerkrankungen und Medikation, Leitsymptome und Begleitbeschwerden abgefragt. Das Ergebnis sei keine Diagnose, sondern eine Einschätzung der Dringlichkeit der Behandlung, sagte Zi-Geschäftsführer Dr. rer. pol. Dominik von Stillfried. Die medizinisch geschulten Disponenten empfehlen den Anrufern anschließend die richtige Anlaufstelle für eine Behandlung: die Praxis eines niedergelassenen Arztes zu den regulären Sprechzeiten, eine Bereitschaftsdienstpraxis oder die Notaufnahme eines Krankenhauses. Ist der Zustand des Anrufers nach Einschätzung der Disponenten lebensbedrohlich, verbinden sie zum Rettungsdienst. SmED wird zurzeit in mehreren KVen getestet. Ab Januar 2020 soll das System flächendeckend ausgerollt werden und auch an den Tresen der Bereitschaftspraxen oder Notaufnahmen zum Einsatz kommen.

Um sämtliche digitale Möglichkeiten für die Patientensteuerung zu nutzen, stellt die KBV Ende August eine 116117-App bereit. Darüber können Nutzer unter anderem eine telefonische Verbindung zum Notruf 112 herstellen und auf die bundesweite Arztsuche zugreifen. Ab Anfang nächsten Jahres sollen über die App auch Termine bei der TSS gebucht werden können. Voraussichtlich Mitte 2020 soll auch eine für Patienten adaptierte Version von SmED über die App nutzbar sein.

Der KBV-Vorstand äußerte sich in Liebenberg auch ganz grundsätzlich zu den Plänen des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums für eine Reform der Notfallversorgung. Seit dem 12. Juli liegt ein Diskussionsentwurf vor, der aber den Vermerk trägt, dass er noch nicht mit Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) abgestimmt ist. Vorgesehen ist unter anderem, dass künftig die Länder die Planung der Notfallversorgung übernehmen sollen.

Kein dritter Versorgungssektor

Den KVen den Sicherstellungsauftrag für den Bereitschaftsdienst zu entziehen, mache medizinisch keinen Sinn und stelle die Krankenhäuser aufgrund des Ärztemangels vor unlösbare Aufgaben, warnte der stellvertretende KBV-Vorsitzende Dr. med. Stephan Hofmeister. Er räumte allerdings ein, dass viele Vertragsärzte es sicherlich begrüßen würden, den ungeliebten Bereitschaftsdienst abends und an den Wochenenden loszuwerden. Sein Vorstandskollege Gassen kritisierte, dass der Diskussionsentwurf offen- lasse, wie viele zentrale Anlaufstellen für ambulante Patienten, sogenannte integrierte Notfallzentren, es an welchen Standorten künftig geben solle. Das müsse dringend geklärt werden. „Dazu müsste mal jemand den Mut haben“, sagte Gassen. Denn es könnten nicht an allen 2 000 Krankenhausstandorten solche Zentren geschaffen werden.

Sowohl Gassen als auch Hofmeister sprachen sich dagegen aus, dass Krankenhäuser und KVen die integrierten Notfallzentren künftig gemeinsam betreiben. „Wir brauchen keinen dritten Versorgungssektor“, sagte Hofmeister. „Wir wollen die Patienten integriert versorgen, aber nicht gemeinsam.“ Deshalb plädierte er dafür, dass die KVen den Tresen für ambulante Patienten betreiben und die Krankenhäuser für die Notaufnahmen zuständig sind, wo die Patienten mit dem Rettungswagen eintreffen. Heike Korzilius

Mobiler Bereitschaftsdienst: Wenn es nötig ist, kommt der Arzt auch zum Patienten nach Hause. Foto: KV Berlin
Mobiler Bereitschaftsdienst: Wenn es nötig ist, kommt der Arzt auch zum Patienten nach Hause. Foto: KV Berlin

Elf 6 Elf 7 – die Kampagne

Mit einem TV-Spot auf RTL, Sat 1 und Pro Sieben sowie Online- und Plakatwerbung in großen Städten will die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) die Rufnummer des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes bekannter machen. In Kooperation mit den Kassenärztlichen Vereinigungen sendet die KBV an die rund 100 000 Praxen von Ärzten und Psychotherapeuten kostenlos Info-poster für das Wartezimmer sowie Infokarten für Patienten. Beides kann unter 116117.de nachbestellt werden. Ab 2020 informiert die KBV auch über die neuen Leistungen der 116117: die Erreichbarkeit rund um die Uhr sowie die Vermittlung von Arztterminen.

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