ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2019Systemische Sklerodermie: Starke antifibrotische Aktivität

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Systemische Sklerodermie: Starke antifibrotische Aktivität

Dtsch Arztebl 2019; 116(37): A-1605

Fath, Roland

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Die systemische Sklerose mit interstitieller Lungenerkrankung (SSc-ILD) ist mit einem hohen Mortalitätsrisiko assoziiert und es besteht ein hoher medizinischer Behandlungsbedarf. Der Tyrosinkinase-Inhibitor Nintedanib kann dem Verlust der Lungenfunktion gezielt entgegenwirken.

Für Patienten mit SSc assoziierter interstitieller Lungenerkrankung (ILD) gibt es Grund zur Hoffnung: Mit dem Tyrosinkinasehemmer Nintedanib (Ofev®) konnte in einer Phase-3-Studie der Abfall der forcierten Vitalkapazität (FVC) im Verlauf eines Jahres um 44 % verringert werden.

Rund die Hälfte aller Patienten mit der seltenen Autoimmunerkrankung Sklerodermie entwickelt eine ILD, berichtete Prof. Oliver Distler vom Universitätsklinikum Zürich. Ein SSc-ILD sei die häufigste Todesursache bei Sklerodermie, eine zugelassene Therapie gibt es bisher nicht. Üblicherweise werden die Patienten mit Immunsuppressiva wie Mycophenolat oder Cyclophosphamid behandelt, Daten aus randomisierten kontrollierten Studien gibt es dazu bisher nicht.

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Bei ausgewählten Patienten ist eine Stammzelltransplantation eine Alternative. Der Abfall der forcierten Vitalkapazität (FVC) sei bei SSc-ILD-Patienten ein Marker der Prognose und korreliere mit der Mortalität, berichtete der Rheumatologe. „Es besteht ein hoher therapeutischer Bedarf“, betonte er.

Abfall der FVC verringert

Distler, einer der Studienleiter, stellte beim EULAR 2019 in Madrid die Ergebnisse der Phase-III-Studie SENSCIS vor, die kürzlich im New England Journal of Medicine publiziert worden sind (1). An der Studie nahmen 576 SSc-ILD-Patienten aus 32 Ländern weltweit teil, im Mittel 54 Jahre alt, drei Viertel Frauen. Mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer hatten ein diffuses kutanes SSc, rund 60 % waren Anti-Topoisomerase I (ATA)-positiv. Die Patienten erhielten zusätzlich zu ihrer bisherigen Therapie – knapp die Hälfte wurden mit Myophenolat behandelt – Nintedanib (150 mg zweimal täglich) oder Placebo.

Durch die Behandlung mit dem Tyrosinkinase-Hemmer konnte der Abfall der FVC im Verlauf eines Jahres relativ um 44 % und absolut um 41 ml (–52,4 ml/Jahr vs. –93,3 ml/Jahr) verringert werden. Nach etwa 12-wöchiger Therapie gingen die Kurven der Verum- und Placebo-Gruppe deutlich auseinander. Der Abfall der Lungenfunktion wurde bei allen Patientengruppen verlangsamt, betonte Distler, sowohl bei Patienten mit diffusem kutanen als auch begrenzt kutanem SSc, bei Patienten mit und ohne Mycophenolat-Therapie sowie mit und ohne ATA-Antikörper. Keinen Einfluss hatte Nintedanib auf die Fibrosierung der Haut und die Lebensqualität der Patienten.

Die Therapie wurde gut vertragen. Die häufigsten Nebenwirkungen waren wie in den Studien bei Patienten mit idiopathischer Lungenfibrose, für die Nintedanib bereits zugelassen ist, milde bis moderate gastrointestinale Nebenwirkungen wie Diarrhoe, Übelkeit und Erbrechen. Die Daten geben Sicherheit und machen Mut, resümierte Distler, die Studie wird offen fortgesetzt. Zur Verbesserung der Prognose sei eine Verbesserung der Diagnose einer SSc und die Früherkennung von Hochrisikopatienten wünschenswert.

Eine SSc, die zu den orphan diseases zählt, wird aufgrund ihrer unspezifischen Symptome häufig erst mit Verzögerung identifiziert. Zudem können die klinischen Phänotypen sehr unterschiedlich sein. Als erste Symptome schilderten Betroffene bei einer Pressekonferenz des Unternehmens Boehringer Ingelheim in Madrid Dyspnoe und Müdigkeit (Fatigue) sowie geschwollene Finger und Hände (Raynaud-Phänomen). Eine SSc kann in jedem Alter auftreten, betonte Distler, Frauen sind 4-mal häufiger als Männer betroffen. Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr.

Hochauflösendes Lungen-CT

Die Symptome werden durch eine Fibrosierung des Bindegewebes ausgelöst, die zunächst die Haut betrifft und sich im weiteren Verlauf auch auf andere Organe wie Lunge ausweitet. Risikofaktoren für eine SSc-ILD sind laut einem beim EULAR vorgestellten Konsensuspapier ATA-Antikörper, männliches Geschlecht sowie ein diffuses kutanes SSc (2).

Zur Früherkennung einer ILD werden bei allen SSc-Patienten regelmäßig ein hochauflösendes Lungen-CT und Lungenfunktionstests empfohlen. Alle Patienten mit schwerer oder progressiver SSc-ILD sind Kandidaten für eine Pharmakotherapie. Empfohlen werden derzeit Mycophenolat und Cyclophosphamid. Roland Fath

Quelle: Pressekonferenz „Leading the way:
Better care in scleroderma” von Boehringer Ingelheim, 12. Juni 2019 im Rahmen des EULAR 2019
in Madrid.

1.
Distler O, NEJM 2019, doi: 10.1056/NEJMoa190307 CrossRef MEDLINE
2.
Hoffmann-Vold AM et al.: Evidence-based consensus recommendations for the identification and Management of interstitional lung disease in systemic sclerosis. EULAR 2019, Madrid, Abstract OP006 CrossRef
1.Distler O, NEJM 2019, doi: 10.1056/NEJMoa190307 CrossRef MEDLINE
2.Hoffmann-Vold AM et al.: Evidence-based consensus recommendations for the identification and Management of interstitional lung disease in systemic sclerosis. EULAR 2019, Madrid, Abstract OP006 CrossRef

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