ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2000Börsebius zu Lebensversicherungen: Geschäfte mit dem Tod

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zu Lebensversicherungen: Geschäfte mit dem Tod

Dtsch Arztebl 2000; 97(4): [64]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Ein guter Deal, so meinen findige Verkäufer, ist ein Geschäft, das allen Beteiligten nur Nutzen bringt und keinem schadet. Getreu dieser Maxime - darauf haben wir alle gewartet - steigt die in München ansässige cash.life AG in den Handel mit gebrauchten Lebensversicherungen ein. Nachdem in Großbritannien bereits lange praktizierten Vorbild soll es also nun auch in Deutschland möglich sein, eine gebrauchte Police zu erwerben. Das war ja auch höchste Zeit, dass auf dem Markt der Steuersparmodelle mal eine neue Idee in den Ring geworfen wird, wo doch mit Schiffsbeteiligungen und Windkraftanlagen nicht mehr so richtig Kasse zu machen war. Nun gut, oder auch nicht, jedenfalls findet die cash.life AG, übrigens eine Tochter der börsennotierten adv.orga Beteiligungsgesellschaft, die Sache sehr renditeträchtig und für Steuersparer sowieso geeignet.
Die Sache liefe dann so, dass der Kunde seinen Vertrag zwar weiterführt, seine Police aber an die cash.life AG abtritt. Alle Rechte und Pflichten wie zum Beispiel die Beitragszahlung gehen dann an den Erwerber über. Als Ausgleich erhält der Kunde dann eine finanzielle Gegenleistung, die von cash.life nach einem so genannten "Pricing Modell" ermittelt wird. Wie kommen Verkäufer und Käufer dieser gebrauchten Lebensversicherungen denn nun zusammen? Hier macht sich die cash.life AG schon mal gar keine Sorgen. Sie setzt sowohl auf Versicherer als auch auf Anlagevermittler, weil die ja ein Interesse haben, Kündigungen zu vermeiden, denn "geringe Stornoquoten gelten als eine Art Gütesiegel", so äußert sich zuversichtlich Vorstand Michael G. Hoesch. Weitere Kontakte könnten seiner Vorstellung nach auch über Banken kommen, die einen klammen Schuldner haben und dessen Police versilbern wollen. "Da ist zum Beispiel an den Investor zu denken, der sich mit Abschreibungsimmobilien in den neuen Bundesländern verhoben hat und als Sicherheit seine Policen eingesetzt hatte." Prima Vertriebsidee, sehr geehrter Herr Hoesch, wäre es denn aber vielleicht nicht einfacher, direkt dem damaligen Vermittler der havarierten Schrottimmobilie im Osten den Deal mit der als Sicherheit abgetretenen Lebensversicherung anzuvertrauen? Kunde und Vermittler kennen sich ja schon, das ist in sensiblen Gelddingen immer von Vorteil. Es mag alles rechtens sein, was es mit dieser neuen Geschäftsidee auf sich hat. Spätestens jetzt muss aber klar sein, dass hier Geschäfte mit Leuten gemacht werden sollen, die in Not geraten sind. Im Zweifel, bis dass der Tod sie scheidet. Börsebius
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