ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2019Kinder und Jugendliche: Appell für Reform des Hilfesystems

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Kinder und Jugendliche: Appell für Reform des Hilfesystems

PP 18, Ausgabe September 2019, Seite 389

Hillienhof, Arne

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Ein breites Bündnis von Akteuren aus der Kinder- und Jugendhilfe, der Medizin, Wissenschaft und Politik hat sich an die Bundespolitik gewandt und gefordert, das Hilfesystem für Kinder und Jugendliche zu reformieren. Das Bündnis kritisiert, dass trotz der UN-Behindertenrechtskonvention und dem Grundrecht auf Gleichbehandlung in Deutschland immer noch zwischen „Jugendhilfe“-Kindern und „Eingliederungshilfe“-Kindern unterschieden wird.

Junge Menschen ohne Beeinträchtigung oder mit einer psychischen Behinderung erhalten Leistungen nach dem Kinder- und Jugendhilferecht. Dagegen sind Heranwachsende mit körperlichen und/oder geistigen Behinderungen der Eingliederungshilfe zugeordnet. Das Sozialrecht gliedere so mehr als eine Viertel Million Kinder und Jugendliche aus, kritisiert das Bündnis. Das Recht ordne sie vielmehr wie kleine Erwachsene in das System der Eingliederungshilfe ein. Damit erhielten diese jungen Menschen und ihre Familien nicht die Förderung, die sie brauchten. „Man kann Menschen nicht einfach in die Schubladen körperliche oder geistige oder seelische Behinderung stecken, da man dies nicht sauber trennen kann. Die Beeinträchtigung von Teilhabe am gesellschaftlichen Leben resultiert häufig aus der Kombination verschiedener Belastungen“, erklärt Prof. Dr. med. Jörg Fegert, Universitätsklinikum Ulm.

Es sei zudem inakzeptabel, dass das Sozialrecht den jeweiligen IQ-Wert von Kindern und Jugendlichen zum prägenden Merkmal erhebt und danach die behördliche Zuständigkeit entscheidet. Bei einem Wert von 69 und darunter sei die Eingliederungshilfe, bei höherem Wert die Kinder- und Jugendhilfe zuständig. Das Bündnis fordert eine integrative Lösung, durch die alle Kinder und Jugendlichen eine einheitliche gesetzliche Grundlage im Kinder- und Jugendhilferecht finden. hil

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