ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2019Thrombosen nach Polytrauma: Vena-Cava-Filter zur Prophylaxe von Lungenembolien bedingt tauglich

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Thrombosen nach Polytrauma: Vena-Cava-Filter zur Prophylaxe von Lungenembolien bedingt tauglich

Dtsch Arztebl 2019; 116(38): A-1661 / B-1374 / C-1346

Meyer, Rüdiger

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Foto: Kateryna_Kon/stock.adobe.com
Foto: Kateryna_Kon/stock.adobe.com

Bei schwerstverletzten Erwachsenen, denen zunächst keine Medikamente zur Thromboseprophylaxe verabreicht werden können, senkt ein Vena-Cava-Filter die Zahl schwerer Lungenembolien nicht. Eine Untergruppe, die länger nicht antikoaguliert werden darf, profitiert jedoch. Das ergab eine randomisierte Studie aus Australien (1).

Wegen erhöhter Thrombosegefahr in den Becken- und Beinvenen erhalten länger immobilisierte Polytrauma-Patienten meist eine medikamentöse Prophylaxe. Dies ist nach Schädel-Hirn-Trauma wegen der Gefahr einer Hirnblutung indes kontraindiziert. Von ihnen erhalten viele routinemäßig einen Vena-Cava-Filter zur Embolieprophylaxe.

Kwok Ho und sein Team vom Royal Perth Hospital haben bei 240 Polytraumatisierten den Nutzen der Maßnahme überprüft. Die Patienten (Altersmedian: 39 Jahre) erhielten randomisiert einen Vena-Cava-Filter oder nicht. Der primäre Endpunkt war zusammengesetzt aus einer symptomatischen Lungenembolie oder dem Tod innerhalb von 90 Tagen. Er trat, wie Ho berichtet, in beiden Gruppen gleich häufig auf (jeweils 17 Patienten).

Fazit: In der Gesamtgruppe erzielte der Filter demnach keinen Vorteil; die Bewertung der Studienautoren fällt daher insgesamt negativ aus.

Anders war die Situation bei Patienten, die eine Woche überlebten und auch danach noch keine Antikoagulanzien erhalten durften. Hier kam es später (bis zum 90. Tag) bei keinem der 46 Patienten (0 %) mit Vena-Cava-Filter zu einer symptomatischen Lungenembolie im Vergleich zu 5 von 34 Patienten (14,7 %) in der Kontrollgruppe. Diese Gruppe könnte zwar von der Implantation eines solchen Filters profitieren, aber wer darunter fällt, ist häufig nicht vorhersehbar.

Gegen die unkritische Implantation von Vena-Cava-Filtern sprechen (neben Kostenfragen) auch die möglichen Komplikationen bei dessen Entfernung. In der Studie gelang dies bei 7 Patienten nicht im ersten Versuch. Bei 3 Patienten kam es zum Abknicken des Filters, wodurch sich die Bergung verkomplizierte. Ein weiterer Filter musste durch eine Operation entfernt werden. Rüdiger Meyer

Ho KM, et al.: A Multicenter Trial of Vena Cava Filters in Severely Injured Patients NEJM 2019; 381: 328–37.

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