ArchivDÄ-TitelSupplement: PerspektivenSUPPLEMENT: Neurologie 1/2019Multiple Sklerose: Randsaum zeigt aggressive Läsionen an

SUPPLEMENT: Perspektiven der Neurologie

Multiple Sklerose: Randsaum zeigt aggressive Läsionen an

Dtsch Arztebl 2019; 116(37): [39]

Meyer, Rüdiger

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Hirnläsionen mit einem Randsaum, die zuerst im 7-Tesla-Magnetresonanztomografen (MRT) entdeckt wurden, inzwischen aber auch mit 3-Tesla-MRT darstellbar sind, zeigen einen besonders aggressiven Verlauf der multiplen Sklerose (MS) an, wie eine aktuelle Kohortenstudie in JAMA Neurology (2019; doi: 10.1001/jamaneurol.2019.2399) zeigt.

Als vor Jahren die ersten 7-Tesla-MRTs eingeführt wurden, entdeckten Forscher auf den Aufnahmen von MS-Patienten eine neue Art von Hirnläsionen, die durch einen feinen Randsaum („rim“) auffielen. Es bestand sogleich der Verdacht, dass es sich um chronisch aktive Läsionen mit einer „schwelenden“ Entzündung handelt, die einen ungünstigen Verlauf der Erkrankung anzeigen.

Ein Team um Daniel Reich vom National Insti-tute for Neurological Disorders and Stroke in Bethesda kann den Verdacht jetzt durch 3 Studien stützen. In der ersten Studie wurden die MRT-Bilder von 192 Patienten mit den klinischen Befunden verglichen. Es zeigte sich ein klarer Zusammenhang: Patienten, die 4 oder mehr Läsionen mit einem „rim“ aufwiesen, litten 1,6-mal häufiger unter einer progressiven MS als Patienten ohne umrandete Läsionen. Bei den jüngeren Patienten (unter 50 Jahre) war das Risiko sogar 3,2-mal höher.

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Die Patienten mit mehreren umrandeten Läsionen entwickelten in einem früheren Alter motorische und kognitive Behinderungen als die Patienten, die keine umrandeten Läsionen aufwiesen. Bei den Patienten war außerdem der Anteil der weißen Hirnsubstanz vermindert und die Basalganglien waren kleiner als bei Patienten ohne Randläsionen.

In einer zweiten Studie konnten die Forscher die zeitliche Entwicklung der Erkrankung auf älteren MRT-Bildern nachzeichnen, die bei den Patienten über 10 Jahre oder länger jährlich durchgeführt worden waren: Während die Läsionen, bei denen mit den neuen Scannern keine Randsäume nachweisbar waren, im Verlauf der Erkrankung kleiner geworden waren, hatten sich die meisten umrandeten Läsionen vergrößert.

Den dritten Beleg für die Hypothese, dass die „rims“ eine chronisch „schwelende“ Entzündung anzeigen, fanden die Forscher bei der Autopsie eines Patienten, der inzwischen an der MS gestorben war. Die Pathologen untersuchten 10 umrandete Läsionen, die sich in den letzten Jahren vergrößert hatten. Alle wiesen einen Kern auf, in dem die Neurone die Myelinscheiden verloren hatten und die Axone abgestorben waren. Histologisch waren mit Eisen beladene Phagozyten und eine subtile Öffnung der Blut-Hirn-Schranke erkennbar. Dies zeigt eine schwere Schädigung der betroffenen Hirnregion an mit fehlender Aussicht auf eine Reparatur der Myelinscheiden, die in anderen Läsionen gelingen kann.

Ein Kennzeichen der umrandeten Läsionen ist, dass sie offenbar nicht auf die derzeit verfügbaren Medikamente ansprechen. Dass sie jetzt im MRT nachweisbar sind, könnte eine wichtige Hilfe auf der Suche nach neuen und besseren Medikamenten sein, hoffen die Forscher.

Rüdiger Meyer

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