ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2019Ärztemangel: Mehr Ärzte müssen her
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... Auch ich als Privatärztin in Hessen erlebe mich einschneidenden Maßnahmen unterworfen, die der Gesetzgeber für nötig befindet, da anders die ärztliche Versorgung nicht zu sichern sei. So schrieb mir die KV Hessen am 20. März 2019, dass Privatärzte jetzt in Abstimmung mit dem Hessischen Sozialministerium in den Ärztlichen Bereitschaftsdienst der KV Hessen einbezogen würden, um dem Ärztemangel in der KV zu begegnen. ...

Privatärzte profitieren nicht von der KV, werden aber mit Diensten und beträchtlichen Zahlungen in ein System einbezogen, das in der Unterversorgung gestrandet ist. Derselbe Gesetzgeber, der jetzt die Privatärzte polemisch ausgedrückt als „letztes Aufgebot“ mobilisiert, hat allerdings diese Unterversorgung zu verantworten. Denn die „Bedarfsplanung“ setzt ja nicht erst bei den Kassenarztsitzen ein. Schon die Anzahl der Medizinstudienplätze wird bis zum heutigen Tag vom Gesetzgeber streng beschränkt, damit nur ja nicht zu viele Ärzte auf dem Plan erscheinen, die alle Geld verdienen wollen. Dabei hat der Gesetzgeber natürlich an seine gesetzlichen Krankenkassen gedacht, deren Budgets nicht zu hoch belastet werden sollen. Andere Aspekte wie geänderte Vorstellungen von Work-Life-Balance und weniger Bereitschaft zur Selbstausbeutung wurden leider nicht vorhergesehen. ... Ich kann den Worten des Kollegen Montgomery nur zustimmen: „Schnellstmöglich mehr Medizinstudienplätze“ müssen her. Weg mit den Ängsten, dass es zu viele unersättliche Ärzte oder Bürger geben könnte, die das Gesundheitswesen aussaugen. Wobei übrigens gerade die Politik den Bürgern gern grenzenlose Erfüllung aller medizinischen Versorgungsansprüche verheißt. Dabei ist und war eine Komplettversorgung stets eine Utopie. Jeder weiß, dass die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen ebenso wie die der privaten Kran­ken­ver­siche­rungen Schranken haben. ... Die Politik soll den Bürgern keine falschen Hoffnungen machen, soll nicht alles Mögliche versprechen in der Hoffnung, mit der richtigen Melktechnik noch ein paar Tropfen mehr aus der müden Kuh herauszuquetschen. Mehr Kühe, also Ärzte, müssen her und eine klarere Einschätzung und Kommunikation dessen, was das Vertragsarztsystem für den Bürger leisten kann und was nicht. Die Existenz von Privatärzten sollte nicht totgeschwiegen, sondern als sinnvolle Ergänzung des Vertragsarztsystems betrachtet werden – nicht nur in der Stunde der Not, in der sich die Politik der Ressourcen von Privatärzten plötzlich und ohne jede Gegenleistung bedient.

Dr. med. Barbara Günther-Haug, 61389 Schmitten

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