ArchivDÄ-TitelSupplement: PerspektivenNeurologie 1/2019Parkinson-Krankheit: Wie man die motorischen Symptome kontrolliert

Supplement: Perspektiven der Neurologie

Parkinson-Krankheit: Wie man die motorischen Symptome kontrolliert

Dtsch Arztebl 2019; 116(37): [4]; DOI: 10.3238/PersNeuro.2019.09.13.01

Deuschl, Günter; Berg, Daniela

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Moderne Therapien verlängern zwar die Lebenszeit der Parkinson-Patienten. Dennoch ist ihre Lebensqualität häufig beeinträchtigt. Eine wohlüberlegte, interdisziplinäre Planung der Behandlung scheint für die Betroffenen langfristig von Vorteil zu sein.

Forto: Biozentrum, Universität Basel
Forto: Biozentrum, Universität Basel

Die Parkinson-Krankheit (PK) ist nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Die Zahl der Erkrankungsfälle wächst schneller als für jede andere neurodegenerative Erkrankung (1). Der wichtigste Grund ist bei dieser mit dem Alter zunehmenden Erkrankung die Veränderung der Alterspyramide.

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Bevor wirksame Medikamente verfügbar waren, lag die mittlere Lebenserwartung von Parkinson-Patienten bei weniger als 10 Jahren nach Diagnosestellung (2). Gründe für vorzeitiges Versterben waren – damals wie heute – die Sekundärfolgen der motorischen Einschränkung mit kardiopulmonalen Problemen, Traumata, Infektionen und anderen Folgen von Steifigkeit und Gebrechlichkeit.

Durch moderne Behandlungsmethoden lebt ein Parkinson-Patient heute fast genauso lang wie eine gesunde Vergleichsperson. Leider ist die Lebensqualität der Patienten noch deutlich beeinträchtigt (3) – auch wenn entscheidende Fortschritte erzielt wurden. Die wohlüberlegte Behandlungsplanung ist entscheidend für den Langzeitverlauf, den man immer im Blick haben sollte.

Diagnose und Entwicklungsstadien

Die PK ist definiert durch die Symptome

  • Bradykinese/Akinese,
  • Rigor und
  • Tremor.

In allen Stadien kommen hinzu:

  • sensorische,
  • autonome,
  • kognitive und
  • emotionale Symptome.

Heute trennt man diese als motorische und nichtmotorische Symptome – wobei die motorischen Symptome die Diagnose bestimmen. Es handelt sich um eine Erkrankung des ganzen Nervensystems mit ständiger Progression. Dieser Beitrag befasst sich nur mit der Therapie der motorischen Symptome.

Zu Behandlungsdetails nichtmotorischer Störungen wird auf die Leitlinien verwiesen (4, 5).

Die überwiegende Mehrzahl der Patienten mit einem Parkinson-Syndrom, das heißt mit den typischen motorischen Symptomen, leidet unter der idiopathischen PK, die durch die Lewy-Körper-Pathologie beschrieben wird und langsam progredient ist.

10–25 % sind von einer nichtidiopathischen, atypischen Erkrankung betroffen. Sie weist eine unterschiedliche Pathologie, einen unterschiedlichen Verlauf und andere Symptome auf, obwohl sie sich initial ähnlich präsentieren kann und Anlass zu Fehldiagnosen gibt (6). Dies ist einer der Gründe, warum jeder Parkinson-Patient zu Beginn der Behandlung vom Neurologen gesehen werden sollte, der Art und Ausmaß der erforderlichen Zusatzdiagnostik festlegen sollte.

Die Diagnose und Differenzialdiagnose der Erkrankung wird primär klinisch gestellt. Jeder Parkinson-Patient sollte aber zumindest einmal zu Beginn der Erkrankung ein Bild des Gehirns (wenn möglich MRT) bekommen, um Ursachen für ein sekundäres Parkinson-Syndrom (z. B. bei Hydrozephalus) auszuschließen.

Ferner gibt es mit der Darstellung der Synapsendichte dopaminerger Neurone im FP-Cit-SPECT ein bildgebendes Verfahren, das ein Parkinson-Syndrom bestätigen kann, und mit dem MIBG-SPECT ein Verfahren, das eine idiopathische Erkrankung von atypischen Parkinson-Syndromen abgrenzen kann (7).

Im ersten Stadium der Erkrankung („Honeymoon-Phase“) wirken die – der Frühphase angemessenen – Therapien in der Regel sehr gut auf die motorischen Symptome, ohne dass Komplikationen auftreten (Grafik). Sie endet, wenn Fluktuationen der Behandlung oder Dyskinesien oder andere Behandlungskomplikationen auftreten. Daran schließt sich die Intermediärphase an, die durch zunehmende motorische Komplikationen und Dopa-resistente (also nur schlecht behandelbare) motorische Symptome, unter anderem Gangstörungen und Dysarthrie, aber auch durch eine Zunahme der nichtmotorischen Symptome wie Blasenstörungen, orthostatische Hypotension, kognitive Störungen und Psychosen gekennzeichnet ist. Die Dauer der Intermediärphase hängt vom Alter des Patienten und der Geschwindigkeit des Krankheitsprozesses ab. Bei älteren Menschen kann diese Phase wenige Jahre umfassen, bei jungen Menschen mehr als 25 Jahre. Die Spätphase der Erkrankung ist durch zunehmende Pflegebedürftigkeit und häufig durch Demenz sowie fortgesetzte Stürze gekennzeichnet.

Entwicklung der Parkinson-Krankheit
Entwicklung der Parkinson-Krankheit
Grafik
Entwicklung der Parkinson-Krankheit

Medikamentöse Therapie

Das medikamentöse Portfolio für die PK ist breit geworden (Tabelle 1). Sechs Medikamentengruppen stehen zur Behandlung der motorischen Parkinson-Symptome zur Verfügung. Zu den Einzelheiten der Studienlage nach EBM wird auf die Spezialliteratur (5, 8) und die S3-Leitlinie Parkinson verwiesen (4).

Medikamente für die motorischen Symptome der PK
Medikamente für die motorischen Symptome der PK
Tabelle 1
Medikamente für die motorischen Symptome der PK
Eskalierte Therapien der PK
Eskalierte Therapien der PK
Tabelle 2
Eskalierte Therapien der PK

Die Monoamino-Oxidase-B-Hemmer (MAO-B-Hemmer) erhöhen durch Abbauhemmung die Konzentration von Dopamin an der dopaminergen Synapse (Rasagilin, Selegilin und Safinamid). Sie zeigen in den Zulassungsstudien kaum Nebenwirkungen (9), dennoch muss auf die Interaktion mit serotoninergen Antidepressiva und auf die mögliche blutdrucksteigernde Wirkung bei Einnahme tyrosinhaltiger Nahrungsmittel hingewiesen werden – auch wenn beide Komplikationen extrem selten sind.

Die Dopaminagonisten ersetzen Dopamin direkt am postsynaptischen Rezeptor im Striatum. Von den zahlreichen Wirkstoffen werden in der Praxis nur noch die Non-Ergot-Präparate in der Regel in retardierter Form eingesetzt (Piribedil, Pramipexol, Ropinirol, Rotigotin-transdermal). Ergot-Präparate haben die (geringe) Gefahr von Fibrosen (u. a. Lunge).

Bei den Dopaminagonisten sind vor allem die orthostatische Hypotonie, Halluzinosen, pathologische Tagesmüdigkeit (Autofahren) und Beinödeme wichtig. Sie sind vollständig reversibel mit dem Absetzen. Gravierender sind die Impulskontrollstörungen (10), die als Spielsucht, Bulimie, Hypersexualität oder anderes Suchtverhalten auftreten können und unerkannt schwerste soziale Folgen haben können.

Die COMT-Hemmer (Entacapone, Opicapone und Tolcapone, wobei Tolcapone aufgrund von Lebertoxizität nur noch unter strenger Leberwertkontrolle verschrieben werden darf) hemmen einen Abbauweg des L-Dopa und erhöhen damit die Konzentration von L-Dopa im ZNS. Sie können alle dopaminergen Nebenwirkungen verstärken. Die häufigsten nichtdopaminergen Nebenwirkungen von Entacapon sind eine orangerote Verfärbung des Urins sowie eine – nach Absetzen reversible – Diarrhoe.

Das wirksamste und wichtigste Medikament zur Behandlung der PK ist noch immer L-Dopa – kombiniert mit einem Decarboxylase-Hemmer (Benserazid, Carbidopa). Es wird im ZNS zu Dopamin umgebaut und steht damit als Transmitter mit Exkretion und Wiederaufnahme am synaptischen Spalt zur Verfügung. L-Dopa kann besonders bei Ersteinstellung Übelkeit, Brechreiz, Blutdrucksenkung und Müdigkeit erzeugen.

Bei L-Dopa, aber auch bei Langzeitgebrauch von Dopaminagonisten, treten Wirkungsfluktuationen auf, die dosisabhängig sind. Sie äußern sich zunächst als „End-of-dose“-Verschlechterung und können bis zu unplanbaren plötzlichen „Off“-Zuständen gehen.

Meist parallel dazu kommt es auch zu Dyskinesien, pathologischen Überbewegungen, die für Patienten und Umgebung bei stärkerer Ausprägung störend sind. Bei einer Tagesdosis von 400 mg treten derartige Fluktuationen nach 3 Jahren bei 12 % der Patienten auf, unter 600 mg bei 56 % (11).

Unter L-Dopa kann es auch zu einem Dopa-Dysregulationssyndrom mit zwangsartiger Steigerung des Medikamentengebrauchs kommen, die den Impulskontrollstörungen ähnelt.

Amantadin hat oral eine Indikation für die Behandlung von Dyskinesien und als Infusionslösung für die gefürchtete akinetische Krise, eine Krankheitskomplikation. Amantadin führt bei einzelnen Patienten zu einer Livedo reticularis (netzartige, bläulich-violette Zeichnung der Haut) und zu Knöchel- und Unterschenkelödemen.

Bei Patienten mit kognitiver Dysfunktion oder zerebrovaskulärer Komorbidität kann es Verwirrtheitszustände und psychotische Symptome auslösen.

Amantadin darf nicht bei Patienten mit einer Verlängerung der QTc-Zeit gegeben werden, daher ist ein EKG vor Ansetzen erforderlich.

Anticholinergika werden praktisch nur noch zur Behandlung von anders nicht behandelbarem Tremor eingesetzt, weil sie zu peripheren (z. B. Glaukom-Verstärkung, Harnverhalt) und zentralen Nebenwirkungen (Verstärkung einer kognitiven Dysfunktion, Verwirrtheit, Halluzinose) führen können.

Nichtmedikamentöse Therapien

Der Einsatz nichtmedikamentöser Behandlungen richtet sich nach den Symptomen des Patienten. Natürlich ist Bewegung und Bewegungstherapie wichtig, Physiotherapie sollte in allen Krankheitsphasen zumindest intermittierend ermöglicht werden, damit krankhafte Bewegungsmuster überwunden und nicht falsch „gelernt“ werden. Hierzu ist in der Regel Anleitung hilfreich.

Es sei darauf hingewiesen, dass neben ungefährlichen Sportarten auch Tanzen (insbesondere Tango-Tanzen) und Tai-Chi evidenzbasiert wirksam sind.

Die Logotherapie ist bei der PK stark wirksam (5) und sollte bei Bedarf eingesetzt werden. Auch der Einsatz der Ergotherapie, besonders bei feinmotorischen Problemen, ist gut begründet (12).

Eskalierte Therapieverfahren

Wenn medikamentöse Therapieverfahren keine befriedigende Wirkung mehr zeigen, können kontinuierlich stimulierende Verfahren eingesetzt werden. Durch Studien am gründlichsten untersucht ist die tiefe Hirnstimulation, bei der Elektroden in den Nucleus subthalamicus neurochirurgisch implantiert werden, die dann über einen subkutan implantierten und extern steuerbaren Generator stimuliert werden. Sie kann einen schlechten Beweglichkeitszustand des Patienten, Fluktuationen und Dyskinesien klinisch relevant bessern. Die Lebensqualität der Patienten wird am deutlichsten von allen kontinuierlich stimulierenden Verfahren gebessert. Risiken bestehen in der Operation und den Folgeproblemen durch Tragen eines Implantates.

Bei der jejunalen L-Dopa-Pumpen-Infusion wird eine spezielle L-Dopa-Zubereitung über eine transkutan endoskopisch angelegte jejunale Sonde appliziert. Auch diese Behandlung ist gut evaluiert und kann Fluktuationen bessern. Nachteil ist die Sonde mit allen Problemen eines dauerhaften perkutanen gastralen Zugangs.

Apomorphin ist ein L-Dopa-äquivalenter Agonist, der subkutan appliziert werden kann. Mit einer Präzisionspumpe und auswechselbaren Subkutannadeln kann eine Dauereinstellung erfolgen. Die Wirksamkeit für Fluktuationen ist gezeigt. Dyskinesien werden nicht immer entscheidend gebessert. Nachteile sind unter anderem lokale Hautverdickungen durch die Infusion.

Die Indikation für all diese Verfahren kann nur in entsprechend spezialisierten Zentren gestellt werden. Sie haben aber zu einer entscheidenden Verbesserung der Behandlung schwer betroffener Patienten mit komplizierten Verläufen geführt.

Management bei Erstdiagnose

Nach Diagnosestellung ist eine detaillierte Diskussion mit dem Patienten über die Erkrankung, die damit verbundenen Konsequenzen und die therapeutischen Optionen erforderlich. Es ist wichtig, dem Patienten ein realistisches Bild von den auf ihn zukommenden Schwierigkeiten zu verschaffen. Soziale und sportliche Aktivitäten sollten beibehalten werden. Die Fortsetzung des aktiven Berufsleben ist im Rahmen der realistisch von Patient und Arzt beurteilten Möglichkeiten zu empfehlen.

Wann sollte mit der Behandlung begonnen werden? Über Jahrzehnte wurden die wirksamen Medikamente von vielen Klinikern nur sparsam eingesetzt, um das Auftreten von Nebenwirkungen zu verhindern (13). Dem steht entgegen, dass die Lebensqualität von Parkinson-Patienten mit zunehmender Krankheitsschwere abnimmt (3). Gerade zu Beginn der Erkrankung ist diese Abnahme besonders stark. Durch frühzeitige, ausreichende Behandlung kann dem wirksam begegnet werden (14), was das wichtigste Argument für einen frühen Therapiebeginn ist. Daher besteht heute Einigkeit, dass die Behandlung direkt bei Diagnosestellung begonnen werden sollte.

Die Substanzen unterscheiden sich in der Wirkungsstärke und den Nebenwirkungen.

Anticholinergika und Amantadin haben eine Spezialindikation zur Behandlung. Die Frage, welches Medikament bei der Ersteinstellung eingesetzt wird, orientiert sich an

  • der Symptomschwere,
  • den Aufgaben des Patienten,
  • dem Alter und
  • zahlreichen weiteren Gesichtspunkten.

Die geringen Nebenwirkungen sprechen natürlich für die MAO-B-Hemmer, aber bei zu geringer Wirkung kann das Ziel auch verfehlt werden.

Der Behandlungsbeginn mit Agonisten fällt bei geringem Risiko des Patienten für Impulskontrollstörungen leichter, besonders wenn ein enges Vertrauensverhältnis besteht und die in der Regel verheimlichten Impulskontrollstörungen thematisiert werden können.

Pragmatisch wird man daher bei geringerer Krankheitsschwere mit MAO-B-Hemmern beginnen. Bei nicht ausreichender Wirkung kann man rasch zu Dopaminagonisten übergehen und den Patienten engmaschig kontrollieren. Bei deutlicher Krankheitsschwere oder der Notwendigkeit rascher Besserung der Symptomatik beispielsweise wegen der Berufstätigkeit bietet sich aber die unmittelbare Gabe von L-Dopa an.

Speziell bei L-Dopa kommt die wichtige Frage hinzu, ob die Einnahme den Krankheitsverlauf ungünstig beeinflusst, also die Progression beschleunigt. Dies war über Jahrzehnte der Verdacht, der sogar viele Parkinson-Spezialisten zur relativen Unterdosierung bewogen hat. Eine neuere Studie hat mit dem sogenannten Delayed-start-Design keinen Unterschied nach 80 Wochen gefunden, sodass diese Befürchtung unberechtigt ist (15). Wirksamkeit der Behandlung ohne aktuell auftretende Nebenwirkungen sollte daher die Richtschnur der Behandlung sein.

Die Dosierungsstärke ist bedeutsam. Bei den MAO-B-Hemmern wird durch eine Standarddosis die gesamte MAO-B blockiert. Dosiserhöhung macht hier keinen Sinn. Bei den Dopaminagonisten und L-Dopa gibt es aber eine klare Dosis-Wirkungs-Beziehung. Der häufigste Fehler ist die Unterdosierung der Patienten; natürlich begrenzen die Nebenwirkungen die Höhe der Dosis.

Ein weiteres Problem ist, dass häufig standardmäßig vorgegangen wird und Körpergröße/Gewicht sowie Geschlecht nicht berücksichtig werden. Daher leiden Frauen häufig früher unter Wirkfluktuationen, weil sie in Relation zu Männern höhere L-Dopa-Dosen bekommen.

In der Regel sollte in der Anfangsphase der Erkrankung eine Besserung auf der Parkinson-Schweregrad-Skala (UPDRS) von deutlich über 50 % erreicht werden. Sonst sind Zweifel an der Richtigkeit der Diagnose oder Therapie angebracht.

Probleme in der Intermediärphase

Bei den Fluktuationen werden unterschiedliche Formen nach Zeitpunkt und Dynamik des Auftretens unterschieden (z. B. frühmorgendliche Hypokinese, End-of-dose-Akinese, paroxysmale Akinese). Sie werden im Grundsatz durch Dosisanpassung oder veränderte Verteilung der Medikamente und Hinzunahme von Wirkungsverstärkern wie COMT-Hemmern behandelt.

Dyskinesien können durch Reduktion der Einzeldosen (Spitzenspiegel) der dopaminergen Medikamente behandelt werden, was aber zur Verstärkung der Akinese führen kann.

Amantadin kann diese Dyskinesien verbessern. Bei medikamentöser Unbehandelbarkeit müssen Eskalationstherapien (siehe oben) erwogen werden.

Auch therapieschwierige Tremores können spezifisch behandelt werden. Hier werden manchmal noch Anticholinergika eingesetzt, was auch der Facharzt nur unter strengen Kontrollen tut.

Besonders wichtig ist es, eine sich entwickelnde krisenhafte Verschlechterung der Akinese zu erkennen. Neben Reduktion des Allgemeinzustandes und Fieber ist diese mit zunehmendem Rigor verbunden. Solche Patienten benötigen in der Regel „intermediate care“ oder sogar Intensivbehandlung.

Interdisziplinäre Therapie

Die Behandlung von Parkinson-Patienten entwickelt sich zu einer interdisziplinären Therapie, wie sie im holländischen „Parkinson-Net“ erfolgreich durchgeführt wird (16, 17). Spezialisierte Fachärzte, Allgemeinärzte, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logotherapeuten arbeiten nach vereinbarten Qualitätskriterien zusammen und nehmen gemeinsam an Fortbildungen teil.

In Deutschland sind solche Strukturen vielerorts im Aufbau. Aufgrund der positiven Erfahrungen des holländischen „Parkinson-Net“ ist eine Mitarbeit empfehlenswert.

Wo dies noch nicht der Fall ist, geht es um eine konstruktive und strukturierte Kooperation zwischen Haus- und Facharzt. Nach unserer Sicht ist es im Rahmen dieser Interaktion sinnvoll, an prognoseentscheidenden Stellen den Facharzt einzuschalten. Solche Schnittstellen sind:

  • die Erstdiagnose,
  • die Ersteinstellung der Patienten,
  • jede Komplikation im Laufe der Erkrankung.

Forschung

Wie bei der Alzheimer-Krankheit wird auch bei der PK daran gearbeitet, neue, möglichst kausale Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Im Zentrum steht dabei das molekulare Substrat der Erkrankung: das fehlgefaltete Alpha-Aynuclein, das sich in den krankheitstypischen, vom Pathologen beobachteten Lewy-Körpern nachweisen lässt.

Da die Pathomechanismen lange vor den ersten motorischen Symptomen wirksam sind, ist naturgemäß jede kausale Therapie darauf ausgerichtet, möglichst frühzeitig am Krankheitsverlauf einzugreifen. Das bedeutet, dass prämotorische Stadien der Erkrankung erfasst werden müssen. Diese kann man – mit der damit verbundenen Unsicherheit – mit einem Risikoscore erfassen (18). Dieser addiert oder subtrahiert die bekannten Risikofaktoren und Frühsymptome zu dem altersentsprechenden Risiko und berechnet daraus die individuelle Wahrscheinlichkeit, dass eine Person sich in der Früh- oder sogenannten Prodromalphase der PK befindet.

Zukünftig sind Studien zu erwarten, die solche möglichen kausalen Therapien bei Gruppen von „Gesunden“ mit hohem oder höchstem Risiko für die Entwicklung einer PK untersuchen werden.

Medikamentöse Ansätze wie etwa die „Impfung“ gegen pathologisches Alpha-Synuclein oder Medikamente, die pathologisches Alpha-Synuclein spalten, befinden sich in der Entwicklung.

Weitere bedeutsame ursächliche Therapieansätze sind für einige der genetisch bedingten Parkinson-Varianten in der Entwicklung (19).

DOI: 10.3238/PersNeuro.2019.09.13.01

Prof. Dr. med. Günter Deuschl

Prof. Dr. med. Daniela Berg

Neurologische Klinik, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein,

Campus Kiel, Christian-Albrechts-Universität, Kiel

Interessenkonflikt: Prof. Deuschl erhielt Beraterhonorare von den Firmen Functional Neuromodulation Inc. und Boston Scientific, Buchhonorare von Thieme, Vortragshonorare von den Beelitz Kliniken sowie auf ein Drittmittelkonto Gelder für klinische Studien von Medtronic Earlystim. Prof. Berg erhielt Beraterhonorare von BIAL und UCB, Vortragshonorare von BIAL, Lundbeck, Abbvie, Zambon, Desitin und Biogen, Forschungsgelder von UCB, Lundbeck, Abbvie sowie Gelder für klinische Studien von UCB, Lundbeck, Abbvie,
Novartis und Biogen.

Literatur im Internet:
www.aerzteblatt.de/lit3719

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Entwicklung der Parkinson-Krankheit
Entwicklung der Parkinson-Krankheit
Grafik
Entwicklung der Parkinson-Krankheit
Medikamente für die motorischen Symptome der PK
Medikamente für die motorischen Symptome der PK
Tabelle 1
Medikamente für die motorischen Symptome der PK
Eskalierte Therapien der PK
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