ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2019Gemeinsamer Bundes­aus­schuss: Programm für Depression kommt

POLITIK

Gemeinsamer Bundes­aus­schuss: Programm für Depression kommt

Dtsch Arztebl 2019; 116(35-36): A-1532 / B-1263 / C-1243

Beerheide, Rebecca

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Das Disease-Management-Programm für Menschen mit Depression kann in den kommenden Monaten Einzug in die Versorgung finden: In einem einstimmigen Beschluss stimmten die Mitglieder des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses dafür. Es war seit 2013 von der Politik gefordert worden.

Foto: picture alliance/Design Pics
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Die Mitglieder des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) haben nach langer Debatte Mitte August das inzwischen neunte Disease-Management-Programm (DMP) einstimmig beschlossen. Dieses DMP wurde auf Wunsch der Gesundheitspolitiker der Großen Koalition bearbeitet, die in den Koalitionsverträgen von 2013 und 2018 entsprechende Aufträge an die Selbstverwaltung verteilt hatten. Der Beschluss kam ohne ein positives Votum der nicht stimmberechtigten Patientenvertreter zustande: „Wir wollen hier keine Ablehnung dokumentieren. Aber wir sind unglücklich, dass so ein DMP in die Versorgung kommt und dass der Gesetzgeber solch ein DMP auf den Weg gebracht hat“, sagte Martin Danner von der Patientenvertretung. Der unparteiische Vorsitzende Prof. Josef Hecken erklärte zwar, dass er den gesetzlichen Auftrag für dieses Programm nicht richtig finde. Doch letztendlich votierten alle stimmberechtigten Mitglieder des G-BA für dieses neue DMP.

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Viele offene Diskussionspunkte

In der Sitzung im August wurde besonders kontrovers über die Notwendigkeit von indikationsübergreifenden Dokumentationen, die Qualifizierung von Leistungserbringern sowie die Psychotherapieverfahren bei ambulanter Krankenhausbehandlung gestritten. Letztendlich beschlossen die Plenumsmitglieder, welche Patientengruppen künftig in das DMP eingeschrieben werden können, welche Therapieziele und -planungen es dafür geben muss und welche Empfehlungen es für therapeutische Maßnahmen gibt. „Die Behandlung von mittel- und schwergradigen Depressionen ist durch die Kombination von therapeutischen Interventionen mit entsprechend unterschiedlichen Leistungserbringern oft sehr komplex, der Vernetzungsaufwand entsprechend hoch“, erklärte Prof. Dr. med. Elisabeth Pott, unparteiisches G-BA-Mitglied und Vorsitzende des zuständigen Unterausschusses DMP. Das Behandlungsprogramm setze hier an: „Auf der Basis einer sicheren Diagnosestellung soll das DMP eine leitliniengerechte und zielgenaue Therapie gewährleisten, die in Abhängigkeit vom Schweregrad und Verlauf der Depression erfolgt und auch die verschiedenen Lebensphasen der Patientin oder des Patienten als wichtigen Faktor berücksichtigt.“

Koordination beim Hausarzt

Die Diagnose, die zur Einschreibung in das DMP führen kann, soll eine Hausärztin oder ein Hausarzt sowie in Ausnahmefällen eine Fachärztin oder ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie stellen. Die Koordination des Programms soll beim Hausarzt liegen, der an weitere Fachärzte überweisen muss, wenn nach sechs Wochen keine Besserung eintritt. Über diesen Passus wurde im Plenum des G-BA heftig gestritten. Auch die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) kritisierte diesen Teil des Beschlusses im Anschluss. „Damit werden für Patienten, die bereits bei einem Psychotherapeuten in Behandlung sind, völlig unnötige Hürden für die Teilnahme im DMP aufgebaut“, erklärte BPtK-Präsident Dr. rer. nat. Dietrich Munz. Er begrüßte allerdings die systematische Einbindung der Psychotherapeuten und Fachärzte in den künftigen Behandlungsverlauf.

Bis Vertragsärzte ihren Patienten das DMP zur Einschreibung anbieten können, dauert es: Nach der laufenden juristischen Prüfung des Beschlusses beim Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium müssen GKV-Spitzenverband sowie die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) entsprechende Vergütungsverträge sowie Verträge zur praktischen Umsetzung auf regionaler Ebene abschließen. Diese müssen dann vom Bundesversicherungsamt (BVA) genehmigt werden. Insgesamt dauert dieses Prozedere rund zwölf Monate. Rebecca Beerheide

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