ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2019Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung: Mit CRP-Schnelltest lassen sich unnötige Antibiotika bei Exazerbationen vermeiden

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung: Mit CRP-Schnelltest lassen sich unnötige Antibiotika bei Exazerbationen vermeiden

Dtsch Arztebl 2019; 116(38): A-1659 / B-1372 / C-1344

Heinzl, Susanne

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Foto: Science Photo Library
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Bei chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) treten pro Jahr 1–2, teilweise auch mehr akute Exazerbationen auf. Die Patienten erhalten dann meist oral Glukokortikoide und/oder Antibiotika oder werden stationär aufgenommen. Circa 20 % der Exazerbationen sind jedoch nicht infektiös bedingt und Antibiotika damit nicht effektiv.

Ob mithilfe eines CRP-Schnelltests eine unnötige Antibiotikaanwendung bei COPD-Exazerbationen vermieden werden kann, wurde in der multizentrischen, offenen, randomisierten und kontrollierten PACE-Studie untersucht (1).

In 86 Hausarztpraxen in England und Wales wurden 653 Patienten mit akuter Exazerbation einer COPD eingeschlossen, die mindestens ein Anthonisen-Kriterium (zunehmende Dyspnoe, Produktion von purulentem Sputum und zunehmendes Sputumvolumen) erfüllten. Randomisiert wurden sie in Abhängigkeit vom CRP-Wert behandelt, die Kontrollgruppe wurde ohne Berücksichtigung des CRP-Werts therapiert. Bei einem CRP-Wert < 20 mg/L sollte kein Antibiotikum verwendet werden, bei einem Wert von 20–40 mg/L konnte die Anwendung erwogen werden und bei einem CRP-Wert von > 40 mg/L war ein Antibiotikum angezeigt. Primäre Endpunkte waren die Häufigkeit der Antibiose innerhalb von 4 Wochen nach Randomisierung und der COPD-bezogene Gesundheitsstatus 2 Wochen nach Randomisierung.

In der CRP-gesteuerten Gruppe berichteten 150/263 Patienten einen Antibiotikaeinsatz (57 %), in der Vergleichsgruppe dagegen 212/274 Patienten, entsprechend 77,4 % (Odds Ratio [OR]: 0,31). Die klinischen Outcomes waren in beiden Gruppen ähnlich. Der Gesundheitszustand war in der CRP-Gruppe sogar etwas besser, der Score war um 0,19 Punkte niedriger als in der Kontrollgruppe. Patienten der CRP-Gruppe hatten bei Erstkonsultation mit 47,7 % seltener ein Antibiotika-Rezept erhalten als die der Kontrollgruppe mit 69,7 % (OR: 0,31). Auch in den ersten 4 Nachbeobachtungswochen wurden mit 59,1 % in der CRP-Gruppe weniger Antibiotika verordnet als in der Kontrollgruppe (79,7 %; OR: 0,30).

Fazit: „Die Ergebnisse der Studie sind überzeugend genug, um den Einsatz einer CRP-Testung als zusätzliche Maßnahme zur Entscheidung über eine Antibiose bei akuten Exazerbationen der COPD zu unterstützen“, heißt es im Editorial (2). Der CRP-Schnelltest könne auch bei anderen Indikationen sinnvoll angewendet werden.

Prof. Dr. med. Adrian Gillissen, Direktor der Medizinischen Klinik III der Ermstalklinik in Bad Urach, weist darauf hin, dass eine im Mai publizierte Studie mit hospitalisierten COPD-Patienten zu einem sehr ähnlichen Ergebnis gekommen sei (3). „Leider wurden keine klaren Grenzwerte angegeben, ab welcher CRP-Erhöhung bei exazerbierten Patienten ein Antibiotikum appliziert werden sollte“, so Gillissen. Die Richtwerte zum Vorgehen der aktuellen Studie (1) müssten durch weitere Untersuchungen untermauert werden. Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

  1. Butler CC, Gillespie D, White P, et al.: C-reactive protein testing to guide antibiotic prescribing for COPD exacerbations. N Engl J Med 2019; 381: 111–20.
  2. Brett AS, Al-Hasan MN: COPD exacerbations — a target for antibiotic stewardship. N Engl J Med 2019; 381: 174–75.
  3. Prins HJ, Duijkers R, van der Valk P, et al.: CRP-guided antibiotic treatment in acute exacerbations of COPD in hospital admissions. Eur Respir J 2019; 53: 1802014; DOI: 10.1183/13993003.02014–201.

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