ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2019Gesundheitswesen: Ärztlicher Appell für weniger Ökonomie

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Gesundheitswesen: Ärztlicher Appell für weniger Ökonomie

Dtsch Arztebl 2019; 116(37): A-1574 / B-1298 / C-1278

Hillienhof, Arne; KNA

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Kritik an zu viel Ökonomisierung übten unter anderem mehrere Landesärztekammern und medizinische Fachgesellschaften sowie Einzelpersönlichkeiten. Foto: v.poth/stock.adobe.com
Kritik an zu viel Öko­nomi­sierung übten unter anderem mehrere Lan­des­ärz­te­kam­mern und medizinische Fachgesellschaften sowie Einzelpersönlichkeiten. Foto: v.poth/stock.adobe.com

Ärzte und medizinische Gesellschaften machen sich für eine Reform der Krankenhäuser stark. In einem im Stern veröffentlichten Appell kritisierten mehr als 215 Mediziner und 19 medizinische Fachorganisationen einen hohen wirtschaftlichen Druck in den Kliniken und Fehlsteuerungen im Krankenhaussystem. Es sei fahrlässig, die Kliniken und damit auch die Patienten den Gesetzes des freien Marktes zu überlassen. In dem Appell „Rettet die Medizin“ fordern die Unterzeichner insbesondere eine Abschaffung oder komplette Reform des vor 16 Jahren eingeführten Systems der diagnosebezogenen Fallpauschalen. Nach Auffassung der Kritiker bietet das System viele Anreize, um mit überflüssigem Aktionismus Rendite zum Schaden von Patienten zu erwirtschaften. Es belohne etwa Herzkatheteruntersuchungen, Rückenoperationen oder invasive Beatmungen auf Intensivstationen, bestrafe aber zugleich den sparsamen Einsatz von invasiven Maßnahmen und die sprechende Medizin. Die Unterzeichner fordern darüber hinaus vom Staat, Krankenhäuser dort zu planen und gut auszustatten, wo sie wirklich notwendig seien. „Das erfordert einen Masterplan und den Mut, mancherorts zwei oder drei Kliniken zu größeren, leistungsfähigeren und personell besser ausgestatteten Zentren zusammenzuführen“, hieß es.

Kritik an dem Aufruf übte die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG). „Der Wunsch, die Krankenbehandlung von der Finanzierung des Krankenbehandlungssystems zu entkoppeln, mag sozial ethisch ehrenwert sein, er führt in der Realität, wie viele staatsfinanzierten Gesundheitssysteme zeigen, aber zu keiner besseren Versorgung“, sagte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum. hil/kna

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