ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2000Pharmazeutische Betreuung: Patienten werden bessere „Manager“ ihrer Erkrankung

POLITIK: Medizinreport

Pharmazeutische Betreuung: Patienten werden bessere „Manager“ ihrer Erkrankung

Dtsch Arztebl 2000; 97(4): A-156 / B-130 / C-124

Sass, Wolfgang

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LNSLNS Untersuchung mit Asthma-Patienten in Hamburg belegt objektive und subjektive Verminderung der Symptome sowie eine Verbesserung der Lebensqualität.


Nach Daten aus den USA und Nordeuropa können Apotheken durch strukturierte "Pharmazeutische Betreuung" von Patienten deutlich zur effektiveren Arzneimittelbehandlung beitragen. In Hamburg wurden die Ergebnisse einer Studie vorgestellt, die dies auch für die Asthmabehandlung nahe legt. Die Untersuchung wurde aus Beitragsgeldern der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) finanziert und in Kooperation mit der Hamburger Apothekerkammer organisiert. Von den etwa vier Millionen Asthmatikern in Deutschland sterben circa 6 000 jährlich an Komplikationen ihrer Krankheit. Zu den Ursachen von Therapieversagen gehören:
- totales Fehlen von Medikation
- Non-Compliance - die Anwendung "richtiger" - Medikamente zur falschen Zeit
- Unterdosierungen oder
- Überdosierungen Zu den Folgekosten solcher "Medikamentenfehler" tragen vermeidbare Krankenhaus-Einweisungen wesentlich bei. Ein Tag im Krankenhaus koste 800 DM, ein Jahr Arzneimittelbehandlung dagegen nur 1 300 DM, berichtete Dr. Martin Schulz (Eschborn). An der Hamburger Untersuchung nahmen 161 Studien- und 81 Kontroll-Patienten teil, außerdem 26 Studien- und 22 Kontroll-Apotheken und circa 120 Ärzte. Zielparameter waren Besserung von Gesamtzustand, Lebensqualität, Asthma-Wissen und die Fähigkeit und Motivation zum "Selbstmanagement". Die Teilnehmer wurden über ein Jahr alle sechs Wochen durch Einzelgespräche in Apotheken beraten, inklusive Inhalationstechnik, Peak-Flow-Messung und Patienten-Tagebuch. Bei der Kontrollgruppe fiel diese Beratung weg. Hier würden Peak- Flow und Inhalationstechnik nur zu Beginn und nach sechs Monaten demonstriert, und sonst würde nur mit Fragebögen gearbeitet, berichtete Prof. Franz Petermann (Bremen). Anfangs glaubten sehr viele der Patienten, ihr Asthma sei psychisch verursacht oder angeboren, und im Notfall sei Inhalieren von Kortikoiden nötig. Im Vergleich zur Kontrollgruppe fand sich in der Studiengruppe eine kontinuierlich höhere Zunahme von Lebensqualität und Asthma-Wissen. Die Fertigkeiten zum selbstständigen Management der Krankheit stiegen "hochsignifikant" stärker unter pharmazeutischer Betreuung, ebenso Compliance und therapeutische Mitarbeit. Gemessen an der Häufigkeit der Symptome, Medikamentenverbrauch, Spirometrie und Lungenfunktion, sei der Asthma-Schweregrad beider Gruppen anfangs vergleichbar gewesen, sagte Prof. Christian Bergmann (Bad Lippspringe). Nach sechs und zwölf Monaten hätten sich diese Parameter jedoch im Vergleich zur Kontrollgruppe, bei der sich nichts änderte, signifikant gebessert. Die Patienten selbst schätzten ihren Zustand jeweils noch besser ein als die Ärzte.
Nachdem erstmals der Nutzen der pharmazeutischen Betreuung belegt sei und erhebliche Einsparungen von Folgekosten bei der Asthma-Behandlung möglich würden, könnte ein Teil dieser Gelder als Honorar den beteiligten Apotheken zufließen. Ohne Honorar könnten Apotheker diesen Dienst nicht leisten, betonte abschließend der ABDA-Präsident Hans-Günter Friese. Wolfgang Sass

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