ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2019Extreme Gewalt an Kindern und Jugendlichen: Betroffene kommen zu Wort

BÜCHER

Extreme Gewalt an Kindern und Jugendlichen: Betroffene kommen zu Wort

PP 18, Ausgabe September 2019, Seite 425

Kuck, Bernd

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Kürzlich jährte sich zum 70. Mal das Erscheinen von Simone de Beauvoirs Buch „Das andere Geschlecht“. Darin macht sie unter anderem deutlich, dass Gewalt gegen Frauen kein isoliertes Phänomen ist, sondern in der Gesellschaft ubiquitär. Solange Gewalt und damit die bloße Kraft des körperlich Überlegenen (das Geschlecht spielt da keine Rolle) nicht gesellschaftlich geächtet und verpönt ist, wird es sie weiter geben und Kinder sind dann als die Schwächsten weiter davon betroffen. Betroffene von extremer Gewalt kommen in dem Buch zu Wort, dies mit all den Problemen, die sie – trotz psychotherapeutischer Unterstützung – noch Jahrzehnte später belasten und den Alltag erschweren.

Zugleich erhalten die Leser eine Handhabe, wie frühzeitig Hinweise auf Misshandlungen erkannt werden können. Der Text richtet sich vorrangig an Menschen, die mit Kindern täglich Umgang haben. Betroffene Kinder sind oft nicht nur auffällig, sondern noch häufiger „unauffällig auffällig“. Das liegt auch daran, dass sie für die sexuellen Misshandlungen von klein auf trainiert werden, soweit sie in rituellen Zusammenhängen sexuell misshandelt werden.

Anzeige

Ein wichtiges Buch und so geschrieben, dass das Grauen nicht sofort abschreckt, weil es nicht in breiten Szenen ausformuliert ist. So fällt es leichter, sich mit diesem Thema zu befassen. Wer selbst mit Betroffenen psychotherapeutisch gearbeitet hat, weiß, dass es keine erfundenen Geschichten sind und wie erleichternd es für die Misshandelten ist, endlich offene Ohren zu finden. Das Grauen findet nicht nur in asozialen Kreisen statt, sondern auch hinter bürgerlichen Fassaden.

Leider wird im Text nicht konsequent von sexueller Misshandlung gesprochen, sondern auch von sexuellem Missbrauch – als könnte es einen sexuellen Gebrauch geben. Auch ist der genutzte Begriff Kinderpornografie abzulehnen, es sind Darstellungen von sexuell motivierter Kindesmisshandlung. Bernd Kuck

Pauline Frei, Sabine Marya: Was ist bloß mit Alex los? Früherkennung der Folgen von extremer Gewalt bei Kindern und Jugendlichen – ein sensibilisierendes Fachbuch für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem pädagogischen und sozialen Bereich. Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2018, 366 Seiten, kartoniert, 16,00 Euro

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema