ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2019Gewalt gegen Psychotherapeuten: Hilfe gegen das Gefühl des Ausgeliefertseins

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Gewalt gegen Psychotherapeuten: Hilfe gegen das Gefühl des Ausgeliefertseins

PP 18, Ausgabe September 2019, Seite 428

Ringwelski, Beate

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Aus den Medien erfährt man immer wieder von tätlichen Angriffen auf Ärzte, Pflegepersonal oder Psychotherapeuten. Nach dem ersten Erschrecken setzt dann häufig ein Verdrängungsprozess der eigenen Betroffenheit ein. Nicht zuletzt ist er bedingt durch Unkenntnis, was man zum Selbstschutz und zum Schutz des Personals tun kann, sei es im stationären oder ambulanten Bereich. Dem möchte der Psychotherapeut Horia Fabini abhelfen. Zunächst geht er allgemein auf aggressives Verhalten ein. Dabei beleuchtet er insbesondere, wie häufig dies, statistisch gesehen, bei Patienten mit psychiatrischen Diagnosen vorkommt. Ebenso wichtig ist aber auch die Kenntnis der eigenen emotionalen Reaktionsbereitschaft auf sich entwickelnde Aggression und von Copingstrategien. Er vermittelt Wissen aus der Kriminal- und Gefährlichkeitsprognostik, dem Bedrohungsmanagement und der Notfallpsychologie. Spezielle Formen aggressiv-dissozialen Verhaltens, nicht nur gegenüber medizinischem Personal, werden detailliert beleuchtet: Drohungen, Raub, Erpressung, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (bezüglich Rasse, Religion oder Kultur), Amok, Stalking, Geiselnahmen und Entführungen. Durch eine systematische Bedrohungsanalyse anhand von konkreten Fakten sollen Maßnahmen zur Gewaltprävention und zur Eigensicherung möglichst schon im Vorfeld ergriffen werden. Wie diese aussehen können, wird in dem Buch ausführlich dargestellt. Der Leser verliert zunehmend das Gefühl des Ausgeliefertseins. Über die psychiatrische Diagnose hinaus wesentlich für das Gefährdungspotenzial eines Patienten sind seine Sozialisation und eventuelle frühere Straffälligkeit und dann die situative Bedingungskonstellation. Fühlt man sich als Therapeut der Aufgabe gewachsen, einen potenziellen Straftäter zu behandeln? Darüber kann das Ausfüllen einer Checkliste einen ersten Anhaltspunkt geben. In weiteren Checklisten werden bauliche und technische Maßnahmen, Möglichkeiten zum Umgang mit Aggression, risikogenerierende Faktoren, Verhalten in Bedrohungslagen und Rettungsmaßnahmen zusammengefasst, die vorher im Text ausführlich erläutert wurden. Grundkenntnisse darüber sollte sich jeder im medizinischen Bereich Tätige aneignen, wozu dieses wenig umfangreiche, aber sehr informative Buch bestens geeignet ist. Beate Ringwelski

Horia Fabini: Eigensicherung und Selbstfürsorge. Umgang mit potenziell gefährlichen Patienten in der Psychotherapie. Beltz Verlag, Weinheim, 2019; 176 Seiten, gebunden, 39,95 Euro

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