ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2000Epilepsie und Migräne: Zusammenhang wird häufig unterschätzt

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Epilepsie und Migräne: Zusammenhang wird häufig unterschätzt

Dtsch Arztebl 2000; 97(4): A-185 / B-159 / C-154

Moosmann, Elisabeth B.

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LNSLNS Zusammenhänge zwischen Epilepsie und Migräne wurden lange Zeit eher als zufällig angesehen. Forschungsergebnisse, die Prof. Frederick Andermann (Montreal) anlässlich eines von Parke-Davis veranstalteten Symposiums beim 23. Internationalen Epilepsiekongreß in Prag vorstellte, lassen jedoch erkennen, dass Migräne- und Epilepsiesyndrome in vielen Fällen interagieren. Migräneattacken können epileptische Anfälle auslösen und umgekehrt - dies vor allem bei Basilarismigräne.
Epilepsien finden sich bei Migränepatienten häufiger als in der übrigen Bevölkerung. Bei Betroffenen mit Temporallappen-Epilepsien tritt Migräne familiär gehäuft auf. Andermann verwies auf epileptische Anfälle, die auf eine als migränetypisch diagnostizierte verlängerte Aura folgen können. Der Anfall ist gefolgt von heftigem klopfendem Kopfschmerz.
Nach Angaben von Andermann ist dies bei rund drei Prozent der Patienten der Fall, die eine Epilepsieambulanz aufsuchen. Bei Kindern und Jugendlichen sind die Kopfschmerzen auch von epilepsietypischen EEGVeränderungen begleitet, wohingegen Erwachsene ein weitgehend unauffälliges EEG aufweisen. "Medikamente zur Behandlung der Migräneattacken sind nicht in allen Fällen ausreichend, um die Symptome zu unterbinden", so Andermann. Bei einzelnen Patienten sei zusätzlich die Gabe von Antiepileptika erforderlich. Identischer Focus
Dadurch verliert sich insbesondere bei Kindern eine Induktion von epileptischen Anfällen durch die MigräneAuren; es kommt zu einer scheinbar unabhängig auftretenden Temporallappen-Epilepsie. Andermann hält es deshalb für wichtig, bei der Anamnese auch nach Migräneattacken, Kopfschmerzen und verlängerten migränetypischen Auren zu fragen. Die Verbindung mit der Migräne deute auf einen okzipitotemporal gelegenen Fokus hin, von dem Migräne und epileptische Anfälle gleichermaßen ausgehen. Unter gleichzeitigen Migräne-Kopfschmerzen leidet nach Andermanns Angaben rund die Hälfte der Patienten mit therapieresistenten komplex-partiellen Anfällen. In 94 Prozent der Fälle folgt Migränekopfschmerz auf die Anfälle, in 15 Prozent geht Kopfschmerz den epileptischen Anfällen (auch) voraus. Rolando-Epilepsien können ebenfalls mit Migräne verbunden sein, wobei die Migräne die Epilepsieerkrankung nicht selten überdauert.
Elisabeth B. Moosmann
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