ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2019Psychotherapie: Gründe für ein Nichtzustandekommen

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Psychotherapie: Gründe für ein Nichtzustandekommen

PP 18, Ausgabe September 2019, Seite 423

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Nicht jeder Patient mit einer psychischen Erkrankung wird von Psychotherapeuten auch behandelt. Psychologen um Prof. Dr. rer. medic. Hans-Joachim Hannich, Universitätsmedizin Greifswald, haben 1 085 ostdeutsche Psychotherapeuten nach den Gründen dafür befragt, weshalb sie Patienten weiterverweisen. 45,7 % der Befragten boten Verhaltenstherapie, 26,5 % Tiefenpsychologie einschließlich Psychoanalyse (5,5 %) und 21 % Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie an. 65 % der Teilnehmer waren in der ambulanten Versorgung und 35 % im stationären Bereich tätig.

Der häufigste Grund für eine Ab- oder Weiterverweisung von Patienten war eine fehlende Indikation für Psychotherapie. Entweder erschien das psychotherapeutische Vorgehen als solches oder das therapeutische Angebot als nicht geeignet. Darüber hinaus wurden bestimmte Störungsbilder häufiger abgelehnt als andere, insbesondere Suchterkrankungen. Auch bestimmte ungünstige Patientenmerkmale wie fehlende Motivation, mangelnde Änderungsbereitschaft oder falsche Erwartungshaltungen führten eher zu einer Ablehnung. Organisatorische oder finanzielle Gründe, Passungsprobleme oder Kapazitäten waren hingegen kaum ausschlaggebend. Die fachkundliche Ausrichtung der Befragten beeinflusste ebenfalls den Auswahlprozess. „Vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Krankheitstheorien nehmen Tiefenpsychologen eher Patienten mit Persönlichkeitsstörungen in Therapie und Verhaltenstherapeuten solche mit neurotischen, Belastungs- und somatoformen Störungen“, so die Autoren. Die Auswahl der Patienten orientierte sich am erwarteten Behandlungserfolg, was dazu führen kann, dass besonders therapiebedürftige Patienten mit unsicherer Prognose vernachlässigt werden und ihnen der Zugang zu Psychotherapie erschwert wird. ms

Hannich H-J, Barz R, Peikert G: Gründe für das Nichtzustandekommen von Psychotherapien. Psychotherapeut 2019; 64 (2): 153–8.

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