ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2019Darmlipide und Allergien: Stuhlprobe von Babys als Hinweis auf Asthmarisiko

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Darmlipide und Allergien: Stuhlprobe von Babys als Hinweis auf Asthmarisiko

Dtsch Arztebl 2019; 116(38): A-1661 / B-1374 / C-1346

Eckert, Nadine

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Foto: capable97/stock.adobe.com
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Ein Lipid im Stuhl von Babys könnte eine Prädisposition für Allergien und Asthma anzeigen. Das von Darmbakterien produzierte Lipid fördert eine Fehlfunktion des Immunsystems, die mit allergischem Asthma assoziiert ist und könnte so als Marker dienen, wie aus einer Arbeit von Forschern um Susan Lynch von der University of California in San Francisco hervorgeht.

Das Team um Lynch hatte schon früher gezeigt, dass bei einen Monat alten Säuglingen mit gestörter Darmflora ein erhöhtes Asthmarisiko besteht. Im Stuhl der Babys fanden sich besonders hohe Konzentrationen eines speziellen Lipids: 12,13-diHOME. Es reduziert Zahl und Aktivität jener T-Zellen, die allergische Entzündungen in Schach halten.

In ihrer aktuellen Studie zeigen die Forscher aus Kalifornien nun, dass 12,13-diHOME tatsächlich das Allergie- und Asthmarisiko erhöht (1). Mäuse, denen das Lipid in den Darm injiziert wurde, wiesen anschließend in der Lunge eine verringerte Zahl regulatorischer T-Zellen auf. Um die Herkunft des proinflammatorischen Lipids zu klären, untersuchte das Team die mikrobiellen Gene in Stuhlproben von 41 Detroiter Babys im Alter von einem Monat. Es zeigte sich, dass sowohl die Kopienzahl dreier Bakteriengene für 12,13-diHOME, aber auch seine Konzentration in den Stuhlproben vorhersagten, welche Säuglinge mit 2 Jahren eine Allergie oder mit 4 Jahren eine Asthmaerkrankung entwickeln würden. Repliziert wurde der Befund anhand von Stuhlproben von 50 Säuglingen aus der Region San Francisco.

Fazit: „Auch wenn diese Daten erst in einer noch größeren Studienkohorte repliziert werden müssen, zeigt die Tatsache, dass in 2 demografisch verschiedenen Populationen die gleichen Ergebnisse erzielt wurden, dass sich die Assoziation zwischen dem bakteriellen Lipid und dem kindlichen Allergie- und Asthmarisiko möglicherweise auf eine breitere Population verallgemeinern lässt“, sagt Erstautorin Sophia Levan, ebenfalls University of California in San Francisco. Die Autoren betonen allerdings, dass 12,13-diHOME wahrscheinlich nur eines von vielen mikrobiellen Produkten ist, die zu immunologischen Fehlfunktionen und höherer Suszeptibilität für Allergien beitragen.

Die Forscher wollen jetzt mittels 12,13-diHOME und weiteren mikrobiellen Molekülen Screeningprotokolle entwickeln, um gefährdete Neugeborene zu identifizieren. Zudem suchen sie Interventionsmöglichkeiten, um die Konzentrationen dieser mikrobiellen Produkte zu reduzieren und so möglicherweise das Allergierisiko der Neugeborenen zu senken. Nadine Eckert

Lewan SR, et al.: Elevated faecal 12,13-diHOME concentration in neonates at high risk for asthma is produced by gut bacteria and impedes immune tolerance. Nature Microbiology 22. Jul 2019. http://daebl.de/PQ69.

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