ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2000Eine stille Methode, in den Irrsinn zu trudeln

VARIA: Schlusspunkt

Eine stille Methode, in den Irrsinn zu trudeln

Dtsch Arztebl 2000; 97(4): [64]

Pfleger, Helmut

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LNSLNS "Die Hand des Konstrukteurs langt nach einem Bauern im Kasten, schließt sich um ihn, während der Geist noch darüber nachdenkt, ob ein Zug pariert, ein Loch gestopft werden muss, und wenn sich die Faust wieder öffnet, ist vielleicht eine geschlagene Stunde verstrichen, in der glühenden Gehirntätigkeit des Tüftlers zu Asche verbrannt... Ich erinnere mich an ein bestimmtes Problem, dessen Komposition ich monatelang versucht hatte... Der Löser würde zunächst auf ein täuschendes Spielmuster hereinfallen, welches der Problemkomponist unter größten Mühen als Falle eingeführt hatte. Doch... Schließlich findet der nun mit allen Wassern gewaschene Löser den Schlüsselzug wie jemand, der über Vancouver, Eurasien und die Azoren von New York nach Albany fährt." Nein, das schrieb nicht Kollege Dr. med. Stefan Eisert, das stammt von Vladimir Nabokov, dessen Liebe neben den Schmetterlingen vor allem dem Komponieren von Schachproblemen galt. Doch die heutige Aufgabe, ein filigranes Meisterwerk, ist sehr wohl von ersterem und belohnt den unbeirrten Löser wenn schon nicht mit der richtigen Lösung, so doch mit Erkenntniszuwachs über die verborgene, mathematisch-geometrische Schönheit des Schachspiels. Lassen Sie sich nicht von Raymond Chandler verwirren, der beim Schach von einer "Verschwendung menschlichen Geistes" sprach und in "Der lange Abschied" schreibt: "Von Zeit zu Zeit mal, wenn ich mich ekelhaft genug fühle, stelle ich es (Anm.: das Problem) auf und zermartere mir den Kopf mit neuen Versuchen, die Lösung zu finden. Das ist eine hübsche, stille Methode, in den Irrsinn zu trudeln. Still, weil man nicht einmal schreit. Aber man ist verdammt nahe dran."
Nun also wohlgemut an dieses partienahe Problem: Weiß zieht und gewinnt. Allerdings ist es zugegeben ziemlich schwierig und lässt selbst das meisterliche Programm "Genius 5" sich die Zähne ausbeißen. Also etwas für trübe Winternachmittage.
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