ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2019Halitophobie: Kognitive Verhaltenstherapie kann helfen

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Halitophobie: Kognitive Verhaltenstherapie kann helfen

PP 18, Ausgabe September 2019, Seite 424

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Halitophobie ist die unbegründete und anhaltende Angst, an Mundgeruch zu leiden und andere damit zu belästigen. Sie ist zwar nicht in einer der gängigen Klassifikationen für psychische Erkrankungen aufgeführt, wird aber in der Regel den Zwangsstörungen zugeordnet. Obwohl die Halitophobie nicht weit verbreitet ist, ist sie für die Betroffenen sehr belastend. Französische und tunesische Psychologen und Psychiater um Jihed Mrizak von der Medizinischen Fakultät der Universität Tunis El Manar (Razi Hospital) in La Mannouba (Tunesien) beschreiben anhand eines Fallbeispiels, wie sich die Erkrankung präsentiert und wie sie behandelt werden kann.

Ein 20-jähriger afrikanischer Medizinstudent litt seit fünf Jahren an Halitophobie. Auslöser war die Beobachtung von zwei Personen, die sich von ihm abwandten und sich die Nase zuhielten, als er einmal die Droge Kath (Blätter des Kathstrauchs) kaute. Daraufhin bildete er sich ein, ständig unangenehm aus dem Mund zu riechen. Er konsultierte Zahnärzte und ließ seinen Mundraum untersuchen, aber es wurde nichts gefunden. Zudem fragte er immer wieder andere Personen, ob er aus dem Mund rieche, aber sie verneinten es. Trotzdem eignete er sich ein aufwendiges Sicherheitsverhalten an, das zum Beispiel täglich mehrfaches Zähneputzen, Mundspülungen, Kaugummikauen und Überprüfung des Atemgeruchs umfasste. Außerdem sprach er nur leise und mit vorgehaltener Hand. „Eine weitere Folge seiner Halitophobie war Vermeidungsverhalten“, sagen die Autoren. Er sprach mit niemandem, bevor er nicht die Zähne geputzt hatte, und unterhielt sich nicht, wenn jemand in seiner Nähe saß. Mit der Zeit zog er sich zurück und wurde ängstlich und depressiv.

Eine Behandlung mit Elementen, die der kognitiv-behavioralen Therapie entlehnt waren, konnte ihm schließlich helfen. In fünf Therapiesitzungen beschäftigte er sich mit automatischen Gedanken, erstellte eine Angsthierarchie und setzte sich angstauslösenden Situationen aus, ohne Sicherheits- oder Vermeidungsverhalten zu zeigen. Dies führte dazu, dass er sich in sozialen Situationen wieder ungezwungen geben konnte. ms

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Mrizak J, Ouali U, Arous A, Jouini L, Zaouche R, Rebaï A, Zalila H: Successful treatment of Halitophobia with cognitive behavioural therapy. Journal of Contemporary Psychotherapy 2019; 49 (2): 119–25.

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