ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2000Einkommenssituation/Kostenstruktur: Praxisüberschüsse gesunken

VARIA: Wirtschaft - Berichte

Einkommenssituation/Kostenstruktur: Praxisüberschüsse gesunken

Dtsch Arztebl 2000; 97(4): A-182 / B-150 / C-146

Clade, Harald

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LNSLNS Zwischen 1995 und 1997 hat sich die Einkommenssituation der niedergelassenen Ärzte in West- und Ostdeutschland gegenüber dem Zeitraum 1992 bis 1994 erneut verschlechtert. Dies geht aus der jüngsten Kostenstrukturanalyse in der Arztpraxis 1997 hervor, die das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland (ZI), Köln, Ende 1999 vorgelegt hat.


Die jüngste Kostenstrukturanalyse des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI) für das Jahr 1997, die im Oktober 1999 fertiggestellt wurde, bestätigt den seit Jahren sich abzeichnenden Abwärtstrend bei der Umsatz- und Einkommensentwicklung der niedergelassenen Ärzte: In den alten Bundesländern gingen die Einnahmen aus vertragsärztlicher Tätigkeit (KV-Umsätze) je Arzt im Vergleich zum Zeitraum 1992/94 im Jahresdurchschnitt um 0,5 Prozent auf durchschnittlich 375 274 DM (brutto) pro Jahr zurück. Das Einkommensniveau aller niedergelassenen Ärzte ist auch real gesunken. Zum Vergleich: Die Bruttolöhne und gehälter je Beschäftigten in der übrigen Wirtschaft stiegen in der Periode 1997/95 um 2,4 Prozent.
Festgestellt wurde, dass zusammen mit den nur geringfügig gestiegenen Fallzahlen insgesamt eine nur unterdurchschnittlich steigende oder bereits abnehmende Zahl der jährlichen Behandlungsfälle je Arzt im Zeitraum 1995 bis 1997 resultierte. Aus der Fallzahlentwicklung lässt sich ableiten, dass die Nachfrage der Versicherten nur leicht gestiegen ist und sich dabei auf eine immer noch zunehmende Zahl von Vertragsärzten verteilt.
Die Gesamteinnahmen (Bruttoeinnahmen) aus vertragsärztlicher und "sonstiger Tätigkeit" (aus privatärztlicher, beratender und gutachterlicher Tätigkeit) je niedergelassenen Arzt blieben nahezu konstant; sie sind im Durchschnitt von 472 811 DM auf 472 377 DM gesunken.
Die Betriebsausgaben sind 1995 bis 1997 jährlich um 0,6 Prozent (insgesamt: +1,7 Prozent) auf durchschnittlich 284 770 DM gestiegen. Dies ergibt sich aus der Steigerung der Personalausgaben um jährlich 1,4 Prozent (insgesamt: +4,3 Prozent) auf 128 906 DM und einer Abnahme der "sonstigen Ausgaben" um jährlich 0,1 Prozent (insgesamt: 0,3 Prozent) auf 155 864 DM.
Minus bei den Fachärzten
Unterschiedlich verlief die Einkommensentwicklung zwischen Allgemein- und Spezialärzten. Die Allgemeinmediziner legten bei der Überschussentwicklung jährlich um 1,1 Prozent zu. Der Mittelwert des zu versteuernden Überschusses stieg von durchschnittlich 156 024 DM in den Jahren 1992 bis 1994 auf 161 128 DM in den Jahren 1995 bis 1997, insgesamt um 3,3 Prozent. Die jährliche Zunahme der Gesamteinnahmen bei den Allgemeinärzten von 363 355 DM auf 377 322 DM (+1,3 Prozent je Jahr) unterscheidet sich in der Berichtsperiode tendenziell von der konstanten Einnahmenentwicklung aller Ärzte. Diese Steigerung beruht einerseits auf einer leichten Erhöhung der Einnahmen aus kassenärztlicher Tätigkeit (+0,9 Prozent), andererseits auf einer leichten Zunahme der "sonstigen Einnahmen" (+3,1 Prozent je Jahr).
Die Steigerung der Betriebskosten der Arztpraxen um 1,4 Prozent je Jahr wird vor allem auf die Zunahme der Personalausgaben (um 2,5 Prozent) zurückgeführt.
Der Anteil der Betriebsausgaben an den Gesamteinnahmen ist um 0,2 Prozentpunkte von 57,1 auf 57,3 Prozent gestiegen. Die Quote der Betriebsausgaben liegt bei den Allgemeinärzten traditionell niedriger als bei den Fachärzten und bei den Ärzten insgesamt.
Die Fachärzte erzielten von 1995 bis 1997 deutlich rückläufige Betriebsüberschüsse (-2,5 Prozent je Jahr). Der Überschuß-Mittelwert je Praxis sank von 217 027 DM auf 201 447 DM. Die Gesamteinnahmen sanken bei den Fachärzten im Zeitraum 1997/95 je Jahr um 1,1 Prozent auf 525 867 DM. Der Rückgang des Gesamtumsatzes resultiert einerseits aus einem jährlichen Rückgang der KV-Honorare um 1,3 Prozent, andererseits aus einem Rückgang der "sonstigen Einnahmen" um 0,6 Prozent. Der Anteil der "sonstigen Einnahmen" erreicht im Zeitraum 1995 bis 1997 einen Wert von 21,4 Prozent.
Die rückläufige Einnahmenentwicklung war verbunden mit einem Rückgang der Betriebsausgaben um jährlich 0,3 Prozent. Die Betriebsausgaben bei den Fachärzten lagen vor zwei Jahren durchschnittlich bei 324 420 DM. Die Verringerung der Betriebsausgaben resultiert aus einer Zunahme der Personalausgaben um 0,4 Prozent und einem Rückgang bei den "sonstigen Ausgaben" um 0,9 Prozent.
Die durchschnittlichen Überschusswerte je Arzt zeigen - je nach Fachgruppe - ein unterschiedliches Bild: HNOÄrzte: 236 004 DM; Radiologen/Nuklearmediziner: 224 008 DM und Orthopäden: 222 189 DM. Vergleichsweise geringe Überschüsse sind bei Allgemeinärzten (161 128 DM), bei Chirurgen (170 887 DM) festgestellt worden.
Eine günstigere Überschussentwicklung unter den Fachärzten erzielten die Kinderärzte mit einem Plus von 3,1 Prozent, gefolgt von den Internisten (+1,7 Prozent) und den Allgemeinärzten (+1,1 Prozent). Relativ stark sank der Überschuss dagegen bei den Urologen um 7,8 Prozent, bei den Orthopäden -7,1 Prozent und den Hautärzten -6 Prozent. Überdurchschnittlich hoch liegt der Anteil der Betriebsausgaben an den Gesamteinnahmen bei den Radiologen/Nuklearmedizinern (79,5 Prozent), den Chirurgen (69,3 Prozent) und den Orthopäden (66,3 Prozent). Relativ niedrige Betriebsausgaben wurden bei Nervenärzten (54,2 Prozent) und bei den Kinderärzten (55,5 Prozent) registriert. Einen relativ hohen Personalkostenanteil haben die Kinderärzte mit 50,2 Prozent, die Hautärzte mit 48,2 Prozent, die HNO-Ärzte mit 47 Prozent und die Orthopäden mit 46,7 Prozent. Relativ geringe Personalkostenanteile haben die Radiologen und Nuklearmediziner mit 34,5 Prozent und die Urologen mit 39,2 Prozent, gemessen an den Gesamtausgaben.
Der Durchschnittsumsatz (einschließlich Privatumsatz) in den Praxen in den neuen Bundesländern betrug vor zwei Jahren im Durchschnitt 370 057 DM. Diesem Betrag stehen durchschnittliche Betriebsausgaben in Höhe von 221 163 DM gegenüber. Dies führt zu einem durchschnittlichen Überschuss vor Steuern in Höhe von 148 894 DM. Bei den Allgemeinärzten stehen einem Gesamtumsatz in Höhe von 301 943 DM Betriebsausgaben in Höhe von 174 094 DM gegenüber.
Die Allgemeinärzte erzielten einen durchschnittlichen Überschuss vor Steuern in Höhe von 127 894 DM. Der durchschnittliche Anteil der Betriebsausgaben am Gesamt-Praxisumsatz in den neuen Ländern betrug 59,8 Prozent. Er liegt damit fast gleichauf wie in den Arztpraxen der alten Bundesländer (60,3 Prozent).
Das durchschnittliche Niveau der Betriebsausgaben in den neuen Bundesländern beträgt 77,7 Prozent der Betriebsausgaben in Westdeutschland. Das durchschnittliche Niveau der Umsätze in Ostdeutschland lag vor zwei Jahren bei 78,3 Prozent der westdeutschen Praxisumsätze; der durchschnittliche Überschuss vor Steuern betrug in Ostdeutschland 79,4 Prozent der westdeutschen Praxisüberschüsse. Dr. Harald Clade

Quelle: Kostenstrukturanalyse in der Arztpraxis 1997. Hrsg.: Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI); Köln, 1999


Tabelle
Anteil der Betriebsausgaben in Prozent des Gesamtumsatzes 1997/95
Fachgruppe Westdeutschland Ostdeutschland
Alle Ärzte insgesamt 60,3 59,8
Allgemeinärzte 57,3 57,7
Alle Fachärzte
insgesamt 61,7 61,1
Radiologe/
Nuklearmediziner 79,5 82,8
Quelle: Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung, Köln, 1999

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