ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2000Vasopeptidase-Inhibitoren: Antihypertensiva mit zwei Angriffspunkten

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Vasopeptidase-Inhibitoren: Antihypertensiva mit zwei Angriffspunkten

Dtsch Arztebl 2000; 97(4): A-184 / B-151 / C-147

Volkert, Ramona

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LNSLNS Bei den Antihypertensiva kommt in absehbarer Zeit eine neue Arzneimittelklasse auf den Markt: die Vasopeptidase-Inhibitoren. Sie hemmen das Angiotensin-Konversionsenzym ähnlich wie die ACE-Hemmer - gleichzeitig jedoch noch ein weiteres Schlüsselenzym der Blutdruckregulation, die neutrale Endopeptidase. Klinisch relevant dürfte die bessere Wirksamkeit sowohl auf den systolischen als auch auf den diastolischen Blutdruck sein. Der voraussichtlich erste Vertreter der neuen Substanzklasse wird Omapatrilat sein, das als Vanlev® auf den Markt kommt. Anders als die bisherigen Antihypertensiva beeinflussen Vasopeptidase-Inhibitoren gleich zwei Systeme der Blutdruckregulation: das Renin-Angiotensin-System und das System der natriuretischen Peptide. Die beiden Systeme sind Gegenspieler und dienen, wie Prof. John C. Burnett (Mayo Klinik, Rochester) bei einem Symposium von Bristol-Myers Squibb darlegte, der "Kommunikation zwischen Herz und Niere". Die Peptide ANP (atrial natriuretic peptide) und BNP (brain-derived natriuretic peptide) aus dem Herzen sowie CNP (C-type natriuretic peptide) aus den Gefäßendothelzellen senken den Blutdruck, indem sie die Natriurese fördern, Renin und Endothelin inhibieren und die Gefäße relaxieren. Der verminderte Abbau der Peptide durch Vasopeptidase-Inhibitoren verstärkt ihre biologische Wirkung. Es kommt zur Blutdrucksenkung. Der duale Wirkmechanismus der Vasopeptidase-Inhibitoren ist nach Angaben von Prof. Guiseppe Mancia (Mailand) ein wichtiger klinischer Vorteil, "da sich der Blutdruck mit einem Angriffspunkt allein häufig nicht in den gewünschten Bereich senken lässt". Das zeige unter anderem die HOT-Studie, in der bei der großen Mehrzahl der Patienten eine Zweierkombination eingesetzt werden musste, um den Zielblutdruck zu erreichen. Omapatrilat könne, sagte Mancia, möglicherweise höhere Normalisierungsraten erreichen. Darauf deuten Tierversuche hin. Auch in Phase-II-Studien am Menschen fand sich eine dosisabhängige starke Wirkung auf den systolischen wie diastolischen Druck. "Die Senkung des systolischen Blutdrucks ist besonders wichtig, denn der systolische Druck ist ein wichtiger Risikofaktor", betonte der Hypertensiologe. Bislang wird der Stellenwert des systolischen Drucks als Prädiktor für Hypertonie-bedingte Organschäden und Komplikationen immer noch unterschätzt. Neuere Untersuchungen von Prof. Jan A. Staessen (Leuven/Belgien) belegen jedoch seine prognostische Bedeutung. Staessen fand bei seiner Analyse der HOT-Daten in der Kontrollgruppe eine signifikante Korrelation von systolischem Blutdruck und Gesamtmortalität. Die Bedeutung der Blutdruckamplitude, bei der die Höhe des systolischen Drucks eine wichtige Rolle spielt, zeigte sich bei der Analyse dreier großer klinischer Therapiestudien (EWPHE, Syst-Eur, Syst-China). Eine um 10 mm Hg erhöhte Blutdruckamplitude führte zu einem deutlichen Anstieg der Morbidität und Mortalität: Gesamtmortalität plus 15 Prozent, kardiovaskuläre Mortalität plus 22 Prozent, kardiovaskuläre Komplikationen plus 17 Prozent sowie Schlaganfall plus 17 Prozent.
Der mittlere Blutdruck sei dagegen ein vergleichsweise schlechter Prädiktor. "Auch in anderen Analysen korreliert der mittlere Blutdruck nur dann mit der kardiovaskulären Komplikationsrate, wenn der Pulsdruck als Variable aus dem Rechenmodell entfernt wird", erklärte Staessen.
Dr. med. Ramona Volkert
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