ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2019Honorarverhandlungen 2020: 565 Millionen Euro für Vertragsärzte

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Honorarverhandlungen 2020: 565 Millionen Euro für Vertragsärzte

Dtsch Arztebl 2019; 116(35-36): A-1519 / B-1253 / C-1233

Beerheide, Rebecca

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Die Honorarverhandlungen für das kommende Jahr kamen nach nur zwei Runden zu einem Ergebnis. Insgesamt gibt es eine Honorarsteigerung von etwa 565 Millionen Euro und eine Startfinanzierung für die Videosprechstunde.

Foto: Africa Studio/stock.adobe.com
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Geräuschlos ist die diesjährige Verhandlungsrunde zwischen Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und dem GKV-Spitzenverband über die Honorare der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten nach nur zwei Gesprächsrunden abgeschlossen worden. Dabei einigten sich Vertreter der Ärzte und Krankenkassen auf die Steigerung des Orientierungswertes um 1,52 Prozent. Damit steigt der Wert für ärztliche und psychotherapeutische Leistungen auf 10,9871 Cent. Bislang lag dieser bei 10,8226 Cent. Dies bedeutet eine Steigerung von Honoraren um rund 565 Millionen Euro für das Jahr 2020. Die konkrete Ausgestaltung wird jetzt auf Ebene der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und der Krankenkassenverbände der Bundesländer verhandelt.

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„Es ist gut, dass wir eine Einigung mit unserem Vertragspartner erzielen konnten, zumal die Forderungen anfangs weit auseinanderlagen“, erklärte Dr. med. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, in einer Mitteilung. Dem Vernehmen nach hatten die Krankenkassen zunächst eine Steigerung von 0,3 Prozent beim Orientierungswert angeboten. Daher sei dies nun ein „guter Kompromiss“, wie es aus Verhandlungskreisen hieß.

Selbstverwaltung funktioniert

Nach einer Sitzung im Bewertungsausschuss Mitte August hieß es noch vonseiten der KBV, dass die Verhandlungen schwierig seien. Nach einer zweiten Runde mit Spitzenvertretern der KBV und des GKV-Spitzenverbandes am 20. August wurde offenbar der nun verkündete Durchbruch erzielt. „Die gemeinsame Selbstverwaltung hat ihre Funktionsfähigkeit unter Beweis gestellt“, sagte Gassen. Auch die Krankenkassenseite zeigte sich zufrieden: „Wir freuen uns, dass wir trotz schwieriger Verhandlungen mit unserem Vertragspartner eine Einigung zur Anpassung der Preise in der ambulanten Versorgung erzielen konnten“, erklärte Stefanie Stoff-Ahnis, Vorstand des GKV-Spitzenverbandes und dort zuständig für die ärztliche Versorgung. „Die Selbstverwaltung zwischen Krankenkassen und Ärzten ist der Ort, an dem solche Entscheidungen partnerschaftlich getroffen werden“, sagte sie.

In dem diesjährigen Beschluss gibt es auch eine Anschubfinanzierung für Arztpraxen, die künftig Videosprechstunden anbieten wollen. So bezahlen Krankenkassen ab dem 1. Oktober 2019 bis zu 500 Euro pro Arzt und Quartal. Diese Fördermöglichkeit gilt für zwei Jahre. Zusätzlich will der Bewertungsausschuss bis Ende September weitere Förderungen für die Videosprechstunde vereinbaren.

In der aktuellen Vereinbarung ist ebenso eine künftige Ausbudgetierung von humangenetischen Beurteilungsleistungen enthalten. Auch die Beratungsleistungen, die unter die Gebührenordnungspositionen 01841, 11230, 11233 bis 11236 fallen, werden für die kommenden drei Jahre extrabudgetär vergütet.

Als Grund gibt die KBV eine Mengenausweitung in diesem Bereich an. Es wird davon ausgegangen, dass die Vergütung in diesem Bereich bislang in einem niedrigen einstelligen Millionenbereich liege. Die bereits bestehende extrabudgetäre Vergütung von Leistungen der In-vitro-Diagnostik tumorgenetischer Veränderungen wird bis zum 1. Juli 2023 verlängert.

Kritik von Ärzteverbänden

„Damit berücksichtigt der Bewertungsausschuss die wachsende Bedeutung genetischer Diagnostik und Beratung. Davon profitieren insbesondere Patienten mit seltenen Erkrankungen und Krebserkrankungen in der Familie. Angesichts des rasanten Fortschritts der Medizin kann diese Vereinbarung allerdings nur ein erster Schritt sein“, kommentierte Gassen diesen Teil des Ergebnisses.

Kritik am Ergebnis kommt von Ärzteverbänden: Zwar werde die Handlungsfähigkeit der Selbstverwaltung unter Beweis gestellt, das Ergebnis sei aber „dürftig“, so Dr. med. Dirk Heinrich, Vorsitzender des NAV-Virchowbundes. Der Verband rechnet vor, dass die Honorarsteigerung für jede Praxis 466 Euro pro Monat bedeuten würde. Der Verband der Kinder- und Jugendärzte forderte nun eine entschlossene Reform des EBM am Jahresende. Rebecca Beerheide

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