ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2019Leichenschau: Akut gefährlich
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Der von Dr. jur. Bernd Thode formulierten Forderung, durch Novellierung des Justizvergütungs- und Entschädigungsgesetzes (JVEG) eine auskömmliche Finanzierung rechtsmedizinischer Obduktionen sicherzustellen, ist uneingeschränkt zuzustimmen.

Der Artikel differenziert die grundsätzlichen Unterschiede zwischen den Obduktionsarten nicht. Neben der Unterfinanzierung rechtsmedizinischer Obduktionen ist vor allem auch die Unterfinanzierung klinischer Obduktionen gegeben. Die von Pathologen im Auftrag der behandelnden Klinikärzte durchgeführten klinischen Obduktionen sollten obligater Bestandteil von Qualitätssicherungsmaßnahmen im Krankenhaus sein und gehören zu einer offenen Kultur der freiwilligen Selbstkontrolle ärztlicher Maßnahmen. Auch der Gesetzgeber hat die Bedeutung klinischer Obduktion für die Qualitätssicherung erkannt und in § 9 Krankenhausentgelt-Gesetz festgeschrieben, dass bis Ende 2016 Anforderungen für die klinische Sektion zur Qualitätssicherung festgelegt und dafür Mittel vorgesehen werden müssen. Der Spitzenverband Bund der Krankenkassen, der Verband Privater Kran­ken­ver­siche­rungen sowie die Deutsche Krankenhausgesellschaft haben daraufhin zwar die Vereinbarung zu klinischen Sektionen geschlossen. Leider wurden aber mit den Voraussetzungen, die für den Abruf eines Vergütungszuschlages von den Krankenhäusern erfüllt werden müssen, so hohe Hürden aufgestellt, dass fast kein Krankenhaus den Zuschlag überhaupt erhalten kann und die vorgesehenen Mittel nicht fließen. Das wird weitere negative Auswirkungen auf die ohnehin schon sehr geringe Obduktionsrate haben. Es besteht die akute Gefahr, dass zurzeit noch mühsam aufrechterhaltene Strukturen zur Durchführung klinischer Obduktionen in Krankenhäusern ausgehungert werden und wichtige Expertise verloren geht.

Der konsequente Einsatz klinischer Obduktionen zur Aufklärung von Todesursachen im Krankenhaus würde durchaus auch die Sensibilität zur Wahrnehmung von Unregelmäßigkeiten erhöhen, die auf Tötungsdelikte im Krankenhaus hinweisen. Der Hinweis des Artikels auf die Korrelation der Zahl nachgewiesener Tötungsdelikte mit erhöhter Obduktionsquote gilt nur für rechtsmedizinische Obduktionen. Gleichwohl ist festzuhalten, dass der Gesetzgeber das Aufklärungspotenzial rechtsmedizinischer und klinischer Obduktionen zur Kenntnis nehmen, bewahren und sie ausreichend finanzieren muss, um Schaden von der Bevölkerung abzuwenden.

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Prof. Dr. med. Johannes Friemann, 58515 Lüdenscheid

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