ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2019Clostridioides difficile: Fäkaler Mikrobiota-Transfer wirkt bei rekurrenter Infektion besser als Antibiotika

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Clostridioides difficile: Fäkaler Mikrobiota-Transfer wirkt bei rekurrenter Infektion besser als Antibiotika

Dtsch Arztebl 2019; 116(35-36): A-1550 / B-1277 / C-1257

Gießelmann, Kathrin

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Foto: picture alliance/AP Photo
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Eine Clostridioides-difficile-Infektion (CDI) wird durch eine gestörte Zusammensetzung der Darmmikrobiota verursacht. Die Infektion tritt oft nach lang andauernder Antibiotikabehandlung auf, in deren Folge das Bakteriengleichgewicht im Darm zerstört wird. Die Therapie der rekurrenten CDI erfolgt in der Regel mit Antibiotika. Dabei könnten sich die Heilungschancen durch einen fäkalen Mikrobiota-Transfer (FMT) bei dieser Darm­er­krank­ung deutlich erhöhen. Das zeigt eine kontrollierte Studie, in der 64 Patienten mit rekurrenter CDI untersucht wurden (1).

Nach einer 4- bis 10-tägigen Behandlung mit Vancomycin (125 mg, 4-mal täglich) erhielten 24 Patienten eine FMT (FMTv). Weitere 24 Patienten wurden 10 Tage mit Fidaxomicin (Dificlir, 200 mg, 2-mal täglich) behandelt, 16 Patienten erhielten 10 Tage die Standardbehandlung mit Vancomycin (Vancocin, 125 mg, 4-mal täglich). Nach
8 Wochen führten die Forscher der Aarhus Universität in Dänemark einen CD-Test durch und dokumentierten die klinische Heilung. Als geheilt stuften die Ärzte 22 Patienten mit FMTv (92 %), 10 Patienten mit Fidaxomicin (42 %) und 3 Patienten mit Vancomycin (19 %) ein (p = 0,0002; p < 0,0001; p = 0,13). Ein negatives Testergebnis für CD-Toxine wurde bei 17 Patienten mit FMTv (71 %), 8 Patienten mit Fidaxomicin (33 %) und bei 3 Patienten mit Vancomycin (19 %) beobachtet (p = 0,009 für FMTv vs. Fidaxomicin; p = 0,001 für FMTv vs. Vancomycin; p = 0,31 für Fidaxomicin vs. Vancomycin).

Aufgrund vieler positiver Studienergebnisse für CDI ist die Hoffnung groß, die Methode zukünftig auch bei anderen chronisch-entzündlichen Darm­er­krank­ungen (CED) wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa einzusetzen. In einer kürzlich publizierten Auswertung verschiedener Studien zeigte sich, dass 8 Wochen nach einem solchen Stuhltransfer 37 % der CED-Patienten beschwerdefrei waren, verglichen mit 18 % in der Placebogruppe. Behandlungserfolge, vergleichbar mit denen bei der CDI, gibt es jedoch noch nicht.

Fazit: „Wenn eine CDI-Infektion wiederholt auftritt, ist der fäkale Mikrobiotatransfer inzwischen das Mittel der Wahl“, sagte Prof. Dr. med. Andreas Stallmach vom Universitätsklinikum Jena bei einer Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) in Berlin (2).

„Die Heilungsraten mit FMT liegen in einer Größenordnung von 70–90 %, während modernste Antibiotika nur 19–30 % erreichen“, kommentierte Stallmach, Direktor der Klinik für Innere Medizin IV für Gastroenterologie, Hepatologie, Infektiologie, Interdisziplinäre Endoskopie. Die CDI weise die höchste Todesrate bei gastrointestinalen Infektionen in deutschen Krankenhäusern auf. „Ich finde es daher unethisch, bei einer rezidivierenden CDI auf die Möglichkeit des fäkalen Mikrobiom-Transfers zu verzichten“, so der DGVS-Experte.

Ein FMT kann aber auch Risiken bergen. Aufgrund schwerer Zwischenfälle in den USA forderte die US-Arzneimittelbehörde FDA Ärzte auf, Spender auf eine Besiedelung mit multiresistenten Keimen zu untersuchen. Kathrin Gießelmann

  1. Hvas LC, Dahl Jørgensen SM, Jørgensen SP, et al.: Fecal Microbiota Transplantation Is Superior to Fidaxomicin for Treatment of Recurrent Clostridium difficile Infection. Gastroenterology 2019; 156: 1324–32.
  2. DGVS Jahrespressekonferenz; 15. Mai 2019 in Berlin.

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