ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2019Varizella-zoster-Prophylaxe bei Krebspatienten: Rekombinanter Impfstoff schützt nach Stammzelltransplantation hoch effektiv

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Varizella-zoster-Prophylaxe bei Krebspatienten: Rekombinanter Impfstoff schützt nach Stammzelltransplantation hoch effektiv

Dtsch Arztebl 2019; 116(37): A-1604 / B-1325 / C-1303

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: picture alliance
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In den ersten Jahren nach Stammzelltransplantation ist das Risiko für Erkrankungen durch Zoster-Viren erhöht. Reaktivierungen können bei Immunsupprimierten schwerwiegend verlaufen. Mögliche Manifestationen sind Varizellenpneumonie, postzosterische Neuralgie als Folge von Gürtelrose, Zoster ophthalmicus oder oticus, Meningoenzephalitis und ein disseminierter Zoster, der nicht mehr segmental begrenzt ist und sekundär hämatogen generalisieren kann. Solche Verläufe können lebensbedrohlich sein. In einer Phase-3-Studie sind Effizienz und Sicherheit eines in Europa zugelassenen, rekombinanten Totimpfstoffs untersucht worden.

Es ist eine internationale, prospektiv randomisierte, placebokontrollierte Studie mit 1 865 Patienten, die wegen eines Malignoms eine autologe Stammzelltransplantation (ASCT) erhalten hatten. Das Durchschnittsalter lag bei 55 Jahren. Häufigste Grunderkrankungen waren multiples Myelom (53,1 %) und Non-Hodgkin-Lymphome (27,9 %). Es wurde randomisiert in eine Gruppe, die einen rekombinanten Impfstoff (VZV-Glykoprotein E plus Adjuvanssystem) 50–70 Tage nach ASCT erhielt (n = 932). 873 Patienten bekamen eine 2. Dosis innerhalb der darauf folgenden 1–2 Monate. Die Kontrollgruppe erhielt Placebo (n = 923), davon 862 Patienten auch die 2. Dosis. Primärer Endpunkt war die gesicherte Zoster-Erkrankung (klinisch und PCR).

74 % der Gesamtgruppe (n = 1 366) schlossen die Studie ab. Während der median 21-monatigen Beobachtungsphase traten 49 gesicherte Zoster-Fälle in der Vakzinegruppe auf und 135 Fälle im Placeboarm. Das Risikoverhältnis betrug 0,32; p < 0,001). Das Risiko für eine Zoster-Manifestation wurde durch die Impfung um 68 % reduziert. Postzosterische Neuralgien traten bei einem Patienten im Verumarm auf und bei 9 Placebopatienten. Lokale Reaktionen waren mit 86 % im Verumarm deutlich häufiger als bei Placebo (10 %), aber Grad-3-Reaktionen betrafen nur 11 % der Impflinge. Auch Fatigue und Myalgien wurden beobachtet, insgesamt aber war die Impfung gut verträglich.

Fazit: 2 Impfungen mit einer rekombinanten, bereits zugelassenen Untereinheiten-Vakzine reduzieren das Zoster-Risiko nach autologer Stammzelltransplantation signifikant.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Bastidas A, de la Serna J, Idrissi M, et al.: Effect of recombinant Zoster vaccine on incidence of Herpes Zoster after autologous stem cell transplantation. JAMA 2019; 322: 123–33.

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